Lungenkrebs-Screening, Kassenkostenübernahme

Lungenkrebs-Screening: Kassenkostenübernahme seit April verdoppelt Überlebenschancen

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 14:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Seit April 2026 übernehmen Krankenkassen die Kosten für das Lungenkrebs-Screening per Niedrigdosis-CT. Zielgruppe sind starke Raucher ab 50 Jahren.

Lungenkrebs-Früherkennung: Kassen zahlen ab 2026 das CT-Screening für Risikogruppen
Moderner Computertomograph in einer hellen radiologischen Praxis zur Früherkennung von Lungenerkrankungen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Rund 58.300 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an Lungenkrebs – etwa 45.000 sterben daran. Das Problem: Drei Viertel aller Fälle werden erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Seit April 2026 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nun die Kosten für ein strukturiertes Screening per Niedrigdosis-CT.

Wer hat Anspruch auf das Screening?

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte den Beschluss bereits im Juni 2025 gefasst. Das Angebot richtet sich an eine klar definierte Risikogruppe: Menschen zwischen 50 und 75 Jahren, die mindestens 25 Jahre geraucht haben. Entscheidend sind dabei mindestens 15 sogenannte Packungsjahre – also zum Beispiel eine Schachtel täglich über 15 Jahre.

Auch Ex-Raucher sind berechtigt, wenn der Rauchstopp weniger als zehn Jahre zurückliegt. Der Ablauf startet mit einem Beratungsgespräch beim Hausarzt. Bei Eignung folgt die Überweisung an spezialisierte radiologische Einrichtungen.

KI und Roboter: So arbeitet die moderne Diagnostik

Die Niedrigdosis-CT, teils auch Ultra-Low-Dose-CT genannt, arbeitet mit deutlich reduzierter Strahlenbelastung. Experten zufolge liegt die Dosis bis zu 90 Prozent unter herkömmlichen Verfahren – etwa vergleichbar mit zwei klassischen Röntgenaufnahmen.

Bei der Auswertung hilft zunehmend künstliche Intelligenz. KI-gestützte Software unterstützt Radiologen dabei, selbst kleinste Veränderungen im Lungengewebe zu erkennen. In spezialisierten Kliniken kommen zudem Robotersysteme wie „Da Vinci“ bei Bronchoskopien und minimalinvasiven Eingriffen zum Einsatz. Das erhöht die Präzision bei Gewebeentnahme und Tumorentfernung.

Einrichtungen wie die Asklepios Lungenklinik Gauting setzen außerdem auf eine qualitätsgesicherte Zweitbefundung. Das soll die Fehlerquote senken und Überdiagnosen vermeiden.

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Für die flächendeckende Umsetzung bauen Kliniken derzeit regionale Versorgungsnetzwerke auf. Am Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende startete das Netzwerk „Lungenkrebs CT-Screening Mitteldeutschland“. Über 100 Mediziner aus fünf Bundesländern – Niedersachsen, Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt – arbeiten dort zusammen. Göttingen ist die erste Einrichtung in Niedersachsen mit dem kompletten Prozess der qualitätsgesicherten Früherkennung.

In Hessen übernehmen die Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden und das Sana-Klinikum in Offenbach zentrale Rollen. Das Universitätsklinikum Gießen bereitet derweil ein eigenes Screening-Projekt vor. Das dortige Lungenkrebszentrum Mittelhessen ist seit 2017 von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert.

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Die Erfolgsaussichten hängen massiv vom Diagnosezeitpunkt ab. Wird Lungenkrebs spät entdeckt, liegt die 5-Jahres-Überlebensrate laut medizinischen Fachkreisen bei nur etwa 5 Prozent. Ein Screening kann diesen Wert auf rund 70 Prozent steigern. Ohne Früherkennungsmaßnahmen liegt die durchschnittliche Überlebensrate über fünf Jahre bei weniger als 25 Prozent.

Prävention bleibt der wichtigste Hebel

Trotz aller technischen Fortschritte: Der wirksamste Schutz ist der Rauchverzicht. Bundesdrogenbeauftragter Hendrik Streeck betonte bei Klinikbesuchen Ende Juli, dass fast 90 Prozent der Lungenkrebsfälle auf das Rauchen zurückgehen. Er fordert strengere Maßnahmen zum Jugendschutz – etwa ein Verbot von Nikotinbeuteln und eine höhere Tabaksteuer.

Auch Hessens Gesundheitsministerin Diana Stolz will junge Menschen stärker vor den Risiken von E-Zigaretten und Aromastoffen schützen. Das neue Screening-Programm soll die Sterblichkeit senken – die effektivste Maßnahme bleibt jedoch, gar nicht erst mit dem Rauchen anzufangen.

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