Lungennarben reversibel: Antikörper Monalizumab macht Fibrose rückgängig
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 04:11 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Erforschung chronisch-entzündlicher Prozesse macht derzeit große Sprünge. Neue genetische Marker und innovative Zelltherapien eröffnen Behandlungsmöglichkeiten für bisher schwer therapierbare Erkrankungen. Im Fokus: die gezielte Steuerung des Immunsystems.
Chimäre Rezeptoren gegen Allergien
Am Universitätsspital Lausanne haben Forscher um Prof. Yannick D. Muller eine neue Waffe gegen Asthma entwickelt. Chimäre Allergenrezeptoren – kurz CAlleRs – befähigen regulatorische T-Zellen, gezielt Birkenpollen-Allergene zu bekämpfen. Im Labor ließen sich Asthmasymptome damit deutlich lindern. Ein Paradigmenwechsel in der Allergiebehandlung zeichnet sich ab.
Lungenfibrose: Narben werden umkehrbar
Noch spektakulärer sind die Ergebnisse aus Heidelberg. Dr. Wolfgang Merkt und sein Team vom Universitätsklinikum zeigten im Mai 2026: Lungennarben sind potenziell reversibel. Der Trick: Der Antikörper Monalizumab blockiert den NKG2A-Rezeptor. Das reaktiviert natürliche Killerzellen (NK-Zellen), die das Fortschreiten der Fibrose nicht nur stoppen – sie machen Gewebeveränderungen sogar rückgängig.
Doch NK-Zellen haben eine Schattenseite. Forscher der Universität Duisburg-Essen fanden im Juli 2026 heraus: Eine Sepsis beeinträchtigt ihre Funktion über den mTORC1-Signalweg. Die Immunabwehr wird geschwächt.
Genetische Durchbrüche bei Darmerkrankungen
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) profitieren zunehmend von Genforschung. Das Wellcome Sanger Institute veröffentlichte Anfang Juli die bisher größte genetische Studie zu CED-Merkmalen. Ergebnis: Der Marker HLA-DRB1*01:03 ist mit besonders schweren Verläufen von Colitis ulcerosa und Morbus Crohn verbunden.
Eine Multi-Omics-Analyse lieferte zudem eine Signatur aus vier Genen – SAG, WDR48, IFITM2, SIRPA – die die Diagnose bei Colitis ulcerosa präzisieren soll.
TREM1: Ein Regulator für Entzündungen
Eine Studie in Nature Communications vom 8. Juli identifizierte das Protein TREM1 als zentralen Schalter für Entzündungsprozesse bei CED. Eine erhöhte TREM1-Signatur steht in direktem Zusammenhang mit Therapieresistenzen.
Parallel dazu gibt es Fortschritte bei mikrobiom-basierten Ansätzen. Seres Therapeutics legte am selben Tag erste klinische Daten zu SER-155 vor. Von 15 Patienten mit immuncheckpoint-inhibitor-induzierter Enterokolitis erreichten 80 Prozent bis zum 15. Tag ein klinisches Ansprechen – ohne weitere Immunsuppressiva.
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Fettfreie Makrophagen: Freunde und Feinde im Herz
Die Ludwig-Maximilians-Universität München präzisierte die Rolle von Entzündungen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Fachmagazin Circulation zeigten Forscher: Fettfreie Makrophagen in atherosklerotischen Plaques beseitigen Zelltrümmer – schädigen aber auch das Endothel. Der Regulator miR-147 kann die Plaquebildung begrenzen, indem er das Protein Galectin-3 hemmt.
CAR-T-Zellen gegen Nervenkrankheiten
In der Neuroimmunologie wächst die Hoffnung auf CAR-T-Zell-Therapien. Seit der ersten Anwendung im März 2021 forschen Wissenschaftler daran, diese Methode aus der Onkologie auf neuroimmunologische Erkrankungen zu übertragen. Aktuelle Studien zeigen zudem: Chronische Entzündungen unterdrücken die Bildung neuer Nervenzellen im Gehirn. Der Botenstoff TNF-? versetzt Stammzellen im Hippocampus in einen Alarmmodus. Eine Blockade des Typ-I-Interferon-Signalwegs kann diesen Prozess teilweise wiederherstellen.
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FDA-Status und Melatonin gegen Schmerz
Die US-Gesundheitsbehörde FDA erteilte Merck KGaA den Breakthrough-Therapy-Status für Enpatoran. Der Wirkstoff ist gegen Lupus mit Hautmanifestationen vorgesehen – ein Bereich ohne zugelassene Therapien. Die Entscheidung stützt sich auf die Phase-2-Studie Willow.
Eine Metaanalyse der University of Sydney im Fachjournal PAIN zeigt neue Einsatzmöglichkeiten für Melatonin. In 23 randomisierten kontrollierten Studien mit über 2.000 Erwachsenen reduzierte das Hormon chronische Schmerzen des Bewegungsapparats sowie postoperative Schmerzen um etwa 9 Punkte auf einer 100er-Skala. Die Wirkung ist vergleichbar mit Paracetamol oder NSAR – bei moderaten Nebenwirkungen und verbesserter Schlafqualität.
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