Lungenfibrose-Medikament: KI-Wirkstoff senkt biologisches Alter um bis zu 6 Jahre
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 11:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der medizinischen Forschung markiert der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) zur Identifikation neuer Therapieansätze einen zunehmend bedeutenden Trend. Aktuelle Studienergebnisse zum Wirkstoff Rentosertib des Unternehmens Insilico Medicine verdeutlichen nun das Potenzial dieser Technologie.
Der ursprünglich gegen die idiopathische Lungenfibrose (IPF) entwickelte TNIK-Inhibitor zeigt in klinischen Untersuchungen Hinweise darauf, das biologische Alter von Patienten senken zu können.
Ergebnisse der Phase-IIa-Studie bei Lungenfibrose
Im Rahmen einer im Fachjournal Nature Biotechnology veröffentlichten Phase-IIa-Studie wurde die Wirkung von Rentosertib an 42 Patienten untersucht. Über einen Zeitraum von 12 Wochen analysierten Forscher insgesamt 2.841 Proteine unter Verwendung von sechs verschiedenen proteinbasierten „Altersuhren“.
Die Auswertung ergab laut den vorliegenden Daten vom September 2026, dass alle sechs verwendeten Modelle eine Verringerung des biologischen Alters im Vergleich zur Placebo-Gruppe anzeigten.
Besonders deutliche Effekte zeigten sich bei einer Dosierung von 30 mg zweimal täglich. In dieser Gruppe wurde nach vier Wochen eine Verringerung des biologischen Alters um etwa 3 bis 4 Jahre festgestellt, wobei ein spezifisches Modell sogar eine Reduktion um bis zu 6 Jahre registrierte. In der Gruppe, die 60 mg einmal täglich erhielt, lag die Differenz zum Placebo nach vier Wochen zwischen 2,71 und 3,46 Jahren.
Neben den Alterungsmarkern wurden auch klinische Parameter der Lungenfunktion erfasst. Die 60-mg-Gruppe wies eine Verbesserung der forced vital capacity (FVC) von +98,4 ml auf, während der Wert in der Placebo-Gruppe um -20,3 ml sank. Insgesamt wurden in der Behandlungsgruppe 326 Proteine verändert, im Gegensatz zu lediglich 2 Proteinen in der Kontrollgruppe.
Technologische Basis und Entwicklungsgeschwindigkeit
Die Entwicklung von Rentosertib gilt als Referenzpunkt für die Effizienz KI-gestützter Verfahren. Vom ersten Target-Screening bis zum fertigen Wirkstoffkandidaten vergingen etwa 18 Monate. Dabei wurde das biologische Zielmolekül TNIK über die Plattform PandaOmics identifiziert, während die molekulare Struktur mittels der Software Chemistry42 generiert wurde.
Die Analyse der Studienergebnisse stützte sich auf den Abgleich mit 55.319 Profilen aus der UK-Biobank. Trotz der technologischen Fortschritte bleibt die statistische Belastbarkeit ein Thema: Von insgesamt 54 durchgeführten Vergleichen in der Studie erwiesen sich 21 als statistisch signifikant.
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Einordnung in den wachsenden Longevity-Markt
Das Interesse an Produkten und Therapien zur Lebensverlängerung (Longevity) nimmt laut Marktuntersuchungen stetig zu. Eine Kantar-Befragung unter 2.000 Deutschen im Mai 2026 zeigte, dass 86 % der Befragten den Wunsch nach einem langen, gesunden Leben äußerten.
Etwa 55 % gaben an, Longevity-Produkte kaufen zu wollen, wobei dieser Anteil in der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen bei 60 % lag. Dennoch forderten 66 % der Teilnehmer mehr unabhängige Informationen ein.
Wissenschaftler wie Markus Mandl von der JKU Linz wiesen im September 2026 darauf hin, dass die theoretische Grenze der menschlichen Lebensspanne nach aktueller Literatur bei circa 120 Jahren liege. Während der Markt für Methoden wie Kältekammern oder Infrarot-Licht stark wachse, fehlten für viele Ansätze noch gesicherte Langzeitstudien.
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Wissenschaftliche Vorbehalte und Ausblick auf Phase III
Trotz der beobachteten Veränderungen der Proteinmarker betonen Experten, dass eine Modifikation dieser Messwerte nicht zwangsläufig eine Verlangsamung des tatsächlichen Alterungsprozesses oder eine allgemeine Verjüngung bedeutet.
Die Stichprobe der Phase-IIa-Studie (NCT05938920) sei klein, und eine regulatorische Genehmigung für Rentosertib als Anti-Aging-Mittel liege nicht vor. Der Fokus der klinischen Entwicklung bleibt die Behandlung der idiopathischen Lungenfibrose, von der weltweit etwa 5 Millionen Menschen betroffen sind.
Seit Juli 2026 läuft bereits eine Phase-III-Studie zu Rentosertib, die unter anderem in China genehmigt wurde. Diese soll die vorläufigen Ergebnisse an einer größeren Patientenpopulation validieren und die Wirksamkeit des TNIK-Inhibitors weiter absichern.
Parallel dazu treiben auch andere Institutionen wie das Universitätsklinikum Heidelberg KI-Projekte voran, etwa zur Diagnose von Hirntumoren, was die breite Dynamik im Bereich der computergestützten Medizin unterstreicht.
