Magenkrebs: Koreanische Medizin geht mit weniger Schmerzmittel-Verordnungen einher
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 04:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der integrativen Onkologie wird der Einsatz traditioneller Verfahren parallel zur Schulmedizin seit Jahren intensiv diskutiert. Eine im Fachjournal BMC Complementary Medicine and Therapies veröffentlichte retrospektive Kohortenanalyse südkoreanischer Krankenversicherungsdaten aus dem Jahr 2026 liefert neue Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen traditioneller koreanischer Medizin und dem Schmerzmittelbedarf von Magenkrebspatienten. Die Untersuchung zeigt differenzierte Muster beim Einsatz von Analgetika und Opioiden im Verlauf des ersten Jahres nach der Diagnosestellung.
Geringere Verordnungszahlen im ersten Behandlungsjahr
Den Studienautoren zufolge war die Inanspruchnahme traditioneller koreanischer Medizin bei den untersuchten Magenkrebspatienten im Jahr nach der Krebsdiagnose nicht signifikant damit verbunden, ob die Betroffenen überhaupt Analgetika oder Opioide verschrieben bekamen. Die generelle Wahrscheinlichkeit, eine Schmerztherapie zu erhalten, blieb somit zwischen den Patientengruppen vergleichbar.
Unterschiede zeigten sich jedoch beim Umfang der Medikation: Die Nutzung koreanischer Medizin ging mit einer statistisch geringeren Gesamtzahl an Verordnungen sowohl für konventionelle Schmerzmittel als auch für Opioide einher.
Grenzen der Beobachtungsstudie und Forschungsbedarf
Die Verfasser der Untersuchung unterstreichen deutliche methodische Limitationen der Auswertung. Da es sich um retrospektive Beobachtungsdaten handelt, lässt sich aus den Ergebnissen kein ursächlicher Zusammenhang ableiten. Zudem bildeten die ausgewerteten Versicherungsdaten ausschließlich ausgestellte Verordnungen ab.
Ob die verschriebenen Schmerzmedikamente von den Patienten tatsächlich eingenommen wurden, konnte im Rahmen der Studie ebenso wenig erfasst werden wie der parallele Gebrauch rezeptfreier Präparate. Vor diesem Hintergrund fordern die Wissenschaftler weitere, gezielte Untersuchungen, um die Effekte genauer zu bewerten.
Das regulatorische Umfeld im südkoreanischen Gesundheitssystem
Die Erforschung traditioneller Heilmethoden steht in Südkorea in einem gesundheitspolitischen Rahmen, in dem der Staat integrative Ansätze schrittweise evaluiert. Seit dem 29. April 2024 läuft in dem Land die zweite Pilotphase zur Kostenübernahme von Kräuterabkochungen durch die nationale Krankenversicherung, die bis zum 31. Dezember 2026 befristet ist.
Die neue Auswertung südkoreanischer Versicherungsdaten zeigt: Wer zusätzlich traditionelle Medizin nutzte, bekam im ersten Jahr nach der Diagnose weniger Schmerzmittel und Opioide verordnet — ein Zusammenhang, keine Ursache. Was das für Ihre Begleitung bedeutet und welche Fragen Sie jetzt stellen sollten, fassen wir in einem kostenlosen Leitfaden zusammen. Kostenlosen Leitfaden zur integrativen Schmerztherapie anfordern
Angaben des südkoreanischen Gesundheitsministeriums zufolge umfasst dieses Programm sechs definierte Krankheitsbilder: Menstruationsschmerzen, Gesichtsnervenlähmungen, Folgen zerebrovaskulärer Erkrankungen, allergische Rhinitis, funktionelle Dyspepsie sowie lumbalen Bandscheibenvorfall.
Die Erstattung in den zugelassenen Modelleinrichtungen ist strikt reglementiert. Versicherte können die Leistung für höchstens zwei Diagnosen pro Jahr und für maximal 20 Behandlungstage je Indikation beanspruchen.
Der Eigenanteil variiert je nach Institution zwischen 30 Prozent in spezialisierten Kliniken für koreanische Medizin, 40 Prozent in entsprechenden Fachkrankenhäusern und 50 Prozent in Allgemeinkrankenhäusern. Eine Weiterführung des Programms nach 2026 ist bislang nicht bestätigt.
Wissenschaftliche Erfassung von Sicherheitsdaten
Parallel zur Verordnungsforschung rückt auch die Überwachung pflanzlicher Präparate verstärkt in den Fokus. Eine 2026 ebenfalls in BMC Complementary Medicine and Therapies publizierte Einzelzentrum-Studie aus Südkorea verdeutlichte Herausforderungen in der Pharmakovigilanz: Von 454 erfassten Berichten zu pflanzlichen Arzneimitteln wurden 24,0 Prozent nicht an das nationale Meldesystem weitergeleitet. Nicht zugelassene Präparate machten 48,7 Prozent der verdächtigten Mittel aus und waren in 51,3 Prozent der Gesamtmeldungen involviert.
Viele Angehörige sorgen sich um Wechselwirkungen, wenn traditionelle Verfahren parallel zur onkologischen Therapie eingesetzt werden — und um die Frage, ob pflanzliche Präparate überhaupt sicher überwacht sind. Unser Leitfaden ordnet die Datenlage ein und gibt Ihnen eine Checkliste für das Gespräch mit dem Behandlungsteam. Checkliste integrative Schmerztherapie jetzt sichern
Bei den nicht übermittelten Meldungen lag der Anteil nicht zugelassener Produkte mit 83,5 Prozent signifikant höher als bei den offiziell weitergeleiteten Berichten (41,2 Prozent). Zugleich fielen die Dokumentation von Schweregraden (7,3 Prozent gegenüber 59,1 Prozent) und fundierte Kausalitätsbewertungen (26,6 Prozent gegenüber 98,8 Prozent) bei unterbliebener Meldung deutlich lückenhafter aus.
Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit transparenter Dokumentationsstandards, wenn traditionelle Verfahren als Ergänzung zu komplexen onkologischen Therapien evaluiert werden.
