Magnesiumpräparate: Keine Humanstudien belegen gezielte Wirkung auf Organe
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 20:14 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Vermarktung von Nahrungsergänzungsmitteln unterscheidet häufig streng zwischen verschiedenen Magnesiumverbindungen. Einer Analyse des GMJ News Desk zufolge verhalten sich die unterschiedlichen Magnesiumsalze im menschlichen Magen jedoch grundlegend gleich: In der Magensäure zerfallen sie identisch und setzen freie Magnesium-Ionen frei.
Die chemische Bindungsform bestimmt demnach lediglich die Auflösegeschwindigkeit der Verbindung, steuert das Mineral jedoch nicht in spezifische Zielgewebe.
Keine klinischen Belege für gezieltes Organ-Targeting
Viele Hersteller bewerben bestimmte Salze für konkrete Einsatzbereiche, etwa Threonat für das Gehirn, Glycinat zur Schlafförderung oder Taurat zur Unterstützung des Herzens. Laut dem GMJ News Desk existieren für ein solches organspezifisches Targeting jedoch keine Humanstudien.
Organische Formen wie Citrat und Glycinat weisen im Vergleich zu anorganischem Magnesiumoxid lediglich geringfügig höhere Absorptionsraten auf, gemessen an begrenzten biologischen Markern.
Dass Citrat eine bessere Löslichkeit als Magnesiumoxid besitzt und zu einer stärkeren Magnesiumausscheidung im Urin führt, zeigte bereits eine 1990 im Journal of the American College of Nutrition veröffentlichte Untersuchung; Verbindungen wie Bisglycinat, Malat oder Taurinat wurden darin jedoch nicht analysiert.
Auch sogenannte Multi-Magnesium-Präparate, die mehrere Formen wie Citrat, Bisglycinat, Malat, Taurat, Glukonat und L-Threonat kombinieren, bringen nicht automatisch bessere Resultate.
Entscheidend ist der Gehalt an elementarem Magnesium
Für den ernährungsphysiologischen Nutzen ist nicht das Gesamtgewicht einer chemischen Verbindung oder die auffälligste Zahl auf der Verpackung ausschlaggebend, sondern die tatsächlich enthaltene Menge an elementarem Magnesium pro Tagesportion. So ergeben beispielsweise 664 Milligramm Magnesiumbisglycinat etwa 120 Milligramm elementares Magnesium.
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Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) legte 2015 eine angemessene tägliche Zufuhr von 350 Milligramm für erwachsene Männer und 300 Milligramm für erwachsene Frauen fest, basierend auf dem üblichen Verzehr der gesunden EU-Bevölkerung.
Am Markt erhältliche Kombinationsprodukte wie das Triple-Magnesium von Be Levels (60 Kapseln für 32 Euro) enthalten pro empfohlener Tagesdosis von zwei Kapseln 119,5 Milligramm Magnesium aus Bisglycinat, 114,8 Milligramm aus Malat und 15,5 Milligramm aus Taurinat, was zusammen 249,8 Milligramm elementarem Magnesium (66,6 Prozent des Referenzwerts) entspricht, ergänzt durch Vitamin B6.
Resorption und spezifische Wirkstoffuntersuchungen
Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde NIH werden über die Nahrung üblicherweise rund 30 bis 40 Prozent des zugeführten Magnesiums absorbiert. Bei geringerer Gesamtzufuhr fällt die relative Absorptionsrate höher aus, bei größeren Einzelmengen sinkt sie.
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Neben der Wasserlöslichkeit beeinflussen individuelle Faktoren wie das Alter, die Nierenfunktion sowie Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts – darunter Zöliakie, chronischer Durchfall, Morbus Crohn oder Darmoperationen – das Aufnahmevermögen.
Einige Spezialverbindungen werden gesondert erforscht. Das 1999 von Synapharm kommerzialisierte acetylierte Magnesiumtaurinat (ATAMg) weist einen Magnesiumgehalt von 6,5 bis 6,9 Prozent auf, während Diglycinat 14 bis 16 Prozent enthält.
In In-vivo-Mausstudien führten 45 Milligramm Magnesium aus ATAMg zu vergleichbaren Magnesiumkonzentrationen im Gehirngewebe wie etwa 405 Milligramm aus Diglycinat. Eine Caco-2-Zellstudie aus dem Jahr 2019 berichtete über eine verbesserte Darmabsorption gegenüber Citrat, Glycerophosphat und herkömmlichem Taurinat.
In einer klinischen Untersuchung mit 19 Frauen im Alter von 18 bis 45 Jahren über drei Zyklen linderte die Gabe von täglich 770 Milligramm ATAMg mehr als 20 PMS-Symptome. Der Stoff ist in der Europäischen Union unter der Verordnung 1170/2009 zugelassen.
Nebenwirkungen und mögliche Wechselwirkungen
Bei der Einnahme hoch dosierter Präparate können unerwünschte Wirkungen auftreten. Größere Mengen Magnesium führen häufig zu Magenkrämpfen, Übelkeit und Durchfall. Bei bestehenden Nierenerkrankungen bestehen ernstere gesundheitliche Risiken. Zudem kann Magnesium die Wirkung bestimmter Antibiotika und Osteoporose-Medikamente beeinträchtigen.
