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Majorana 2: Microsoft halbiert Zeitplan für Quantencomputer auf 2029

03.06.2026 - 06:15:05 | boerse-global.de

Microsoft stellt den Majorana 2-Chip vor und verkürzt den Zeitplan für kommerzielle Quantencomputer drastisch. Neue Materialien und KI treiben die Entwicklung.

Majorana 2: Microsoft halbiert Zeitplan für Quantencomputer auf 2029 - Bild: über boerse-global.de
Majorana 2: Microsoft halbiert Zeitplan für Quantencomputer auf 2029 - Bild: über boerse-global.de

Microsoft verkündet auf der Build-Konferenz einen Quantensprung – und halbiert seinen Zeitplan für den kommerziellen Quantencomputer.

Der Technologiekonzern hat am Dienstag die Entwicklung seines nächsten Quantenprozessors Majorana 2 vorgestellt. Der neue Chip markiert eine radikale Wende in Microsofts Strategie für topologische Quantencomputer. Die Zuverlässigkeit der Qubits – der grundlegenden Recheneinheiten – habe sich im Vergleich zum Vorgänger um das Tausendfache verbessert. Damit rückt das Ziel eines skalierbaren, kommerziell nutzbaren Quantencomputers auf das Jahr 2029 vor – die bisherige Prognose von 2033 wurde damit halbiert.

Materialrevolution als Schlüssel zum Erfolg

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Der Leistungssprung des Majorana 2 beruht auf einem fundamentalen Wechsel im Materialaufbau. Microsoft-Ingenieure ersetzten Aluminium durch Blei als primäres Supraleitermaterial. Hinzu kommt eine Halbleiterstruktur aus Indiumarsenid, Antimon und Indiumarsenid-Antimonid. Diese Umstellung erlaubte es, die sogenannte topologische Lücke – ein entscheidendes Maß für die Stabilität der Qubits – von 30 auf 70 Mikroelektronenvolt mehr als zu verdoppeln.

Die technischen Anpassungen führten zu einer drastisch verlängerten Lebensdauer der Qubits. Während frühere Generationen und konkurrierende Technologien oft nur Millisekunden oder Mikrosekunden erreichten, zeigt der Majorana 2 eine mediane Paritätslebensdauer von 20 Sekunden. In Spitzenwerten wurden sogar bis zu einer Minute gemessen. Die aktuelle Version des Chips verfügt über 12 Qubits und weist eine tausendfache Verbesserung der Schaltzeiten auf.

KI beschleunigt die Entwicklung

Die Entwicklung des Majorana 2 wurde durch Microsoft Discovery vorangetrieben – eine Plattform KI-gestützter Assistenten für wissenschaftliche Forschung. Nach Angaben des Unternehmens waren diese KI-Agenten maßgeblich an der Automatisierung komplexer Messungen, der Optimierung von Fertigungsprozessen und der Durchführung schneller Materialwissenschaftssimulationen beteiligt.

Parallel zur Chip-Ankündigung erklärte Microsoft, dass die Discovery-Plattform nun allgemein für Kunden verfügbar sei. Zudem bietet das Unternehmen eine kostenlose lokale Anwendung für Nutzer von GitHub Copilot an, um ähnliche KI-gesteuerte Arbeitsabläufe in Forschung und Entwicklung zu ermöglichen.

Strategischer Fahrplan und externe Prüfung

Das Jahr 2029 als Ziel für einen praxistauglichen Quantencomputer bedeutet eine erhebliche Beschleunigung des Microsoft-Quantenprogramms. Zulfi Alam, ein führender Manager bei Microsoft, deutete an, dass das Unternehmen innerhalb der nächsten drei Jahre ein System liefern will, das kommerziell relevante Probleme lösen kann.

Zur Überprüfung dieser Behauptungen beteiligt sich Microsoft an der Quantum Benchmarking Initiative der US-Forschungsbehörde DARPA. Die Behörde hat Microsoft Berichten zufolge in die finale Phase dieses Programms aufgenommen, das die Leistungsfähigkeit und Skalierbarkeit der Quantenhardware verifizieren soll.

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Wissenschaftliche Skepsis bleibt

Trotz der gemeldeten technischen Durchbrüche äußert sich ein Teil der Wissenschaft zurückhaltend. Die Daten zum Majorana 2 wurden als Vorabdruck (Preprint) veröffentlicht und haben noch kein formelles Peer-Review durchlaufen. Dies folgt auf einen Vorfall aus dem Jahr 2018, bei dem eine verwandte Studie im Fachjournal Nature zurückgezogen werden musste – seither stehen Microsofts Quantenbehauptungen unter besonderer Beobachtung.

Physiker weisen auf Bereiche hin, in denen weitere Daten nötig sind. Henry Legg von der University of St. Andrews merkte an, dass die aktuellen Ergebnisse hauptsächlich Z-Messungen präsentieren, aber X-Messungen fehlen – diese wären notwendig, um ein voll funktionsfähiges topologisches Qubit nachzuweisen. Sergey Frolov von der University of Pittsburgh beobachtete zudem, dass ein früherer Preprint des Teams seit Sommer 2025 unveröffentlicht geblieben ist. Zwar erkannte etwa Kartiek Agarwal vom Argonne National Laboratory Fortschritte bei den nicht-lokalen Eigenschaften der Majorana-Partikel an – doch die Branche wartet auf eine bestätigende Veröffentlichung nach Peer-Review.

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