Männergesundheit: Martin Luding spricht über seine Therapie
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 12:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWSTherapie und Warnsignale bei Männern
- Martin Luding suchte nach Trennung, beruflicher Belastung und Problemen in einer neuen Beziehung professionelle Unterstützung.
- Eine hkk-Umfrage ergab, dass 57 Prozent der Männer mit Partnerin oder Familie über Sorgen sprechen.
- Die Psychologin Katharina Piekorz empfiehlt Hilfe, wenn Belastungssymptome anhalten oder Erholung nicht mehr gelingt.
Männer suchen bei psychischer Belastung spät Hilfe
Schauspieler Martin Luding hat nach Trennung, beruflichen Belastungen und Problemen in einer neuen Beziehung eine Therapie begonnen. Die Psychologin Katharina Piekorz beobachtet, dass viele Männer trotz erheblicher Beschwerden zunächst fragen, ob ihre Situation „schlimm genug“ sei.
Belastungen bleiben oft lange unsichtbar
Luding habe nach der Trennung und Scheidung besonders viel für seine Kinder leisten wollen und parallel mit dem Solostück „Caveman“ in Deutschland gastiert. Nach einem Umzug von Stuttgart nach Bayern, den Einschränkungen während der Corona-Pandemie und geschlossenen Theatern habe er erkannt, dass er allein nicht weiterkomme.
In einer neuen Beziehung sei ihm wiederholt vorgehalten worden, er sehe vieles nur als Vorwurf. Freunde mit positiven Therapieerfahrungen hätten ihn schließlich darin bestärkt, professionelle Hilfe zu suchen.
Rollenbilder beeinflussen den Umgang mit Sorgen
Piekorz berichtet aus Erstgesprächen von hochgradig belasteten Männern, die ihre Beschwerden dennoch relativierten. Sie führt das auch auf Rollenbilder zurück, in denen Männer lernen, Sorgen, Ängste und Überforderung für sich zu behalten.
Eine Forsa-Umfrage für die hkk ergab, dass 57 Prozent der Männer mit Partnerin oder Familie über Sorgen sprechen. Im Freundeskreis tun dies 45 Prozent; mehr als jeder Dritte versucht der Umfrage zufolge, Probleme allein zu bewältigen.
Warnzeichen nicht dauerhaft verdrängen
Schlechter Schlaf über längere Zeit, exzessiver Sport, hoher Alkoholkonsum, Rückzug oder ein ständiges Stürzen in die Arbeit können laut Piekorz Warnsignale sein. Wenn Belastungssymptome anhalten, andere Menschen darauf hinweisen oder Erholungszeiten nicht mehr erholsam sind, empfiehlt sie professionelle Unterstützung.
Der DAK-Psychreport 2025 weist bei Frauen 431 Fehltage je 100 Versicherte wegen psychischer Erkrankungen aus, bei Männern 266. Männer machen zudem fast 70 Prozent der Suizide aus.
Movember rückt Männergesundheit in den Fokus
Die Aktion Movember nutzt den Schnurrbart als Symbol und will im November auf Männergesundheit und Tabuthemen aufmerksam machen. Psychische Gesundheit ist dabei ein Teilbereich neben anderen gesundheitlichen Fragen.
Luding bezeichnet seine anderthalbjährige Therapie als wichtige Erfahrung. Er wolle künftig wieder das Gespräch suchen, sobald er merke, dass die Belastung zu groß werde.
Movember verbindet seit Jahren ein leicht erkennbares Symbol mit einem Thema, das im Alltag vieler Männer weniger sichtbar bleibt: psychische Belastungen. Die Aktion richtet den Blick nicht nur auf Depressionen oder Suizidprävention, sondern allgemein auf die Frage, wie Männer mit Stress, Überforderung und gesundheitlichen Warnzeichen umgehen.
Die in der Meldung genannten Unterschiede bei Gesprächen über Sorgen und bei psychisch bedingten Fehltagen weisen auf ein strukturelles Problem hin. Wenn Männer Belastungen häufiger allein bewältigen wollen, kann professionelle Hilfe später einsetzen. Das betrifft nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch Partnerschaften, Familien und Arbeitsplätze.
Frühe Hilfe statt spätes Krisenmanagement
Für Betroffene liegt die konkrete Bedeutung vor allem im Zeitpunkt der Unterstützung. Anhaltende Schlafprobleme, Rückzug, hoher Alkoholkonsum oder fehlende Erholung sind Signale, die ernst genommen werden sollten. Ein Erstgespräch bei einer psychotherapeutischen Praxis, einer Beratungsstelle oder einem niedrigschwelligen Hilfsangebot kann eine erste Orientierung geben.
Movember kann solche Gespräche anstoßen, ersetzt aber keine Behandlung. Entscheidend ist, psychische Gesundheit nicht erst dann als dringlich zu betrachten, wenn Arbeit, Beziehungen oder körperliche Gesundheit bereits stark beeinträchtigt sind.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: „Aufklärung: 'Ist das schlimm genug?' Männer suchen spät Hilfe“ (26.10.2026)
Der Beitrag greift die späte Inanspruchnahme psychischer Hilfe durch Männer und die Erfahrungen von Martin Luding auf. Er setzt damit denselben Schwerpunkt auf Rollenbilder, Belastung und Therapie wie die vorliegende Meldung.
n-tv: „Wo Männer bei psychischer Belastung Hilfe finden können“ (26.10.2026)
Der Artikel richtet den Blick stärker auf konkrete Beratungsstellen und niedrigschwellige Angebote. Gemeinsam ist beiden Beiträgen der Hinweis, dass Männer Unterstützung früher annehmen sollten; unterschiedlich ist der Schwerpunkt zwischen persönlicher Erfahrung und praktischen Anlaufstellen.
Übergreifend steht die Bedeutung früher Gespräche im Vordergrund. Offen bleibt, wie dauerhaft niedrigschwellige Angebote genutzt werden und ob sich traditionelle Rollenbilder im Gesundheitsverhalten verändern.
