Luxus-Bäckerei, New

Luxus-Bäckerei in New York: Österreichisches Roggenbrot für 60 Dollar

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 23:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das Grazer Familienunternehmen Auer verkauft in Manhattan ein importiertes Roggenbrot für 60 Dollar und setzt auf eine konsequente Luxuspositionierung.

Auer eröffnet in New York Luxus-Bäckerei mit 60-Dollar-Roggenbrot
Ein rustikaler, bemehlter Roggensauerteig-Laib auf einem hellen, naturbelassenen Holztresen in einem minimalistischen Raum. Illustration mit AI erstellt.

Am 10. September 2026 eröffnete die Schaubäckerei Rye in der Lafayette Street im New Yorker Stadtteil Soho. Hinter dem Vorstoß nach Manhattan steht das Grazer Familienunternehmen Auer, das in Österreich in dritter Generation über 40 Filialen führt – nach eigenen Angaben des Betriebs sind es rund 45 Standorte.

Mit dem New Yorker Geschäft wagt das Unternehmen eine radikale Positionierung im obersten Preissegment des Marktes: Das Angebot beschränkt sich auf ein einziges Produkt zu einem beachtlichen Preis.

Ein einziges Produkt und importierte Zutaten

Die Bäckerei Rye vertreibt ausschließlich ein hefefreies Bio-Brot aus 100 Prozent Roggensauerteig. Ein Laib wiegt gut 1,5 Kilo und kostet 60 US-Dollar, was rund 52 Euro entspricht. Bezogen auf das Gewicht beläuft sich der Preis auf etwa 40 Dollar beziehungsweise 34 Euro pro Kilo.

Für die Kundschaft ist das Brot wahlweise auch halbiert oder geviertelt erhältlich. Ergänzend dazu bietet der Laden Stullen mit Butter, Kaviar oder Schokocreme für rund 14 Euro sowie Varianten mit Fischeiern oder Schnittlauch und Butter an.

Die Zusammensetzung des Brotes folgt minimalistischen Vorgaben und besteht aus lediglich vier Komponenten: Roggenmehl, Wasser, Salz und Zeit. Das Roggenmehl sowie das Salz werden direkt aus Österreich importiert, während nur das verwendete Wasser aus den New Yorker Catskill Mountains bezogen wird.

Nach dem Backvorgang in einem zwei Tonnen schweren, aus Deutschland importierten Ofen gelangt das Brot erst nach einer Ruhezeit von acht Stunden in den Verkauf. Nach Angaben des Betriebs weist das Endprodukt nur ein Viertel des Glutenanteils von Weizenbrot auf. Die Einrichtung spiegelt die österreichischen Wurzeln wider: Die Verkaufstheke wurde aus einem Baum aus der Steiermark gefertigt.

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Debatte um Preisgestaltung und Marktreaktionen

Geleitet wird der New Yorker Standort von Tim Auer. Laut Auer komme Kritik an dem Preis vor allem aus Europa, während es vor Ort in den Vereinigten Staaten kaum negatives Feedback gebe. Das Brot komme bei den Konsumenten sehr gut an, und vor dem Geschäft bildeten sich Schlangen.

Martin Auer begründete die Kalkulation gegenüber Kritikern mit den hohen Standortkosten: Die Miete in New York mache ein Vielfaches vergleichbarer Lagen in Österreich aus. Zudem würden die Rohstoffe zur Gänze aus Österreich importiert. Kunde Max Helfrich stufte das Angebot vor Ort als klares Luxusprodukt ein.

Im regionalen Preisvergleich fällt das Produkt stark auf. Ein gewöhnlicher Laib Brot kostet in New York City nur wenige Dollar, und selbst handwerklich hergestelltes Sauerteigbrot ist vielerorts für unter 20 Dollar erhältlich. In Deutschland zahlen Verbraucher beim Bäcker im Schnitt gut 5 Euro pro Kilo und im Supermarkt gut 3 Euro, während Ketten wie Zeit für Brot in Berlin 9 bis 10 Euro pro Kilo verlangen.

Der wirtschaftliche Hintergrund des Handwerks

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Die Aufwertung traditioneller Backkunst zu einem exklusiven Lebensmittel trifft auf ein anspruchsvolles wirtschaftliches Umfeld im traditionellen Bäckerhandwerk. Friedemann Berg, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks, bezifferte den Umsatz der Branche für das Jahr 2025 auf 18,14 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von 1,3 Prozent entspricht. Deutschlandweit existieren rund 8.700 Handwerksbetriebe.

Gleichzeitig stehe das Bäckerhandwerk unter erheblichem Druck durch gestiegene Energie-, Rohstoff- und Personalkosten sowie bürokratische Auflagen. Laut Berg bauten viele Kaufleute mit Brot und Backwaren ein klares Premiumprofil auf; eine entsprechende Positionierung des Lebensmitteleinzelhandels mit regionalen Handwerksbäckern sei als Anerkennung zu werten. Während Snacks einen wichtigen Baustein darstellten, bleibe das klassische Brot- und Brötchengeschäft das Herzstück der Betriebe.

Mehr zum Thema bei DER SPIEGEL: „Roggenbrot aus Sauerteig in New York City: »Schon verrückt, für so ein Brot 60 Dollar auszugeben«“

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