Makuladegeneration, LAPTM5-Kaskade

Makuladegeneration: LAPTM5-Kaskade treibt Narbenbildung in der Netzhaut

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 09:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Maus- und Zellversuche zeigen mögliche Ansatzpunkte gegen Fibrose bei AMD und Gefäßschäden durch Diabetes.

Netzhautforschung: LAPTM5 und Piceatannol im Fokus zweier Studien
Mikroskopische Nahaufnahme von feinen, komplexen biologischen Gewebestrukturen in kühlem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Degenerative Veränderungen der Netzhaut und chronische Entzündungsprozesse im Auge stellen die medizinische Forschung vor komplexe Herausforderungen. Zwei neuere wissenschaftliche Arbeiten liefern nun detaillierte Einblicke in unterschiedliche Krankheitsmechanismen: Während eine Untersuchung eine zelluläre Signalkaskade entschlüsselt, die zu Narbenbildung bei altersbedingten Netzhautschäden führt, widmet sich eine weitere Studie dem gefäßschützenden Potenzial des pflanzlichen Wirkstoffs Piceatannol.

LAPTM5-Kaskade treibt Fibrose bei Makuladegeneration

In einer im Fachjournal GeroScience publizierten Untersuchung (DOI 10.1007/s11357-026-02506-2) identifizierten Wissenschaftler einen zentralen Treiber subretinaler Fibrose bei der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD).

Den Ergebnissen zufolge akkumuliert das Protein LAPTM5 im alternden retinalen Pigmentepithel (RPE), was den geordneten Abbau geschädigter Mitochondrien (Mitophagie) unterbindet und eine cGAS-STING-vermittelte Entzündung in Gang setzt.

Der molekulare Ablauf vollzieht sich über mehrere Stufen: LAPTM5 baut die E3-Ligase WWP2 ab, woraufhin das Protein OPTN seine Ubiquitin-Markierungen verliert. Durch das anschließende Versagen der Mitophagie tritt mitochondriale DNA aus, was den cGAS-STING-Signalweg aktiviert. Dieser Prozess führt zur Ausbildung eines seneszenzassoziierten sekretorischen Phänotyps (SASP) und treibt schließlich die fibrotische Narbenbildung voran.

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Die Daten basieren auf Analysen humaner AMD-Proben sowie Versuchen an Mäusen mit D-Galactose-beschleunigter Alterung. Therapeutische Ansätze zeigten im Tiermodell bereits messbare Wirkungen: Ein über Adeno-assoziierte Viren (AAV) gesteuerter Knockdown von Laptm5 verringerte subretinale Läsionen bei gealterten Tieren, während der STING-Inhibitor H-151 den Übergang von epithelialen zu mesenchymalen Zellen abschwächte.

Als Limitationen der Studie gilt, dass das D-Galactose-Modell die menschliche AMD-Erkrankung nicht lückenlos abbildet und einzelne parakrine Schritte auf Modellrechnungen beruhen.

Gefäßschutz durch den Trauben-Wirkstoff Piceatannol

Einen komplementären Ansatz verfolgt eine Studie im Journal of Translational Medicine (DOI 10.1186/s12967-026-08893-6), die den Einfluss des Polyphenols Piceatannol auf diabetisch geschädigte Netzhäute untersucht. Die Verbindung, die unter anderem in Trauben, Beeren und Rotwein vorkommt, zeigte bei Streptozotocin-induzierten diabetischen Mäusen eine schützende Wirkung auf die retinalen Blutgefäße.

Mittels Netzwerkpharmakologie und Transkriptomik ermittelten die Forscher 159 überlappende Zielstrukturen und machten CCR5 als zentralen Rezeptor aus. Der Wirkmechanismus greift demnach in die CCL5/CCR5/NF-?B-Achse in den Mikrogliazellen der Netzhaut ein. Piceatannol hemmte in den Versuchen die entzündungsfördernde M1-Polarisierung der Immunzellen und förderte zugleich M2-Marker.

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Dies führte zu einer Stabilisierung der Tight-Junction-Proteine ZO-1 und Claudin-5. In der Folge stellten die Forscher eine Normalisierung der Netzhautdicke, eine Verringerung azellulärer Kapillaren sowie reduzierte Gefäßundichtigkeiten fest; Versuche mittels siRNA-Knockdown von CCR5 bestätigten den ursächlichen Zusammenhang.

Auch hier existieren methodische Einschränkungen: Die Ergebnisse stützen sich bislang auf Zellkulturen und Mausmodelle, während Fragen zur Bioverfügbarkeit, Dosierung und langfristigen Sicherheit beim Menschen noch ungeklärt sind.

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