Magersucht bei Kindern: 6.000 Fälle statt 2.800 in 20 Jahren
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 14:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die stationäre Behandlung von Essstörungen hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Deutschland signifikant zugenommen. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung bei jungen Patientinnen. Eine Analyse der Daten des Statistischen Bundesamtes verdeutlicht, dass sich die Fallzahlen bei Mädchen im Alter zwischen 10 und 17 Jahren innerhalb von zwanzig Jahren mehr als verdoppelt haben. Während im Jahr 2004 etwa 2.800 Betroffene in dieser Altersgruppe in Kliniken behandelt wurden, stieg diese Zahl bis zum Jahr 2024 auf circa 6.000 Fälle an.
Verdoppelung der Behandlungszahlen bei Minderjährigen
Die statistische Auswertung für das Jahr 2024 belegt eine strukturelle Verschiebung innerhalb der Patientengruppe. Der Anteil der 10- bis 17-jährigen Mädchen an der Gesamtzahl aller wegen Essstörungen behandelten Personen hat sich im Vergleich zum Jahr 2004 nahezu verdoppelt. Erreichte dieser Anteil damals noch 24,9 %, so entfielen im Jahr 2024 insgesamt 48,1 % aller klinischen Behandlungen auf diese junge Altersgruppe.
Insgesamt wurden im Jahr 2024 rund 12.400 stationäre Behandlungen aufgrund von Essstörungen registriert. Im Vergleich zum Vorjahr 2023 entspricht dies einem moderaten Zuwachs von 2,2 %. In der langfristigen Betrachtung gegenüber dem Jahr 2004 zeigt sich jedoch eine Steigerung um insgesamt 8 %.
Magersucht bleibt die häufigste Diagnose
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Innerhalb des Spektrums der Essstörungen stellt die Magersucht das am weitesten verbreitete Krankheitsbild im stationären Bereich dar. Im Jahr 2024 wurden 9.000 Fälle dieser Diagnose zugeordnet. An zweiter Stelle folgte die Bulimie mit 1.300 Behandlungsfällen.
Ein weiteres Merkmal der statistischen Erhebung ist die Geschlechterverteilung. Der Frauenanteil an allen klinisch behandelten Essstörungsfällen ist über die Jahre hinweg weiter gestiegen. Lag er im Jahr 2004 bei 88,5 %, so machten Frauen und Mädchen im Jahr 2024 insgesamt 92,9 % der Patientenschaft aus. Damit bleibt die Erkrankung ein Phänomen, das in der stationären Versorgung fast ausschließlich Patientinnen betrifft, wobei der männliche Anteil statistisch geringfügig sank.
Übergreifende Erkenntnisse und Risikogruppen
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Ergänzend zu den klinischen Daten des Statistischen Bundesamtes liefern Krankenkassenauswertungen ein umfassenderes Bild der gesundheitlichen Lage. Daten der KKH für das Jahr 2023 bezifferten die Zahl der diagnostizierten Essstörungen auf fast 460.000 Fälle. Diese Zahl umfasst neben den stationären Aufenthalten mutmaßlich auch ambulante Diagnosen und unterstreicht die Relevanz des Themas für das gesamte Gesundheitssystem.
Zudem rücken spezifische Bevölkerungsgruppen in den Fokus der Forschung. Wissenschaftliche Untersuchungen, darunter eine US-Studie, deuten darauf hin, dass queere Menschen ein deutlich höheres Risiko für die Entwicklung einer Essstörung tragen. Den Ergebnissen zufolge sind Personen aus diesem Umfeld etwa doppelt so häufig von entsprechenden Krankheitsbildern betroffen wie die restliche Bevölkerung. Diese Erkenntnisse erweitern den Blickwinkel auf die Prävention und die Identifizierung besonders gefährdeter Gruppen über die klassischen Alters- und Geschlechterkategorien hinaus.
