Long-COVID, Immundefekte

Long-COVID: Neue Immundefekte und Energiemangel im Gehirn identifiziert

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 10:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Aktuelle Studien zeigen immunologische und metabolische Ursachen von Long-COVID und ME/CFS. Erste Therapieansätze wie Daratumumab und GLP-1-Agonisten geben Hoffnung.

Long-COVID-Forschung 2026: Neue Studien zu Immunsystem und Stoffwechsel
Mikroskopaufnahme von immunologischen Zellen in einem modernen Labor zur Erforschung von Entzündungsprozessen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Wissenschaft macht Fortschritte bei der Erforschung von Long-COVID und ME/CFS. Gleich mehrere Studien aus dem Jahr 2026 liefern neue Einblicke in die biologischen Prozesse hinter den postinfektiösen Syndromen – von immunologischen Fehlregulationen bis zu metabolischen Defiziten im Gehirn.

Erschöpfte Killerzellen und geschlechtsspezifische Unterschiede

Ein zentraler Befund: Nach einer SARS-CoV-2-Infektion verändern sich Immunzellen nachhaltig. Eine Untersuchung der Gladstone Institutes, veröffentlicht in Cell Reports Medicine, identifizierte charakteristische Veränderungen bei virusspezifischen CD8-T-Zellen. Diese wiesen Anzeichen von Erschöpfung sowie verstärkte zytolytische Eigenschaften auf – besonders deutlich bei Patientinnen. Die Ergebnisse unterstreichen geschlechtsspezifische Unterschiede in der Immunantwort.

Parallel dazu publizierten deutsche Forscher am 4. August 2026 eine Studie zu einem speziellen Zustand von CD14+-Monozyten, den sie „LC-Mo“ nennen. Dieser Zellzustand korreliert mit der Schwere von Fatigue und respiratorischen Beschwerden bei Patienten mit vorangegangener leichte bis mittelschwerer Infektion. Die Monozyten gehen mit erhöhter Zytokin-Freisetzung einher.

Weitere immunologische Regelkreise analysierten das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) Hamburg und die Universität Basel. Im Fokus: der FGL-1/LAG-3-Regelkreis, der normalerweise die Aktivität von T-Zellen hemmt. Erhöhte FGL-1-Spiegel korrelierten bei COVID-19-Patienten mit stärkeren Entzündungsreaktionen und schwereren Krankheitsverläufen.

Energiedefizit im Gehirn und veränderte Muskulatur

Neben immunologischen Faktoren rücken metabolische Störungen in den Fokus. Eine deutsche Studie wies per 31P-MRS ein signifikantes Energiedefizit im Gehirn von Long-COVID-Betroffenen nach. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe zeigten Patienten ein reduziertes Verhältnis von ATP zu Phosphokreatin im cingulären Kortex. Die Autoren vermuten eine Störung des Kreatinkinase-Shuttles als Ursache.

Untersuchungen der VU Amsterdam belegen zudem strukturelle Veränderungen in der Muskulatur. Bei Patienten mit Langzeitfolgen fanden sich weniger langsame Muskelfasern sowie eine schlechtere Funktion von Mitochondrien und Kapillaren. Diese Befunde könnten die physische Belastungsintoleranz vieler Betroffener erklären.

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Neue Ansätze gegen Entzündungen

Auch die allgemeine Entzündungsforschung liefert neue Ansätze. Eine in Nature veröffentlichte Studie zeigte Anfang August 2026, dass Poren des Proteins GSDMD als Eintrittspforte für spezifische Inhibitoren dienen können. Diese Wirkstoffe hemmen Enzyme wie Caspase-1 und reduzieren die Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe wie IL-1?. Der Ansatz könnte künftig neue Wege zur Behandlung von Entzündungsschocks eröffnen.

Technologische Fortschritte gibt es ebenfalls: Die im Juli 2026 vorgestellte IBD-Forecast-Studie demonstrierte, dass künstliche Intelligenz mithilfe von Wearable-Daten – etwa Ruheherzfrequenz und Sauerstoffsättigung – Entzündungsschübe bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen bis zu sieben Wochen vor dem Auftreten klinischer Symptome erkennen kann.

Erste therapeutische Hoffnung

Eine allgemeingültige Heilung für Long-COVID oder ME/CFS existiert weiterhin nicht. Doch experimentelle Ansätze zeigen erste Ergebnisse. In kleineren Studien führte der Einsatz von Daratumumab bei sechs von zehn Probanden zu einer deutlichen Besserung. Auch GLP-1-Agonisten werden untersucht: Eine Studie der Universität Hongkong deutet im Tiermodell darauf hin, dass die Wirkstoffe Lungenfibrosen nach COVID-19 reduzieren könnten, indem sie Makrophagen umprogrammieren.

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Hohe Betroffenenzahlen, neue Allianz

Die Relevanz der Forschung ist enorm. Schätzungen der WHO zufolge führen etwa 10 Prozent der Infektionen zu Langzeitfolgen. In Deutschland leiden laut Expertenberichten rund 500.000 Menschen an Long-COVID oder ME/CFS. Zur besseren Koordination haben das Bundesgesundheitsministerium und das Forschungsministerium die „Allianz postinfektiöse Erkrankungen“ ins Leben gerufen. Patienteninitiativen fordern derweil weiterhin eine stärkere Aufmerksamkeit für die oft unzureichende Therapiesituation.

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