Meta gibt neue Aktien aus und sichert Zuckerberg 60 Prozent Macht
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 05:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMeta setzt auf KI und behält Zuckerberg
- Meta gibt je Anteilsschein eine neue Aktie ohne Stimmrecht aus.
- Zuckerberg will mindestens acht Jahre in Kalifornien wohnen bleiben.
- Der Konzern greift zuletzt auf 3,64 Milliarden Nutzer seiner Apps zu.
Meta stärkt Zuckerberg mit neuer Aktienklasse
Meta-Chef Mark Zuckerberg hat mit einer Drohung des Wegzugs aus Kalifornien eine neue Aktienstruktur bei dem Facebook-Konzern durchgesetzt. Sie soll ihm ermöglichen, bei einer möglichen Milliardärsteuer Meta-Aktien zu verkaufen, ohne seinen Stimmrechtsanteil von rund 60 Prozent zu verringern.
Stimmrechte bleiben beim Gründer
Nach Verhandlungen mit Zuckerberg gibt Meta seinen Aktionären für jeden Anteilsschein eine neue Aktie ohne Stimmrechte. Zuckerbergs Vermögen wird aktuell auf 247 Milliarden Dollar geschätzt, umgerechnet 220 Milliarden Euro.
Hintergrund ist eine mögliche einmalige Abgabe von fünf Prozent auf Milliardärsvermögen, über die Wähler in Kalifornien im November entscheiden könnten. Zuckerberg warnte demnach am 9. September, sein Haus in Palo Alto binnen vier Tagen zum Verkauf zu stellen, falls keine Einigung zustande komme.
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Wohnsitz als Teil der Einigung
Zuckerberg sagte zu, mindestens acht Jahre einen Wohnsitz in Kalifornien zu behalten. Sollte er die Zentrale verlegen, soll sie im jeweiligen anderen Bundesstaat bleiben.
Meta baut KI-Infrastruktur aus
Meta will in diesem Jahr mindestens 135 Milliarden Dollar, rund 120 Milliarden Euro, in den Ausbau seiner KI-Infrastruktur investieren. Die Untergrenze der Prognose wurde erneut um fünf Milliarden Dollar angehoben; in der Spitze rechnet der Konzern weiterhin mit 145 Milliarden Dollar.
Im vergangenen Quartal stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 26 Prozent auf 64,6 Milliarden Dollar. Der Gewinn lag bei 9,86 Milliarden Dollar nach 2,7 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum.
Milliardenstrafe in New Mexico
Wenige Stunden vor Bekanntgabe der Zahlen wurde bekannt, dass Meta wegen des Datenschutzskandals um Cambridge Analytica eine Strafe von 25 Milliarden Dollar zahlen soll. Geschworene in New Mexico hatten entschieden, dass Nutzer mit Blick auf Datenschutz und Redefreiheit getäuscht worden seien.
Der Richter setzte zunächst einen Strafbetrag von knapp 219,5 Milliarden Dollar fest, reduzierte ihn anschließend aber auf 25 Milliarden. Meta erklärte, man werde sich im Berufungsverfahren durchsetzen.
Metas neue Aktienstruktur verbindet die persönliche Vermögensplanung von Mark Zuckerberg mit dem strategischen Kapitalbedarf des Konzerns. Die Ausgabe stimmrechtsloser Aktien ermöglicht es dem Gründer, Vermögenswerte zu verkaufen, ohne seinen maßgeblichen Einfluss auf Meta aufzugeben. Damit bleibt die Kontrolle über den Konzern auch dann abgesichert, wenn eine mögliche kalifornische Abgabe auf große Vermögen tatsächlich beschlossen wird.
Kontrolle trotz Kapitalbedarf
Der Vorgang zeigt die besondere Bedeutung dualer Aktienstrukturen bei von Gründern geprägten Technologiekonzernen. Zuckerberg hält rund 60 Prozent der Stimmrechte und kann damit unternehmerische Entscheidungen dominieren, obwohl sein wirtschaftlicher Anteil und sein Stimmrechtsanteil nicht zwingend im gleichen Maß sinken müssen.
Für Meta fällt die Änderung in eine Phase außergewöhnlich hoher Investitionen. Der Konzern plant 135 bis 145 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur und muss diese Ausgaben aus einem starken Werbegeschäft, zusätzlicher Finanzierung und künftigem Wachstum tragen. Die neue Aktienklasse kann deshalb zugleich als Instrument für Zuckerbergs persönliche Liquidität und als Signal an Kapitalgeber verstanden werden.
Steigende Belastungen im Kerngeschäft
Die Quartalszahlen verdeutlichen den finanziellen Spielraum, aber auch die Risiken: Der Umsatz stieg deutlich, während Rechtsstreitigkeiten und hohe KI-Ausgaben die Ergebnisentwicklung belasten. Kurzfristig können gute Werbeerlöse die Investitionen finanzieren; langfristig muss Meta beweisen, dass sich die teure Infrastruktur in zusätzlichen Einnahmen niederschlägt.
Für Nutzer und Anleger bleibt damit vor allem die Frage relevant, ob Metas KI-Ausbau die Plattformen wirtschaftlich stärkt und zugleich die starke Stellung Zuckerbergs verfestigt. Die geplante Wohnsitzregelung macht außerdem sichtbar, wie eng Steuerpolitik, Standortentscheidungen und die Machtverteilung in globalen Technologiekonzernen miteinander verbunden sind.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Metas Gewinn bricht nach teurem Vergleich ein“ (21.10.2026)
Der Beitrag ordnet die neuen stimmrechtslosen Aktien vor allem als Finanzierungsinstrument für Metas KI-Ausbau ein und hebt Zuckerbergs gesicherte Kontrolle hervor. Anders als die dpa-Meldung konzentriert er sich stärker auf den Gewinneinbruch durch einen weiteren Vergleich und auf die Prognose für das vierte Quartal.
Stern: „Meta fährt im dritten Quartal Gewinn ein - Belastung aber durch Rechtsstreitigkeiten“ (22.10.2026)
Der Artikel betont den Quartalsgewinn von 9,86 Milliarden Dollar, den Umsatzanstieg und die Belastung durch Rechtsstreitigkeiten. Gemeinsam mit der dpa-Meldung stellt er Metas Werbegeschäft als finanzielle Grundlage des KI-Ausbaus heraus, setzt den Schwerpunkt aber stärker auf Gerichtsverfahren und die nächste Umsatzprognose.
Beide Beiträge bestätigen die Verbindung von KI-Investitionen und stimmrechtslosen Aktien. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Schwerpunkt: Während die dpa-Meldung Zuckerbergs Steuer- und Standortinteressen in den Mittelpunkt stellt, beleuchten die Fremdbeiträge stärker Ergebnisbelastungen und Rechtsrisiken.

