Long COVID und Bluthochdruck: Studie zeigt 14 Prozent höheres Risiko
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deWissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine Infektion mit SARS-CoV-2 längerfristige Folgen für das kardiovaskuläre System haben kann.
In einer am 10. Oktober 2026 im Fachjournal Journal of the American Heart Association publizierten Untersuchung mit dem Titel „Long-COVID Associated With Incident Hypertension: A Population-Based Cohort Study“ stellten Wissenschaftler des Karolinska-Instituts fest, dass Patienten mit Long COVID ein um 14 Prozent höheres adjustiertes Risiko für neu auftretenden Bluthochdruck aufwiesen als Personen ohne diese Langzeitfolgen.
Erkenntnisse aus der MIRACLE-S-Kohorte
Die Auswertung basiert auf Daten der schwedischen MIRACLE-S-Kohorte, die 1.221.570 Erwachsene im Alter zwischen 18 und 65 Jahren aus der Region Stockholm umfasst.
Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich von Oktober 2020 bis Januar 2025. Innerhalb dieses Kollektivs erhielten 8.365 Teilnehmer, was einem Anteil von 0,7 Prozent entspricht, eine gesicherte Long-COVID-Diagnose.
Während im gesamten Studienverlauf bei 18 Prozent aller Teilnehmer eine Hypertonie festgestellt wurde, lag der Anteil in der Long-COVID-Gruppe bei 22 bis 23 Prozent. Auch Betroffene mit Long COVID, die während der akuten Erkrankung nicht hospitalisiert werden mussten, wiesen das um 14 Prozent erhöhte Hypertonie-Risiko auf.
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Bei der geschlechtsspezifischen Analyse zeigten sich Unterschiede im absoluten Auftreten und im relativen Risiko: Innerhalb der Long-COVID-Gruppe entwickelten 16 Prozent der Frauen und 24 Prozent der Männer Bluthochdruck. Das relative Risiko stieg bereinigt bei Frauen um 13 Prozent und bei Männern um 15 Prozent.
Zudem fiel der Zusammenhang bei älteren Menschen und bei Patienten mit vorbestehendem Diabetes deutlicher aus. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, ist eine Kausalität nicht belegt. Die Studienautoren betonten jedoch die Notwendigkeit einer kardiovaskulären Nachsorge und regelmäßiger Blutdruckmessungen bei Personen mit Long COVID.
Biologische Ursachen und Gefäßschädigungen
Als treibende Mechanismen hinter einem viral bedingten Blutdruckanstieg gelten systemische Entzündungsprozesse, endotheliale Dysfunktionen und Störungen des Renin-Angiotensin-Systems. Durch eine Herunterregulierung von ACE2-Rezeptoren kommt es zu einem Anstieg von Angiotensin II, was eine Verengung der Blutgefäße auslösen kann.
Im Kontext von Long COVID kann eine Dysautonomie zudem eine anhaltende Überaktivität des sympathischen Nervensystems bewirken. Der Blutdruck kann infolgedessen über Monate hinweg erhöht bleiben. Während akute Blutdruckspitzen meist vorübergehender Natur sind, gilt bei anhaltenden Schäden des Endothels die Entwicklung einer chronischen Hypertonie als möglich.
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Viruspersistenz und Gewebebefunde
Ergänzende Erkenntnisse lieferten Untersuchungen der Sechenov-Universität. Mittels PCR und Immunhistochemie konnten Forscher SARS-CoV-2-Rückstände in Form von RNA und Proteinen noch bis zu 35 Monate nach der klinischen Genesung in Organen nachweisen. Die viralen Spuren fanden sich in chirurgischen Proben und Autopsiegeweben aus Lunge, Magen-Darm-Trakt, Herz sowie Endometrium.
Den Berichten der Universität zufolge akkumuliert das Virus in Makrophagen sowie Endothelzellen, was chronische Entzündungen und Störungen des Mikrozirkulation nach sich ziehen kann. Im Herzmuskel zeigten sich dabei Anzeichen von Myokarditis und Herzinsuffizienz.
Die Sechenov-Universität empfahl daher, die Langzeitfolgen auch leichter COVID-19-Infektionen insbesondere bei Personen mit Vorerkrankungen wie Hypertonie, Diabetes und Adipositas sorgfältig im Blick zu behalten.
