Magenkrebs: Zuckerhaltige Getränke erhöhen Risiko um 145%
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 16:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Analysen der Harvard University und begleitende Laborstudien geben neue Einblicke in den Zusammenhang zwischen dem Konsum zuckerhaltiger Getränke und der Entstehung von Krebserkrankungen. Besonders im Fokus steht dabei das Risiko für Magenkrebs, das laut aktuellen Auswertungen bei hohem Konsum signifikant ansteigt.
Langzeitstudie der Harvard University belegt signifikante Risikozunahme
In einer umfassenden Untersuchung, die im Jahr 2026 in der Fachzeitschrift „Gastro Hep Advances“ veröffentlicht wurde, werteten Forscher der Harvard University Daten von 112.284 Erwachsenen aus. Die Analyse umfasste einen Zeitraum von insgesamt 3,2 Millionen Personenjahren, in denen 278 Fälle von Magenkrebs dokumentiert wurden.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein täglicher Konsum von mindestens einer Portion (240 ml) zuckerhaltiger Getränke das Risiko für Magenkrebs um das 2,45-Fache erhöht. Dies entspricht einer Steigerung von 145 % im Vergleich zu Probanden, die keine oder nur geringe Mengen solcher Getränke zu sich nehmen. Die Auswertung zeigt zudem eine dosisabhängige Korrelation: Mit jeder zusätzlichen Portion pro Woche steige das Risiko um weitere 6 %.
Geschlechtsspezifische Unterschiede und Rolle von Süßstoffen
Bei der Aufschlüsselung nach Geschlechtern stellten die Wissenschaftler deutliche Unterschiede fest. Frauen wiesen demnach ein um 204 % (etwa dreifach) erhöhtes Risiko auf, während die Zunahme bei Männern bei 99 % (etwa zweifach) lag. Als wesentliche Ursache für diese Entwicklung identifizierten die Forscher den zugesetzten Zucker in den Getränken.
Interessanterweise konnte die Studie keinen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Diät-Limonaden oder künstlichen Süßstoffen und einem erhöhten Magenkrebsrisiko feststellen. Fachleute weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Süßstoffe wie Aspartam oder Sucralose innerhalb der festgelegten Höchstmengen als sicher gelten, wenngleich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Aspartam im Jahr 2023 als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft habe.
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Zelluläre Mechanismen und die Rolle von Glukose
Ergänzende Erkenntnisse lieferte eine Laborstudie von Sanford Burnham Prebys. Die Forscher untersuchten dort, wie ein Glukoseüberschuss die Beschaffenheit von Tumorzellen beeinflusst. Unter tumorähnlichen Bedingungen wurde beobachtet, dass ein Überangebot an Zucker die sogenannte Glykokalyx – eine schützende Zuckerschicht auf der Zelloberfläche – verstärkt. Dieser Prozess werde über das Protein HSF1 gesteuert.
Eine dickere Zuckerschicht erschwere es Immunzellen, die Tumorzellen zu erkennen und zu bekämpfen. Eine gezielte Ausdünnung dieser Schicht ermögliche es dem Immunsystem hingegen, die Krebszellen wieder wahrzunehmen.
Die Wissenschaftler betonten jedoch, dass diese Laborergebnisse keinen direkten Beleg dafür liefern, dass Zuckerkonsum ursächlich für die Entstehung von Krebs ist, sondern lediglich einen Mechanismus beschreiben, wie Tumorzellen von Glukose profitieren könnten.
Gesundheitsempfehlungen und politische Maßnahmen
Vor dem Hintergrund dieser Risiken verweisen Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die WHO auf bestehende Richtlinien.
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Empfohlen wird, dass maximal 10 % der täglichen Kalorienzufuhr aus freiem Zucker stammen sollten, was bei einer durchschnittlichen Energiezufuhr von 2000 kcal etwa 50 Gramm entspricht. Ein Idealwert liege sogar bei unter 5 % (25 Gramm). Zum Vergleich: Eine handelsübliche Dose Cola (0,3 l) enthält bereits rund 35 Gramm Zucker.
In der politischen Debatte wird zunehmend über die Einführung einer Zuckersteuer auf Süßgetränke diskutiert. Mediziner warnen vor „Zuckerfallen“, insbesondere für Kinder. Hersteller wie Riha Wesergold kalkulieren im Falle einer solchen Steuer mit Mehrkosten.
Für ein Produkt der Marke „Durstlöscher“ könnte die Abgabe etwa 16 Cent pro Packung betragen, was den Verkaufspreis von 85 Cent auf über einen Euro heben würde. Bei kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränken könnte ein Liter Cola durch die geplante Steuer um bis zu 45 Cent teurer werden.
Während einige Hersteller über Rezepturwechsel mit Süßstoffen nachdenken, betrachten Experten diesen Schritt aufgrund möglicher Akzeptanzprobleme als risikoreich.
