Machine, Vision

Machine Vision: KI verdoppelt Output in der Fertigung

12.06.2026 - 14:19:30 | boerse-global.de

Automatisierte Bildverarbeitung und KI steigern Durchsatz in Fertigung und Logistik massiv. Neue Systeme und Software-Standards treiben die Entwicklung an.

KI und Machine Vision: Neue Effizienzrekorde in Industrie und Logistik
Machine - Ein Roboterarm mit Kamerasystem inspiziert präzise elektronische Bauteile auf einem Förderband in einer modernen Fabrikhalle. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Kombination aus Machine Vision und Künstlicher Intelligenz wird zum entscheidenden Effizienztreiber in der Industrie. Aktuelle Projekte aus dem Juni 2026 zeigen: Automatisierte optische Erfassung ersetzt zunehmend komplexe manuelle Arbeiten und steigert die Durchsatzraten in der Fertigung und Logistik massiv.

Montage und SMT-Fertigung: Weniger Handarbeit, mehr Output

In der industriellen Montage sorgen automatisierte Vision-Systeme für eine deutliche Reduktion von Handarbeit und Reklamationen. Ein Beispiel: RIBE Elektroarmaturen konnte durch den Einsatz von Vision-Sensoren zur Lageerkennung und Qualitätskontrolle den Output pro Schicht verdoppeln. Fertigungsleiter Jürgen Mantsch hob die Vorteile der automatisierten Überwachung gegenüber manuellen Prozessen hervor.

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Auch Hersteller von Bestückungssystemen treiben die Automatisierung in der Elektronikfertigung voran. Fuji stellte im Juni 2026 die „Auto Kitting Station“ vor – ein System, das den Rüstprozess von SMT-Feedern vollständig automatisiert. Die Anlage entfernt leere Gurtrollen, liest Identifikationsnummern aus und legt neue 8-mm-Rollen ein. Das System lässt sich in bestehende Smart-Storage-Umgebungen und autonome mobile Roboter (AMR) integrieren.

Ergänzend dazu präsentierte Fuji die CLT-FG-Serie: kompakte All-in-One-Bestückungsautomaten für kleine Losgrößen. Im Bereich der Zuführtechnik zeigt Asyril Fortschritte. Das Unternehmen demonstrierte KI-Vision-Lösungen für das sogenannte Bin Picking, die Bauteile bis zu einer Größe von 300 mm verarbeiten können. Geschäftsführer Alexander Roller sieht im Trend zu „High-Mix/Low-Volume“-Produktionen einen wesentlichen Markttreiber.

Logistik und Warenannahme: Daten automatisch erfassen

Die automatisierte Erfassung von Produkt- und Etikettendaten ist ein weiteres wichtiges Anwendungsfeld. Die Lösung „Vision AI Label Reader“ von COMI nutzt hochauflösende Kameras mit über 20 Megapixeln, um Text, Barcodes und sogar Handschrift unabhängig vom Layout zu erfassen. Beim Distributor Rutronik führte dies zu einer Effizienzsteigerung von rund 30 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Lesegeräten. Eine geplante Erweiterung soll künftig auch Anomalien in den Prozessen erkennen.

Im Bereich der Produktfotografie und Stammdatenerfassung stellte Orbitvu am 11. Juni das System „Alphashot XL G2 MDC“ vor. Die Anlage kombiniert studioreife Fotografie mit Lasermessung und einer KI-gestützten Texterkennung (OCR). In einem Durchlauf erfasst das System Abmessungen bis zu 600x400x700 mm sowie Gewichte bis 25 kg und bereitet die Daten für ERP- und PIM-Systeme auf. Der maximale Durchsatz liegt bei 250 Produkten pro Tag.

Für die Endverpackung bietet Ranpak automatisierte Lösungen an. Mittels KI-Vision erkennen die Systeme Hohlräume in Kartons und platzieren papierbasierte Füllmaterialien präzise. Ergänzende Systeme zur Kartonhöhenreduktion senken das Versandvolumen um bis zu 25 Prozent – bei einem Durchsatz von bis zu 15 Kartons pro Minute.

Software-Infrastruktur: OpenCV 5.0 und Edge-KI

Die technologische Basis für diese Anwendungen bildet leistungsfähige Software. Mit der Veröffentlichung von OpenCV 5.0 am 11. Juni wurde die Unterstützung für Sprach- und Vision-Language-Modelle direkt in die Deep-Neural-Network-Engine integriert. Die Abdeckung des ONNX-Standards stieg dabei von 23 auf 80 Prozent, was die Interoperabilität zwischen verschiedenen KI-Modellen verbessert.

Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gewinnen Edge-KI-Lösungen an Bedeutung, die eine Digitalisierung ohne Cloud-Zwang ermöglichen. Systeme wie die Syna EdgeBox erfassen Prozessdaten direkt an der Maschine via OPC UA und führen eine Anomalieerkennung in Echtzeit durch. Dieser lokale Ansatz adressiert Datenschutzbedenken und reduziert Latenzzeiten.

Auch in administrativen Prozessen findet Vision-KI Anwendung. Die Roland Spedition implementierte im Juni gemeinsam mit T-Systems Österreich eine automatisierte Rechnungsprüfung. Die KI ordnet Positionen in unterschiedlichen Formaten ohne direkte 1:1-Entsprechung zu – ein Effizienzgewinn für die Logistikverwaltung.

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Strategische Positionierung: Bosch setzt auf Robotik

Großunternehmen wie Bosch richten ihre Strategie verstärkt auf den Robotik-Markt aus. CEO Stefan Hartung betonte am 10. Juni die Ambition, als Lieferant für Komponenten wie MEMS-Sensorik und KI-Steuerungen ein Milliardengeschäft aufzubauen. Der Konzern nutzt KI-Trainingsdaten aus seinen weltweit 230 Werken und kooperiert mit Partnern wie Neura Robotics. Zur Stärkung der Präsenz wurden die Robert Bosch Robotics GmbH sowie ein Forschungszentrum in China gegründet.

Abseits der zivilen Industrie zeigt sich das Potenzial der Technologie auch im Verteidigungssektor. Das ukrainische Verteidigungsministerium berichtete am 11. Juni über ein neues Luftverteidigungssystem, das den Abfangprozess von Drohnen zu 95 Prozent automatisiert. Ein Bediener wählt lediglich das Ziel in einer App aus, während das System die autonome Erkennung und Lenkung übernimmt.

Die Kombination aus hochauflösender Sensorik und fortschrittlichen KI-Algorithmen erhöht die Prozesssicherheit und reduziert die Abhängigkeit von manuellen Eingriffen in Produktion und Logistik. Neue Software-Standards und Edge-Computing-Hardware treiben die Skalierbarkeit dieser Lösungen weiter voran.

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