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Long Covid: Vagusnerv-Stimulation für 400 Millionen Betroffene

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 05:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschung nutzt Vagusnerv-Stimulation gegen Long Covid und Autoimmunerkrankungen. Neue Projekte und Fördermittel treiben die Entwicklung voran.

Vagusnerv-Stimulation: Neue Hoffnung bei Long Covid und Entzündungen
Nahaufnahme des menschlichen Halses und Brustkorbs mit einer subtilen, leuchtenden Darstellung des Vagusnervs unter der Haut. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Rund 80 Prozent seiner Fasern leiten Signale von den inneren Organen zum Gehirn – und genau diese Verbindung wollen Forscher nun gezielt nutzen.

Bereits zugelassen ist die Vagusnerv-Stimulation (VNS) für Epilepsie und Depressionen. Aktuelle Projekte testen die Wirksamkeit aber auch bei komplexen Krankheitsbildern wie ME/CFS, Long Covid und Autoimmunerkrankungen.

Die Polyvagal-Theorie als Grundlage

Die wissenschaftliche Basis liefert die Polyvagal-Theorie aus dem Jahr 1994. Sie beschreibt verschiedene evolutionäre Schichten des Nervensystems: Reaktionen für soziales Engagement, Kampf-oder-Flucht-Mechanismen und den Erstarrungszustand (Freeze).

Therapeuten wollen den parasympathischen Teil des Nervensystems aktivieren – etwa durch Atemtechniken oder gezielte Kaltwasserreize. Das soll die unbewusste Gefahrenerkennung des Körpers beeinflussen.

Die NIH SPARC-Initiative kartiert derzeit die Fasern des Vagusnervs detailliert. Ziel sind präzisere Stimulationstechniken. Parallel laufen klinische Studien zu VNS bei rheumatoider Arthritis, Migräne und Lupus. Im Fokus steht die Beeinflussung der Immunantwort und die Reduktion systemischer Entzündungen über die Darm-Hirn-Achse.

Neue Hoffnung für Long-Covid-Patienten

Weltweit sind mehr als 400 Millionen Menschen von Long Covid betroffen – zugelassene Medikamente fehlen. Technologische Ansätze gewinnen daher an Bedeutung.

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Die Organisation Solve M.E. vergab im Juli 2026 Fördermittel an Renegade Research für das Projekt SIGNAL. Ziel ist eine dezentrale Plattform zur Bewertung therapeutischer Geräte gegen ME/CFS und Long Covid.

Patienten erhalten für drei Monate leihweise Stimulationsgeräte, darunter das System Truvaga zur Vagusnerv-Stimulation. Dr. Tess Falor leitet das Projekt, beraten von Dr. Jarred Younger von der University of Alabama. Die Plattform soll die Datensammlung beschleunigen – besonders bei schwer erkrankten und bettlägerigen Patienten.

Parallel nutzt das DISCOVER-ME-Projekt mit Beteiligung der Western University und der MedUni Wien künstliche Intelligenz und Metabolomik. Die Forscher untersuchen Blutproben auf Biomarker für ME/CFS.

Die Dringlichkeit solcher Ansätze zeigt sich in der oft unzureichenden Versorgung: Aus Bremen und Irland etwa gibt es Berichte über eingestellte spezialisierte Netzwerke, während nationale Leitlinien noch in der Entwicklung stecken. Betroffene leiden weiter unter massiver Erschöpfung und Schmerzzuständen.

Fortschritte bei Schmerzforschung und Entzündungen

Neben der Vagusnerv-Stimulation gibt es weitere Entwicklungen. In Deutschland starteten mit StEPP-UPP und ENDO-PAIN zwei neue Forschungsverbünde zu Endometrioseschmerzen. Sie nutzen Multi-Omics-Analysen und maschinelles Lernen, um Diagnose und Therapie durch Biomarker und neuroinflammatorische Prozesse zu standardisieren.

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Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit erhält für seine Standorte in Jena, Halle und Magdeburg bis 2030 rund 130 Millionen Euro Fördermittel. Professor Martin Walter erforscht in Jena unter anderem die transkranielle Magnetstimulation bei Depressionen und die Auswirkungen von Entzündungen auf die Psyche.

Ergänzend kommen Erkenntnisse aus der Biochemie: Forscher der Universität Graz identifizierten Mitte 2026 spezifische Metabolite des Vitamin E mit entzündungshemmenden und entzündungsauflösenden Eigenschaften. In klinischen Fallserien im Fachblatt JAMA Dermatology zeigte zudem hochdosiertes Vitamin D vielversprechende Ergebnisse bei Hautschäden durch Krebstherapien – die meisten Patienten konnten die Behandlung ohne Unterbrechung fortsetzen.

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