Lungenkrebs: Tarlatamab senkt Sterberisiko um 40 Prozent
04.06.2026 - 03:44:26 | boerse-global.deDie Europäische Kommission hat im Mai und Juni 2026 gleich zwei neue Behandlungsoptionen für Patienten mit fortgeschrittenem kleinzelligem Lungenkrebs (ES-SCLC) zugelassen. Betroffen sind vor allem jene, bei denen die Standard-Chemotherapie nicht mehr anschlägt.
Tarlatamab: Neuer Wirkmechanismus gegen aggressiven Tumor
Anfang Juni erteilte die EU-Kommission die Marktzulassung für Tarlatamab (Handelsname: Imdylltra) von Amgen. Das Medikament kommt als Monotherapie für Erwachsene mit fortgeschrittenem kleinzelligem Lungenkrebs infrage, deren Erkrankung nach einer platinbasierten Erstlinien-Chemotherapie fortgeschritten ist.
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Tarlatamab ist ein sogenannter bispezifischer T-Zell-Aktivator – eine neuartige Wirkstoffklasse für diese Indikation in Europa. Der Wirkstoff dockt gleich an zwei Zielstrukturen an: den DLL3-Rezeptor und den CD3-Rezeptor auf T-Zellen. Forscher betonen, dass DLL3 bei bis zu 96 Prozent aller Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs nachweisbar ist.
Die Zulassung stützt sich auf die Phase-3-Studie DeLLphi-304 mit 509 Teilnehmern. Die Ergebnisse sind vielversprechend: Das Sterberisiko sank im Vergleich zu Standardbehandlungen um 40 Prozent. Die mediane Gesamtüberlebenszeit lag in der Therapiegruppe bei 13,6 Monaten – gegenüber 8,3 Monaten in der Kontrollgruppe.
Als häufigste Nebenwirkung trat das Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS) auf – bei 56,7 Prozent der Patienten. Aus diesem Grund müssen Ärzte die Patienten nach den ersten Dosen sechs bis acht Stunden überwachen. Weitere berichtete Nebenwirkungen waren Appetitlosigkeit und Fieber.
Kombinationstherapie für die Erhaltungstherapie
Bereits Ende Mai 2024 – korrigiert: Ende Mai 2026 – gab die EU-Kommission grünes Licht für eine weitere Option: die Kombination aus Lurbinectedin (Zepzelca) und Atezolizumab (Tecentriq) als Erstlinien-Erhaltungstherapie.
Die Phase-3-Studie IMforte zeigte, dass diese Kombination das Risiko für Krankheitsfortschritt oder Tod um 46 Prozent senkt – im Vergleich zur alleinigen Gabe von Atezolizumab. Patienten in der Kombinationsgruppe erreichten eine mediane Gesamtüberlebenszeit von 13,2 Monaten, während die Monotherapie-Gruppe bei 10,6 Monaten lag. Bereits im März 2026 hatte der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) eine positive Stellungnahme abgegeben.
Vielversprechende Pipeline: Was auf dem ASCO-Kongress 2026 vorgestellt wurde
Auf dem diesjährigen ASCO-Kongress Ende Mai präsentierten Forscher weitere vielversprechende Daten – sowohl für kleinzelligen als auch für nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC).
Pumitamig: BioNTech und Bristol Myers Squibb (BMS) legten Zwischenergebnisse der Phase-2/3-Studie ROSETTA-Lung-02 vor. Der Immunmodulator Pumitamig wurde in Kombination mit Chemotherapie bei unbehandeltem fortgeschrittenem NSCLC getestet. Je nach Histologie und Dosierung lagen die Ansprechraten zwischen 57,1 und 72,2 Prozent.
IMA401: Forscher aus Dresden präsentierten am 31. Mai 2026 Daten aus einer Phase-Ia/Ib-Studie. Der bispezifische T-Zell-Aktivator zielt auf MAGEA4/8 und CD3 ab und zeigte Aktivität bei fortgeschrittenen soliden Tumoren – darunter Lungenkrebs und Melanom. Die mediane Ansprechdauer betrug 8,8 Monate.
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Neladalkib: Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat dem ALK-Hemmer von Nuvalent einen Priority-Review-Status für Patienten mit ALK-positivem NSCLC erteilt, die bereits mit Tyrosinkinase-Inhibitoren behandelt wurden. Eine Entscheidung wird bis zum 27. November 2026 erwartet.
Sevabertinib: Bayer treibt die klinische Entwicklung seines Wirkstoffs voran. Eine Phase-3-Studie vergleicht Sevabertinib mit Standardtherapien wie Cisplatin und Pembrolizumab bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC und HER2-Mutationen.
Diese regulatorischen und klinischen Meilensteine zeigen: Die Onkologie bewegt sich zunehmend in Richtung zielgerichteter, immunologischer Ansätze – um die aggressivsten Formen von Lungenkrebs wirksamer zu bekämpfen.
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