Longevity-Mittel, Netz-Inhalte

Longevity-Mittel: Fast ein Drittel der Netz-Inhalte ist nicht belegt

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien und Experten betonen den Einfluss von Bewegung und Lebensstil, während viele Versprechen zu Anti-Aging-Präparaten unbelegt bleiben.
Eine Schale mit frischen Beeren und ein Glas Wasser auf einem Holztisch in einem hellen, pflanzenreichen Raum. Illustration mit AI erstellt.

Der Markt für Langlebigkeit wächst rasant, doch Fachleute dämpfen überzogene Erwartungen an angebliche Verjüngungsmittel. Dr. Vicente Mera, Longevity-Experte bei The Beauty Concept, betont, dass es kein Wundermittel unter den Nahrungsergänzungsmitteln gibt. Das Fundament für ein langes und gesundes Leben bleibe unverändert: erholsamer Schlaf, regelmäßige Bewegung, eine angemessene Ernährung und ein wirksames Stressmanagement.

Risiken unkritischer Nahrungsergänzung

Eine Supplementierung ohne fundierte Daten bezeichnet Vicente Mera als Blindflug. Jeder Plan müsse individuell erstellt, messbar sein und regelmäßig überprüft werden. Für Substanzen wie Niacinamid sei die wissenschaftliche Evidenz beim Menschen bislang nicht konsolidiert.

Auch Dr. Mariel Silva von SHA Spain hebt hervor, dass mehr Nahrungsergänzungsmittel keineswegs ein besseres Ergebnis bedeuten, sondern vielmehr Gefahren durch Überdosierungen und Wechselwirkungen bergen.

Dr. Isabel Viña warnt ebenfalls davor, ohne klare Indikation Präparate einzunehmen. Sie weist darauf hin, dass bestimmte Ergänzungen erst in spezifischen Lebensphasen sinnvoll sein können: Ab den Wechseljahren könne Kreatin in Kombination mit Krafttraining die Muskelmasse und Knochengesundheit unterstützen.

Ab einem Alter von 50 Jahren kämen gegebenenfalls Omega-3-Fettsäuren, Vitamin B12 oder Coenzym Q10 infrage, während für Stoffe wie Spermidin oder Vorstufen von NAD+ lediglich eine emergente Studienlage vorliege.

Manuel J. Castillo, Koordinator der Longevity-Einheit bei Clínicas Dorsia, erklärt, dass die Langlebigkeitsbranche derzeit oft ein Geschäft sei, das der Wissenschaft vorauslaufe. Nahrungsergänzungsmittel seien nicht der entscheidende Faktor.

Beim Thema Ernährung werde häufig zu viel Protein verzehrt, insbesondere durch rotes und verarbeitetes Fleisch. Dagegen könne Fasten die Autophagie aktivieren. Zudem verweist Castillo darauf, dass Altern physiologisch bereits im dritten Lebensjahrzehnt einsetze und Altern mit hoher Lebensqualität nur rund 20 Prozent der Langlebigen gelinge.

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Skepsis gegenüber Heilsversprechen im Netz

Dass viele Versprechungen der Szene wissenschaftlicher Grundlagen entbehren, belegen Untersuchungen von Semal und dem Instituto #SaludsinBulos. Demnach bietet fast ein Drittel der Inhalte zum Thema Langlebigkeit in spanischen sozialen Netzwerken Aussagen ohne ausreichende wissenschaftliche Belege.

Bei den problematischen Beiträgen versprechen 45 Prozent das Aufhalten oder Umkehren des Alterns, 23 Prozent bewerben Präparate wie Resveratrol, NMN, Berberin, Peptide oder NAD+, und 27 Prozent nutzen reißerische Schlagzeilen.

Bei 68 Prozent der Protagonisten handelt es sich um Personen, die sich als Ärzte oder Wissenschaftler ausgeben, während 32 Prozent ihre Versprechen direkt mit kostenpflichtigen Produkten verknüpfen.

In Deutschland halten laut einer Forsa-Befragung im Auftrag der DAK-Gesundheit aus dem August 2026 immerhin 69 Prozent der Bürger zwischen 18 und 70 Jahren eine Verlangsamung des Alterns für möglich. Der Trend wird auch medial stark getrieben.

Auf dem Silbersalz-Festival in Halle thematisierte Prof. Dr. Ursula Müller-Werdan von der Berliner Charité das Phänomen. Sie verwies darauf, dass Milliardäre wie Mark Zuckerberg in entsprechende Projekte investieren und Influencer wie Bryan Johnson den Trend zusätzlich anfachen. Als älteste verifizierte Person gilt nach wie vor die Französin Jeanne Calment mit 122 Jahren und 164 Tagen.

Das Zusammenspiel aus Bewegung, Schlaf und Genetik

Wie stark das biologische Alter vom tatsächlichen Gesundheitszustand abhängt, erläutert Dr. Francesca Lubian vom Südtiroler Sanitätsbetrieb in Bozen. Faktoren wie Rauchen, viszerale Adipositas, Bewegungsmangel, schlechter Schlaf und chronischer Stress beschleunigen das Altern, während körperliche Aktivität die wirksamste Gegenmaßnahme darstelle.

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Auch Prof. Billy Sperlich von der Universität Würzburg betont die Bedeutung des Trainings: Die Muskelmasse verringere sich bei Männern und Frauen jährlich um etwa 0,5 bis 1 Prozent, weshalb Krafttraining für die Selbstständigkeit zentral sei. Zugleich warnt Sperlich davor, sich von reinen Messdaten abhängig zu machen.

Dass der Lebensstil genetische Nachteile spürbar abfedern kann, untermauert eine Studie von Bian und Kollegen aus dem Fachjournal BMJ Evidence-Based Medicine von 2024 mit 353.742 Teilnehmenden.

Zwar ging ein hohes genetisches Risiko mit einem um 21 Prozent erhöhten Sterberisiko einher, ein ungünstiger Lebensstil steigerte dieses jedoch um rund 78 Prozent. Ein gesunder Alltag glich etwa 62 Prozent des genetischen Risikos für eine verkürzte Lebensdauer aus.

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