Lungenfibrose: Vicore prüft Buloxibutid bei mehr als 360 Patienten
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 03:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Behandlung der idiopathischen Lungenfibrose (IPF) sowie weiterer fibrotischer Erkrankungen steht vor wichtigen klinischen Weiterentwicklungen. Auf Chardans 10. jährlicher Healthcare-Konferenz präsentierten Entwickler wie Vicore Pharma und MannKind neue Ansätze und Pipeline-Erweiterungen für diesen Therapiebereich, wie Branchenberichte vom 20. Oktober 2026 darlegen.
Vicore Pharma setzt auf AT2-Rezeptor-Agonisten
Vicore Pharma treibt die Entwicklung des Wirkstoffkandidaten Buloxibutid voran, eines Agonisten am Angiotensin-II-Typ-2-Rezeptor. In der Phase-IIb-Studie ASPIRE wurden mehr als 360 Patienten in 14 Ländern rekrutiert.
Die Rekrutierung konnte bereits im April früher als geplant abgeschlossen werden. Geprüft werden Dosierungen von 50 mg und 100 mg zweimal täglich gegenüber einem Placebo über eine Dauer von 52 Wochen. Erste Topline-Daten werden für Mitte 2027 im Sommer erwartet.
Das Unternehmen strebt einen Effekt auf die forcierte Vitalkapazität (FVC) von rund 65 bis 70 mL im Vergleich zu Placebo an, was einem ähnlichen Niveau wie bei Nerandomilast entspräche. Laut Unternehmenschef Mousa bleibe eine Phase-III-Studie im Basisszenario weiterhin erforderlich.
Eine vorangegangene offene Phase-IIa-Studie zeigte über einen Zeitraum von 36 Wochen eine verbesserte Lungenfunktion; dabei wurde MMP13 hochreguliert, während dies bei MMP7 nicht der Fall war. Die bestehende Finanzierung sichert die Durchführung von ASPIRE zuzüglich einer Laufzeit von etwa einem Jahr ab, nachdem im Sommer ein Dual-Listing vollzogen worden war.
MannKind erweitert Inhalations-Pipeline
MannKind berichtete über Fortschritte bei inhalativem Nintedanib. In der Phase-I-B-Studie INFLOW 1 mit rund 60 bis 70 Probanden traten weder Diarrhö noch toleranzbedingte Therapieabbrüche auf. Die Folgestudie INFLOW 2 der Phase II soll vorbehaltlich behördlicher Abstimmungen mit der US-Arzneimittelbehörde FDA rund 140 Patienten in 12 bis 13 Ländern umfassen und zwei Dosierungen untersuchen.
Die Rekrutierung von über 360 Patienten in 14 Ländern ist abgeschlossen, die Topline-Daten werden für Mitte 2027 erwartet — doch ein Phase-IIb-Ergebnis ist noch keine Zulassung. Wer die FVC-Endpunkte und den angestrebten Effekt von 65 bis 70 mL gegenüber Placebo sauber einordnen will, findet hier die nüchterne Bestandsaufnahme. Kostenlose Pipeline-Analyse jetzt anfordern
Laut Castagna wäre für eine Zulassung bei IPF eine Phase-III-Wirksamkeitsstudie notwendig, wobei eine einzige Studie potenziell sowohl IPF als auch progressive Lungenfibrose (PPF) abdecken könnte.
Zusätzlich könnte Ralinepag, das nun als GenRALD geführt wird, bis zum Jahresende in Studien am Menschen eintreten; eine Phase-II-Studie für IPF wäre für Ende 2027 denkbar. Ein Modell auf Basis künstlicher Intelligenz ermittelte dafür ein theoretisches FVC-Delta von bis zu 150 mL, wobei es sich um eine reine Modellprognose ohne klinische Daten handelt. Für vernebeltes Treprostinil bei IPF wird im April eine FDA-Entscheidung erwartet.
Finanziell erzielte MannKind im zweiten Quartal einen Umsatz von 109,4 Mio. US-Dollar, was einem Zuwachs von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, bei einem Ergebnis je Aktie von minus 0,01 US-Dollar. Rund 60 Prozent der Quartalserlöse entfielen auf Lizenzgebühren und die Fertigung für United Therapeutics.
Das Unternehmen rechnet im nächsten Jahr ohne neue Kapitalerhöhung mit dem Erreichen der Profitabilität. Chardan nahm die Beobachtung der Aktie laut Berichten vom 19. Oktober 2026 mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 10,00 US-Dollar auf.
Zusätzliche Erkenntnisse zu Kombinationsansätzen
Auch Tvardi Therapeutics legte Post-hoc-Ergebnisse einer IPF-Studie vor, in der TTI-101 ergänzend zu Nintedanib verabreicht wurde. Bei Patienten, die das Protokoll vollständig abschlossen, zeigte sich gegenüber Placebo ein mehr als vierfacher Rückgang des Entzündungsmarkers IL-6 sowie eine placebobereinigte Reduktion der Ausgangsfibrose um 7 Prozent nach 12 Wochen im hochauflösenden Computertomogramm.
Hohe Abbruchquoten haben in dieser Indikation schon manchen primären Endpunkt uninterpretierbar gemacht — ein Risiko, das auch bei laufenden Phase-II-Programmen im Raum steht. Diese Analyse ordnet Studiendesigns, Abbruchmuster und Finanzierungspuffer der aktuellen IPF-Kandidaten ein, damit Sie Zulassungsrisiken vor der Datenveröffentlichung bewerten können. IPF-Risikoanalyse kostenlos abrufen
Der primäre FVC-Endpunkt blieb jedoch aufgrund einer hohen Abbruchquote infolge gastrointestinaler Nebenwirkungen schwer interpretierbar. Bei insgesamt 400 mit TTI-101 oder TTI-109 behandelten Probanden wurde keine arzneimittelbedingte mitochondriale Toxizität festgestellt.
