Long-COVID, Wirkstoffe

Long-COVID: Vier Wirkstoffe ab sofort auf Kassenkosten

11.06.2026 - 12:12:51 | boerse-global.de

Der Gemeinsame Bundesausschuss erweitert die Arzneimittel-Richtlinie um vier Wirkstoffe gegen Long-COVID und ME/CFS, die Ärzte nun zulasten der Krankenkassen verordnen können.

G-BA: Vier Long-COVID-Medikamente jetzt auf Kassenkosten
Long-COVID - Nahaufnahme verschiedener bunter pharmazeutischer Pillen und Kapseln, kunstvoll auf einer sterilen weißen Oberfläche angeordnet. 11.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Seit dem 11. Juni 2026 können Ärzte vier spezifische Wirkstoffe gegen Long- und Post-COVID sowie ME/CFS verordnen – zulasten der gesetzlichen Krankenkassen.

Welche Medikamente jetzt erstattungsfähig sind

Die neuen Regelungen zielen auf verschiedene Symptomkomplexe ab. Ivabradin ist für Patienten gedacht, die unter einem COVID-19-assoziierten posturalen Tachykardiesyndrom (PoTS) leiden und Betablocker nicht vertragen.

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Metformin kommt präventiv zum Einsatz: Die Verordnung muss innerhalb von drei Tagen nach einer gesicherten COVID-19-Diagnose erfolgen. Voraussetzung sind ein Body-Mass-Index über 25 und Infektionssymptome, die seit weniger als sieben Tagen bestehen.

Gegen Fatigue-Symptome bei ME/CFS oder Long/Post-COVID setzt der G-BA auf Agomelatin. Der vierte Wirkstoff, Vortioxetin, ist für kognitive Beeinträchtigungen oder depressive Symptome infolge einer Long/Post-COVID-Erkrankung vorgesehen.

Allerdings gibt es bei Vortioxetin ein praktisches Problem: Derzeit ist kein Fertigarzneimittel in Deutschland verfügbar, und der Hersteller stimmt einem Off-Label-Use nicht zu. Betroffene sind auf Einzelimporte angewiesen.

Long-COVID, Post-COVID, ME/CFS – die Unterschiede

Die Definitionen sind klar: Von Long-COVID sprechen Mediziner, wenn Beschwerden mehr als vier Wochen nach der Infektion anhalten. Bei Post-COVID sind es mehr als zwölf Wochen. Experte Prof. Dr. Andreas Remmel warnt: Die Post-Exertional Malaise (PEM) – eine extreme Verschlechterung nach geringer Belastung – gilt als zentrales Warnsignal.

Studien zeigen: Etwa die Hälfte der schweren Long-COVID-Fälle erfüllt nach sechs Monaten die Kriterien für ME/CFS, eine eigenständige neuroimmunologische Erkrankung. Eine kausale Heilung gibt es nicht. Die Behandlung konzentriert sich auf Krankheitsmanagement – vor allem auf das sogenannte Pacing, also das Haushalten mit den eigenen Kraftreserven.

Millionen für die Forschung

Die G-BA-Entscheidung basiert auf einer kontinuierlichen Bewertung der Evidenzlage, die bereits im Frühjahr 2026 durch vorbereitende Beschlüsse forciert wurde. Parallel dazu startete das Bundesforschungsministerium im Januar 2026 die „Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen“ – mit rund 500 Millionen Euro über zehn Jahre.

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Regionale Netzwerke wie COFONI in Niedersachsen haben seit Oktober 2020 wichtige Beiträge geleistet. Das Land förderte das Projekt mit 19 Millionen Euro. Auf einem Abschlusssymposium Anfang Juni 2026 in Hannover präsentierten Forscher Ergebnisse zu interdisziplinären Versorgungskonzepten und Antikörper-Identifizierung.

Was bleibt: Lücken in der Versorgung

Trotz der Erweiterung bleibt die Situation für viele Betroffene schwierig. Medikamente wie Low-Dose-Naltrexon (LDN) oder Low-Dose-Aripiprazol (LDA) – die in Einzelfällen zu signifikanten Besserungen führen können – sind nicht im Erstattungskatalog des G-BA. Gesetzlich Versicherte müssen die Kosten weiterhin oft selbst tragen. Die Politik sieht hier fortlaufenden Bedarf an neuen Versorgungsmodellen.

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