Longevity-Forschung, ARPA-H

Longevity-Forschung: ARPA-H stellt bis zu 144 Millionen Dollar bereit

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 00:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachleute setzen auf gesunde Lebensjahre und fordern belastbare Belege für Tests und Anti-Aging-Verfahren.
Ein minimalistischer, heller medizinischer Untersuchungsraum mit weichem Tageslicht und Blick in einen grünen Garten. Illustration mit AI erstellt.

In der Altersmedizin gewinnt der Übergang von einer rein reaktiven Behandlung hin zu einer vorausschauenden Erhaltung der Gesundheit zunehmend an Bedeutung. Fachleute und neue wissenschaftliche Publikationen rücken Konzepte der sogenannten Longevity-Medizin in den Fokus.

Ziel dieser Ansätze ist es, altersbedingte Erkrankungen durch personalisierte Prävention und moderne diagnostische Methoden frühzeitig zu antizipieren, bevor manifeste Funktionseinbußen auftreten.

Natalia Ayala von ERA Longevity, der ersten Longevity-Klinik in der Provinz Buenos Aires, fordert in diesem Kontext eine grundlegende Abkehr vom traditionellen, rein reaktiven Versorgungsmodell. Statt erst bei akuten Beschwerden einzugreifen, müsse die aktive Gesunderhaltung im Mittelpunkt stehen.

In der Praxis erfasse die Einrichtung dafür eine breite Palette an Parametern: Neben klassischen Werten wie Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin zählen dazu das Körpergewicht, die allgemeine Stoffwechselgesundheit, die kardiorespiratorische Kapazität sowie Muskelmasse und -kraft. Ergänzt wird die Diagnostik durch Analysen von Ernährungsgewohnheiten, Schlafqualität und Hormonstatus.

Demografischer Wandel verstärkt Bedarf an neuen Versorgungsmodellen

Der Druck auf die Gesundheitssysteme wächst vor allem durch den demografischen Wandel. Nach Erhebungen von RENAPER und der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) kommen in Argentinien gegenwärtig 65 Personen über 65 Jahre auf 100 Menschen unter 15 Jahren. Den Projektionen der CEPAL zufolge werden Menschen ab 60 Jahren bis zum Jahr 2050 ein Viertel der Gesamtbevölkerung Lateinamerikas ausmachen.

Um funktionelle Einbußen bei älteren Menschen rechtzeitig zu erkennen, kommen vermehrt digitale Werkzeuge zum Einsatz. So hat die Kombination aus künstlicher Intelligenz basierendes Tool namens AVIA entwickelt, das das Fragilitätsrisiko bei Senioren abschätzen soll. Das System wurde im Rahmen eines Pilotprojekts mit rund 200 Patienten am Hospital Piñero in Buenos Aires erprobt.

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Kommerzielle Diagnostik und wissenschaftliche Skepsis

Das wachsende Interesse an präventiver Diagnostik zeigt sich auch im privatwirtschaftlichen Sektor. Die Einrichtung Preventomed im burgenländischen Bruckneudorf bietet seit dem 1. Oktober einen Test zur Einschätzung des biologischen Alters an. Dieser erfasst Laborwerte wie hochsensitives CRP, die Erythrozytenverteilungsbreite sowie Apolipoproteine.

Ergänzend misst ein Cortisoltest die aktuelle Stressbelastung. Nach Angaben des Mediziners Dr. Florian Mayer lasse sich eine stille Entzündung oder ein metabolisches Problem nicht über eine Smartwatch erkennen, wofür gezielte Blutanalysen nötig seien. Die online verfügbaren Tests liefern eine Momentaufnahme sowie Ratschläge zu Bewegung und Ernährung.

Gleichzeitig mahnen Fachleute zur Zurückhaltung gegenüber überzogenen Versprechungen des Marktes. Anna Chodos von der University of California, San Francisco (UCSF, Dementia Care Aware), betont, dass eine nennenswerte Verlängerung der maximalen menschlichen Lebensspanne derzeit nicht realistisch sei. Das eigentliche Ziel der Medizin müsse die sogenannte Healthspan sein – also die Spanne der Jahre, die ein Mensch gesund und selbstständig verbringt.

Chodos verweist darauf, dass viele gängige Anti-Aging-Thesen auf unzureichender Evidenz beruhen oder unkritisch von Tierversuchen auf den Menschen übertragen werden. So habe der Wirkstoff Rapamycin zwar die Lebensdauer von Mäusen verlängert, ein entsprechender Beleg beim Menschen fehle jedoch.

Auch bei NAD+-Präparaten seien Humanstudien bislang klein und auf wenige Wochen begrenzt, ohne dass funktionelle Verbesserungen nachgewiesen wurden. Bei Metformin zeigte eine randomisierte Studie, dass ältere Erwachsene während eines Krafttrainings unter dem Wirkstoff weniger Muskelmasse aufbauten als unter Placebo; zudem steht die Bestätigung durch die TAME-Studie noch aus.

Für GLP-1-Rezeptoragonisten sei der Nutzen bei Adipositas, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen belegt, nicht aber für Personen mit durchschnittlichem Risiko, bei denen zudem ein Verlust an Muskelmasse drohe.

Intermittierendes Fasten wiederum sei einer reinen Kalorienreduktion nicht überlegen. Nach Ansicht von Chodos sind zahlreiche Angebote wie Infusionen, unselektive Bluttests, Eisbäder oder Proteinpräparate wissenschaftlich unzureichend untermauert.

Gesichert sei dagegen, dass eine Kombination aus Kreatin und Krafttraining die Kraftentwicklung bei Älteren unterstützen könne und eine ballaststoffreiche Ernährung das Risiko für vorzeitigen Tod, kardiovaskuläre Leiden, Typ-2-Diabetes und Darmkrebs mindere.

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Regulatorische Entwicklung und Ausblick

Auch internationale Aufsichtsbehörden und Förderer befassen sich zunehmend mit dem Bereich. Auf dem ARDD-Kongress in Boston im Oktober 2026 erklärte die US-Arzneimittelbehörde FDA Altern und Longevity zu regulatorischen Prioritätsfeldern. Zudem stellt die Forschungsagentur ARPA-H bis zu 144 Millionen US-Dollar für das Programm PROSPR bereit.

Angesichts von Angeboten gemeinnütziger US-Kliniken, die für noch nicht validierte Testverfahren teilweise mehr als 5.500 US-Dollar pro Jahr verlangen, fordern Experten eine strengere Evidenzprüfung, um den tatsächlichen Nutzen präventiver Strategien für ein gesundes Altern zu sichern.

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