Long COVID: PET-Studie zeigt 16 bis 20 Prozent weniger Dopamin-Nervenmarker
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 20:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine im Fachjournal eBioMedicine veröffentlichte Untersuchung des Centre for Addiction and Mental Health (CAMH) in Toronto liefert neue Erkenntnisse über die biologischen Mechanismen hinter anhaltenden kognitiven und körperlichen Beschwerden bei Long COVID.
Mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET) wies das Forschungsteam Schäden an dopaminfreisetzenden Neuronen im Gehirn von Betroffenen nach. Die Ergebnisse zeigen deutliche Reduktionen spezifischer Nervenmarker im Striatum, was zentrale Symptome wie Erschöpfung, Apathie und Gedächtnisprobleme erklären könnte.
Signifikanter Rückgang wichtiger Nervenmarker im Gehirn
In der Fall-Kontroll-Studie, die zwischen August 2022 und April 2025 durchgeführt wurde, untersuchten die Forschenden 24 Long-COVID-Patienten im Vergleich zu 24 altersgleichen gesunden Kontrollpersonen bei einem Durchschnittsalter von 32 Jahren.
Für die Bildgebung kam der PET-Tracer (+)[11C]DTBZ zum Einsatz, um die Bindung an den vesikulären Monoamintransporter 2 (VMAT2) zu messen. VMAT2 dient in der Bildgebung als Marker für intakte Dopamin-Nervenendigungen.
Die Messungen ergaben bei den Long-COVID-Patienten 16 bis 20 Prozent niedrigere VMAT2-Werte über alle drei untersuchten Regionen des Striatums hinweg: im ventralen Striatum, im dorsalen Putamen und im dorsalen Caudatum.
Laut den Forschenden korrelieren die Rückgänge in den jeweiligen Hirnarealen mit spezifischen Beschwerden:
- Niedrigere Werte im ventralen Striatum gingen mit verstärktem Motivationsverlust und Apathie einher.
- Verringerte Bindung im dorsalen Putamen stand im Zusammenhang mit verlangsamten Bewegungsabläufen.
- Im dorsalen Caudatum zeigten sich Verbindungen zu Gedächtnisschwierigkeiten wie Wortfindungsstörungen, Problemen beim Halten von Gedankengängen oder dem Erinnern kürzlich getroffener Entscheidungen.
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Entzündungsprozesse als möglicher Auslöser
Studienleiter Dr. Jeffrey Meyer, Senior Scientist am Brain Health Imaging Centre und Inhaber eines Canada Research Chair, erklärte, die Befunde böten fundierte Belege dafür, dass Long COVID mit dem Verlust von Dopamin freisetzenden Neuronen einhergehe. Entzündungen seien dafür bekannt, dass sie derartige Neuronen schädigen können.
Die Untersuchung baut auf früheren Arbeiten des CAMH aus den Jahren 2022 und 2023 auf, die bei Long-COVID-Patienten erhöhte Werte des Hirnentzündungsmarkers TSPO in Regionen mit hoher Dopaminneuronen-Dichte nachgewiesen hatten.
Frühere wissenschaftliche Übersichten stützen dieses Bild und verweisen wiederholt auf Neuroinflammation, Dysfunktionen der Blut-Hirn-Schranke und Hypometabolismus im Gehirn bei Long COVID. Auch Meta-Analysen zeigen eine Prävalenz von rund 20 Prozent für sogenannten Gehirnnebel und psychische Beeinträchtigungen bei Betroffenen.
Schätzungen zufolge sind etwa 5 Prozent der Weltbevölkerung von Long COVID betroffen, darunter rund 2 Millionen Menschen in Kanada. In den USA ergab eine Analyse im Fachjournal JAMA Network Open, dass im Jahr 2024 rund 8,3 Prozent der Erwachsenen (etwa 21,3 Millionen Personen) angaben, jemals an Long COVID gelitten zu haben, wobei fast 6 von 10 von einer Genesung berichteten.
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Methodische Grenzen und geplante klinische Tests
Trotz der deutlichen Messwerte verweisen die Forschenden auf Einschränkungen der Beobachtungsstudie. Das Querschnittsdesign ohne Baseline-Werte vor der Infektion erlaubt keinen formalen Beweis für eine Kausalität.
Die verminderte VMAT2-Bindung könnte zudem eine reduzierte funktionelle Integrität der Nervenendigungen widerspiegeln und nicht zwingend den vollständigen Zelltod von Neuronen bedeuten. Zudem existieren derzeit keine zugelassenen Dopamin-Therapeutika speziell für Long COVID.
Dennoch bereiten das CAMH und das University Health Network (UHN) in Toronto eine klinische Studie vor. In den kommenden Monaten sollen im Rahmen von Drug-Repurposing-Ansätzen Dopamin-Vorläufer sowie Inhibitoren des Dopamin-Abbaus getestet werden. Ergebnisse hierzu werden für das Jahr 2027 erwartet.
Finanziert wurde die Bildgebungsstudie durch die Canadian Institutes of Health Research (CIHR). Studienleiter Meyer hat bereits Patente für Behandlungsansätze auf Basis von Rasagilin sowie einen Tyramin-basierten Dopamin-Ansatz bei Long COVID beantragt.
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