Männergesundheit, Früherkennung

Männergesundheit: Nur 40 Prozent nutzen regelmäßig die Früherkennung

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Daten zeigen bei Männern eine geringere Nutzung von Früherkennung und höhere Krankheitslast; Initiativen werben für mehr Vorsorge.
Ein heller, minimalistisch eingerichteter medizinischer Untersuchungsraum mit einer leeren Behandlungsliege. Illustration mit AI erstellt.

Anlässlich des Weltmännertags weisen politische Akteure und Gesundheitseinrichtungen verstärkt auf Defizite bei der Inanspruchnahme von Vorsorge- und Früherkennungsangeboten hin.

Während das Gesundheitssystem zahlreiche geschlechtsspezifische und allgemeine Untersuchungen bereithält, zeigt sich in der Praxis eine anhaltende Zurückhaltung männlicher Patienten, die sich auch in statistischen Erhebungen zu Krankheitslast und Lebenserwartung widerspiegelt.

Deutliche Differenzen bei Lebenserwartung und Inanspruchnahme

Männer weisen im Vergleich zu Frauen eine messbar geringere Lebenserwartung auf. Für Bayern bezifferte das dortige Landesamt für Statistik die Lebenserwartung für den Zeitraum 2023 bis 2025 bei Frauen auf 84 Jahre und bei Männern auf 79,7 Jahre, wie Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach mitteilte. Weltweit sterben Männer nach Angaben der Krankenkasse AOK im Schnitt fast fÜnf Jahre frÜher als Frauen.

Zugleich nehmen Männer Angebote zur Früherkennung seltener wahr. Nach Angaben der AOK nutzen lediglich 40 Prozent der Männer regelmäßig entsprechende Untersuchungen, verglichen mit gut 67 Prozent der Frauen – obwohl rund drei Viertel der Männer um die Angebote der Kassen wissen.

Eine Erhebung von IKK classic und Forsa bestätigt diesen Trend beim allgemeinen Gesundheits-Check-up, den 76 Prozent der Frauen, aber nur 56 Prozent der Männer in Anspruch nehmen.

Auch der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch betonte, dass nach wie vor zu wenige Männer die Krebsfrüherkennung nutzen. Laut Berichten des ZDF neigen Männer vermehrt zur Reparaturmedizin, wodurch notwendige Arztbesuche häufig zu spät erfolgen.

Wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen die Hintergründe: Eine Studienreihe der Fachzeitschrift The Lancet zeigte auf, dass die Krankheitslast bei Männern weltweit um 16 Prozent, in Deutschland um 14 Prozent und in der Schweiz um 4 Prozent über jener von Frauen liegt. Neben Faktoren wie Armut und Bildung spielen auch Männlichkeitsnormen eine Rolle.

Der Grazer Forscher Andreas Walther verwies darauf, dass starre Normen gesundheitsschädlich wirken können. Michael Mühlichen vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung führte zudem berufsbedingte Belastungen an; Risiken in Industrie, Bauwirtschaft, Transport und Handwerk sowie Schichtarbeit mindern die Lebenserwartung.

Häufige Krebserkrankungen und bestehende Richtlinien

Die bayerischen Krebsregisterdaten für 2024 weisen laut Ministerin Gerlach rund 41.000 Neuerkrankungen bei Männern und 35.000 bei Frauen aus. Die häufigsten Tumorarten bei Männern waren Prostatakrebs mit 12.946 Fällen, gefolgt von Darmkrebs (4.496) und Lungenkrebs (3.810). Bei den Krebstodesfällen unter Männern lag Lungenkrebs mit 3.074 Fällen an erster Stelle, vor Prostata- (2.153) und Darmkrebs (1.722).

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Nach den Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) stehen gesetzlich Versicherten verschiedene Früherkennungsmaßnahmen zu:
- Allgemeiner Check-up: Einmalig zwischen 18 und 34 Jahren, ab 35 Jahren alle drei Jahre (inklusive einmaligem Test auf Hepatitis B und C).
- Hautkrebs-Screening: Ab 35 Jahren alle zwei Jahre (die Regelung wird derzeit überprüft, ein G-BA-Beschluss steht bis Ende 2027 an).
- Prostata und Genitalien: Ab 45 Jahren jährliche Tastuntersuchung.

Das Caritas-Krankenhaus merkt hierzu an, dass die 2025 aktualisierte Leitlinie den PSA-Test empfiehlt und von der reinen Tastuntersuchung abrät; der PSA-Test ist jedoch keine Kassenleistung und kostet für Selbstzahler 25 bis 50 Euro.

Bei jüngeren Männern zwischen 20 und 40 Jahren zählt Hodenkrebs zu den häufigsten Tumoren. Bei Symptomen wie schwachem Harnstrahl oder nächtlichem Harndrang empfiehlt das Krankenhaus zudem die Abklärung einer gutartigen Prostatavergrößerung.
- Darmkrebs: Ab 50 Jahren zwei Darmspiegelungen im Abstand von mindestens zehn Jahren oder alternativ alle zwei Jahre ein Stuhltest.

Experten der Med Uni Graz empfehlen die Darmspiegelung allgemein ab 45 Jahren und bei erblichen Vorbelastungen wie dem Lynch-Syndrom oder familiärer adenomatöser Polyposis (FAP) noch früher.
- Lunge und Gefäße: Für aktive oder ehemalige Raucher zwischen 50 und 75 Jahren mit mindestens 25 Rauchjahren und 15 Packungsjahren existiert ein jährliches Lungenkrebs-Screening per Niedrigdosis-CT. Männer ab 65 Jahren haben zudem Anspruch auf einen einmaligen Ultraschall zur Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen.

Herz-Kreislauf-Risiken und Initiativen

Neben Krebserkrankungen bildet die kardiovaskuläre Vorsorge einen Schwerpunkt. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft hebt Bluthochdruck als wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktor hervor.

Betroffenen wird eine standardisierte Selbstmessung empfohlen: Nach fünf Minuten Ruhe sollten morgens und abends je zwei Messungen an sieben aufeinanderfolgenden Tagen notiert werden. Ergibt der ermittelte Durchschnitt Werte ab 135/85 mmHg, sei der Hausarzt aufzusuchen. Bereits 2,5 Stunden Sport pro Woche könnten das Risiko spürbar senken.

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Aufklärungskampagnen versuchen, Hürden abzubauen. Die international seit 2003 aktive Initiative Movember hat nach eigenen Angaben über 1,8 Milliarden australische Dollar in Männergesundheit investiert. Regional informiert etwa die LZG Rheinland-Pfalz am 18. November 2026 in einem kostenfreien Online-Vortrag mit dem Urologen Dr. Jörg Schede über Krebsvorsorge.

Bei der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg entfielen im Jahr 2025 bereits knapp 51 Prozent der Präventionsanträge auf Männer – ein Wert, der fast 15 Prozent über dem Bundesschnitt lag und durch Angebote wie ein eigenes Bewegungsprogramm sowie einen Online-Check ab 45 Jahren flankiert wird.

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