Manager-Burnout: Nur 11% fühlen sich noch gebunden
17.06.2026 - 07:32:39 | boerse-global.de
Nur noch 11 Prozent der Manager fühlen sich stark an ihr Unternehmen gebunden – ein dramatischer Rückgang innerhalb eines Jahres.
Die Zahlen des aktuellen Gallup-Engagement-Index sprechen eine deutliche Sprache. Im Vorjahr lag der Anteil der stark gebundenen Führungskräfte noch bei 18 Prozent. Gleichzeitig leidet fast jeder fünfte Manager (19 Prozent) regelmäßig unter Erschöpfungszuständen.
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Coachin Violeta Nikolic sieht die Ursachen in ständigen Transformationsprozessen, fehlender Rückendeckung und einem drohenden Sinnverlust. Die Folge: Immer mehr Manager praktizieren „Quiet Quitting“ – sie bleiben auf ihrer Position, kündigen aber innerlich.
Wenn der Körper Alarm schlägt
Der TK-Stressreport 2025 belegt: 66 Prozent der Deutschen erleben regelmäßig Stress. Digitaler Stress und die Prävention von Burnout und Boreout stehen ganz oben auf der Agenda betrieblicher Gesundheitsvorsorge.
Die Chefetagen reagieren unterschiedlich. Bettina Orloff, Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, setzt auf Gelassenheit durch Erfahrung. Ihr Motto: Die Welt hat auch nach schwierigen Phasen am nächsten Tag noch Bestand.
Leonhard Birnbaum, Chef des Energiekonzerns Eon, nutzt Klettern als bewusste Fokus-Übung ohne Multitasking. Hirnforscher Volker Busch bestätigt: Der Verlust des Fokus gilt als größter Stressfaktor – und Resilienz ist trainierbar.
KI als Entlastung für überlastete Manager
Christina Puello von der Deutschen Dienstrad integriert KI-Assistenten in ihren Arbeitsalltag, um die operative Last zu reduzieren. Iris Grewe, bei Bearingpoint verantwortlich für 500 Millionen Euro Umsatz und 2500 Mitarbeiter, setzt auf strukturierte Resilienz-Strategien.
Doch die Unternehmen tun sich schwer. Eine Allensbach-BDI-Befragung vom Juni 2026 zeigt: 77 Prozent der deutschen Industrieunternehmen haben immerhin eine Resilienzstrategie. 16 Prozent bereiten eine vor.
BDI-Präsident Peter Leibinger warnt jedoch: Bei Energieversorgung, Infrastruktur und globalen Abhängigkeiten stoßen Unternehmen oft an systemische Grenzen. Sie brauchen einen stabilen politischen Rahmen.
Cyber-Kriminalität als größte Gefahr
Der BDO Global Risk Landscape Report 2026, für den rund 500 Führungskräfte befragt wurden, zeigt ein düsteres Bild: 80 Prozent sehen die Welt stärker von Krisen geprägt als zuvor. Als größtes Risiko gilt Cyber-Kriminalität – 40 Prozent fühlen sich darauf unzureichend vorbereitet.
Markus Brinkmann von BDO warnt: Geopolitische Herausforderungen erhöhen die Gefahr von Betrugsfällen massiv.
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Prävention rechnet sich
Eine McKinsey-Studie belegt den wirtschaftlichen Nutzen von Resilienz-Maßnahmen: Professionelles Coaching steigert die Entscheidungsqualität um 23 Prozent und senkt die Fluktuation um 15 Prozent. Das ist besonders relevant: Bis 2028 werden in Deutschland rund 770.000 Fachkräfte fehlen.
Die Handelskammer Hamburg plant für den 24. September 2026 die Übung „Red Storm Business“. Unternehmen wie Edeka und ECE simulieren einen längerfristigen Stromausfall.
Europa plant unabhängigere Lieferketten
ZEW-Präsident Achim Wambach schlug im Juni 2026 die Gründung eines „European Supply Security Board“ vor. Das Gremium soll die Diversifizierung von Lieferketten für kritische Rohstoffe wie Chips und Seltene Erden vorantreiben.
Der Arbeitsmarkt spiegelt die wachsende Bedeutung des Thema: BGM-Manager verdienen derzeit zwischen 45.000 und 65.000 Euro, HR Business Partner erreichen bis zu 70.000 Euro. Experten wie Dr. Hans-Dieter Hermann diskutieren auf dem Signal Security Summit im November Strategien zum Erhalt der Leistungsfähigkeit unter Druck.
