Manipulationsschutz: 73% der Packungen mangelhaft laut EU-Studie
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 14:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Sicherheitsmerkmal, das Patienten vor gefälschten oder manipulierten Arzneimitteln schützen soll, lässt sich einer Recherche des ARD-Wirtschaftsmagazins Plusminus zufolge offenbar mit einfachsten Mitteln überwinden.
Der Beitrag mit dem Titel „Plusminus: Manipulierte Arzneimittelpackungen“ zeigt, dass sich der Kleber der sogenannten Erstöffnungsschutzsiegel mit Hitze verflüssigen lässt – die Verpackung lässt sich öffnen, der Inhalt austauschen und die Packung anschließend wieder verschließen, ohne dass Spuren zurückbleiben.
Ein Bügeleisen als Werkzeug
Den Ausgangspunkt der Recherche bildet die Entdeckung eines Pharmahändlers, der herausfand, dass ein gewöhnliches Bügeleisen genügt, um den Kleber der Sicherheitssiegel zu lösen. Damit lässt sich der Manipulationsschutz, der eigentlich verhindern soll, dass Arzneimittelpackungen unbemerkt geöffnet und wieder verschlossen werden, ohne größeren Aufwand aushebeln. Ein staatliches Labor bestätigte laut Plusminus die Sicherheitslücke.
Behörden sehen offenbar keinen Handlungsbedarf
Besonders brisant an der Recherche ist der Umgang der zuständigen Institutionen mit dem Problem. Dem Bericht zufolge ist das Risiko dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) seit Jahren bekannt – dennoch seien bislang keine Maßnahmen ergriffen worden. Das BfArM sehe nach eigener Darstellung keinen Handlungsbedarf.
Auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) äußerte sich laut Plusminus zurückhaltend und verwies auf die Zuständigkeit der nationalen Behörden. Ein Gutachten, auf das sich die Recherche stützt, bestätigt demnach ein aus Sicht der Autoren ungenügendes Sicherheitsmerkmal.
Was eine EU-Studie aus dem Jahr 2024 zeigt
Die EU-Studie zeigt: 19 von 26 Medikamentenpackungen sind mangelhaft geschützt – und mit einem Bügeleisen lässt sich der Schutz sogar spurlos überwinden. Behörden reagieren nicht. Schützen Sie sich mit unserem Leitfaden: Erkennen Sie manipulierte Packungen, bevor Sie Ihr Medikament einnehmen. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Untermauert wird die Kritik durch eine EU-Studie aus dem Jahr 2024, die laut Plusminus zu einem deutlichen Ergebnis kommt: Von 26 untersuchten Arzneimittelpackungen wiesen 19 einen mangelhaften oder unzureichenden Manipulationsschutz auf. Diese Zahl legt nahe, dass es sich nicht um einen Einzelfall, sondern um ein strukturelles Problem bei der Kennzeichnung von Medikamentenverpackungen innerhalb der Europäischen Union handeln könnte.
Ein dokumentierter Fälschungsfall in Slowenien
Dass die theoretische Sicherheitslücke auch praktische Konsequenzen haben kann, zeigt ein Fall aus Slowenien: Dort wurde im Jahr 2025 ein Fälschungsfall gemeldet, bei dem der Manipulationsschutz einer Arzneimittelpackung offenbar überwunden wurde. Ein solcher Fall verdeutlicht, dass die von Experten beschriebene Schwachstelle nicht nur ein Laborphänomen ist, sondern bereits im realen Vertriebssystem eine Rolle gespielt hat.
Bedeutung für Patientinnen und Patienten
Für Verbraucher, insbesondere für ältere Menschen, die häufig auf eine zuverlässige und kontinuierliche Medikamentenversorgung angewiesen sind, wirft die Recherche grundsätzliche Fragen zur Sicherheit der Arzneimittelkette auf.
Ein Fälschungsfall in Slowenien zeigt: Die Sicherheitslücke ist real – und Behörden sehen keinen Handlungsbedarf. Gerade als Senior sind Sie auf sichere Medikamente angewiesen. Lernen Sie mit unserer Checkliste, wie Sie gefälschte Packungen erkennen und sich und Ihre Familie schützen. Sicherheits-Checkliste jetzt sichern
Der Manipulationsschutz war ursprünglich eingeführt worden, um genau solche Szenarien – den unbemerkten Austausch von Inhalten in verschlossenen Packungen – auszuschließen. Wenn sich dieser Schutz jedoch, wie von Plusminus dargestellt, mit einem haushaltsüblichen Gerät wie einem Bügeleisen umgehen lässt, stellt sich die Frage, wie wirksam die bestehenden Kontrollmechanismen tatsächlich sind.
Der Beitrag wurde am 19. August 2026 um 21:45 Uhr im Ersten ausgestrahlt. Angesichts der von den Behörden bislang ausbleibenden Reaktion bleibt zunächst offen, ob und in welcher Form BfArM oder EMA auf die aufgezeigten Schwachstellen reagieren werden.
