Lungenpest, Irkutsk

Lungenpest in Sibirien? Behörde dementiert Tod einer Laborantin durch Pest

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 16:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Eine 28-jährige Labormitarbeiterin ist in der sibirischen Stadt Schelechow gestorben. Die russische Seuchenbehörde weist einen Zusammenhang mit Pest und einen Laborunfall zurück, zugleich gelten umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen.

In der sibirischen Region Irkutsk gibt es Spekulationen über einen Ausbruch der Lungenpest. (Illustration) - Bild: Britta Pedersen/dpa
In der sibirischen Region Irkutsk gibt es Spekulationen über einen Ausbruch der Lungenpest. (Illustration) - Bild: Britta Pedersen/dpa

Eine 28-jährige Mitarbeiterin eines Instituts zur Bekämpfung von Pestkrankheiten ist in Schelechow bei Irkutsk an einer Lungenentzündung unbekannter Herkunft gestorben.

Behörde weist Pestverdacht zurück

Nach offiziellen russischen Angaben war kein Pesterreger die Todesursache. Rospotrebnadsor teilte mit, in Proben der Frau seien keine Mikroorganismen nachgewiesen worden, die mit ihrer beruflichen Tätigkeit in Zusammenhang stünden.

Die Labormitarbeiterin starb am vergangenen Freitag im Kreiskrankenhaus von Schelechow. Zuvor hatte es unbestätigte Berichte gegeben, sie könne sich bei einem Laborunfall mit Lungenpest angesteckt haben.

Kein Laborunfall festgestellt

Nach den Untersuchungen der zuständigen Behörde gab es in dem Institut in Irkutsk keinen Unfall bei der Arbeit mit Krankheitserregern. Die hygienisch-epidemiologische Lage in der Region sowie in Irkutsk und Schelechow sei stabil.

Gleichzeitig werde ein Maßnahmenpaket umgesetzt. Nach örtlichen Berichten wurden in Irkutsk drei allgemeine Krankenhäuser sowie eine Kinder- und eine Geburtenklinik für mindestens drei Wochen unter Quarantäne gestellt. Beschäftigte des Instituts standen demnach an ihrem Arbeitsplatz unter Quarantäne.

Keine weiteren Infektionen gemeldet

Weitere Infektionen seien bislang nicht verzeichnet worden. Die Maßnahmen gelten vor dem Hintergrund des Verdachts auf eine schwere, durch das Bakterium Yersinia pestis verursachte Erkrankung.

Frühe Behandlung entscheidend

Lungenpest kann entstehen, wenn sich eine Pestinfektion auf die Lunge ausbreitet. Mit Antibiotika ist sie behandelbar, wenn die Therapie früh beginnt; ohne schnelle Behandlung kann sie tödlich verlaufen.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts kommt die Pest noch in Ländern Afrikas, Amerikas und Asiens vor, nicht aber in Deutschland. Das Risiko, dass eine mit dem Pesterreger infizierte Person nach Deutschland einreist, gilt als gering.

Warum Lungenpest besonders ernst genommen wird

Die Lungenpest gehört zu den schwersten Formen der Pest. Auslöser ist das Bakterium Yersinia pestis; die Erkrankung kann sich aus einer anderen Pestform entwickeln oder durch das Einatmen infektiöser Tröpfchen entstehen. Unbehandelt verläuft sie nahezu immer tödlich, bei frühzeitiger Antibiotikatherapie bestehen jedoch gute Heilungschancen.

Für die Behörden ist deshalb die Abklärung möglicher Kontaktpersonen entscheidend. Bei einem begründeten Verdacht werden Betroffene medizinisch überwacht, Erkrankte isoliert und enge Kontakte gegebenenfalls vorbeugend behandelt. Die in Irkutsk und Schelechow gemeldeten Maßnahmen sind vor diesem Hintergrund vor allem als Vorsorge gegen eine mögliche Weitergabe zu verstehen.

Bedeutung für Deutschland

Die Pest kommt weiterhin in Teilen Afrikas, Amerikas und Asiens vor, in Deutschland jedoch nicht. Das Risiko, dass eine infizierte Person nach Deutschland einreist, gilt als gering. Für Reisende aus Deutschland folgt daraus kein allgemeines Alltagsrisiko; relevant wäre vor allem ein enger Kontakt zu einer erkrankten Person mit Lungenpest.

Der Fall zeigt zugleich die besondere Bedeutung klarer Kommunikation bei seltenen, aber gefährlichen Infektionen. Widersprüchliche Angaben über Ursache, Schutzmaßnahmen und Kontaktzahlen können Verunsicherung verstärken. Für die öffentliche Gesundheit sind daher schnelle Diagnostik, nachvollziehbare Informationen und konsequente Schutzmaßnahmen entscheidend.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Euronews: „Pest in Sibirien? Russland gerät nach Tod einer Laborantin in Panik“ (04.10.2026)

Der Bericht bestätige den Tod der 28-jährigen Mitarbeiterin und die behördliche Darstellung einer Lungenentzündung unklarer Ursache. Er setze den Schwerpunkt auf die örtlichen Gerüchte, die vorsorglichen Maßnahmen und die widersprüchliche öffentliche Kommunikation, während die russische Behörde einen Laborzwischenfall ausdrücklich bestreite.

FOCUS online: „Behörden stellen Kliniken unter Quarantäne und vertuschen Vorfall“ (04.10.2026)

Der Artikel bestätige die Quarantänemaßnahmen und die Beobachtung von Kontaktpersonen, stelle aber stärker die Ausweitung auf mehrere Kliniken und gelöschte Berichte heraus. Er gebe zugleich die behördliche Einschätzung wieder, es handle sich wahrscheinlich nicht um Pest, und lasse die genaue Ursache des Todes offen.

Beide Berichte stimmten darin überein, dass der Todesfall umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen ausgelöst habe. Unterschiede gebe es vor allem bei der Bewertung der behördlichen Informationspolitik und bei der Gewichtung unbestätigter Berichte über einen Laborunfall.

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