Long, COVID

Long COVID bei Kindern: Über 200 Symptome, aber keine Organschäden

05.06.2026 - 10:41:42 | boerse-global.de

Magdeburger Forscher identifizieren Entzündungsprozesse und Stoffwechseldefizite als Schlüsselfaktoren für Long COVID bei jungen Patienten.

Long COVID bei Kindern: Neue Studie zeigt biologische Ursachen
Long - Kinder in einem modern eingerichteten Arztzimmer, einige blicken nachdenklich, mit Fokus auf ihre Gesichter. 05.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine am Freitag in Nature Communications veröffentlichte Studie der Universität Magdeburg liefert nun präzise Einblicke in die biologischen Mechanismen hinter Long COVID bei Kindern und Jugendlichen.

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Mehr als 200 Symptome identifiziert

Die Forscher beobachteten 74 betroffene Kinder und 27 gesunde Probanden über bis zu 3,2 Jahre. Bei rund 20 Prozent der Erkrankten halten die Beschwerden länger als ein Jahr an. Das Symptomspektrum ist mit über 200 identifizierten Merkmalen außergewöhnlich breit.

Eine zentrale Erkenntnis: Schwere organische Schäden an Herz oder Lunge ließen sich bei den untersuchten Kindern nicht nachweisen. Das unterscheidet das Krankheitsbild von anderen schweren Infektionsfolgen.

Entzündung und Stoffwechsel als Schlüssel

Die Studie identifiziert spezifische biologische Subgruppen. Bei Kindern mit vorherigem Kontakt zum Epstein-Barr-Virus (EBV) fanden die Forscher anhaltende Entzündungsreaktionen. Zudem scheinen Vitamin-B1-Spiegel und bestimmte Immunbotenstoffe die individuelle Belastbarkeit zu beeinflussen.

Die Autoren warnen vor pauschalen Behandlungen. Eine flächendeckende Unterdrückung des Immunsystems könne für bestimmte Patientengruppen sogar schädlich sein.

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Therapieforschung mit Rückschlägen

Die klinische Forschung zur Behandlung von Long COVID und dem Chronischen Fatigue-Syndrom (ME/CFS) zeigt ein schwieriges Bild. Mehrere kontrollierte Studien lieferten zuletzt enttäuschende Resultate.

Untersuchungen der Charité zur Immunadsorption zeigten keinen signifikanten Unterschied zur Placebogruppe. Ähnlich negativ verliefen Studien zur Plasmapherese in Spanien sowie NIH-Studien zu Ivabradin und Paxlovid. Eine Kortison-Studie musste wegen Nebenwirkungen vorzeitig abgebrochen werden. Besonders kritisch: In speziellen Rehabilitationsprogrammen verschlechterte sich der Zustand von 40 Prozent der Teilnehmer.

Positive Pilotdaten gibt es immerhin zur hyperbaren Sauerstofftherapie sowie zu den Wirkstoffen Rapamycin und Daratumumab. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat zudem Ivabradin, Agomelatin, Vortioxetin und Metformin auf die Off-Label-Liste gesetzt.

Mehr als nur Long COVID

Parallel zur Long-COVID-Forschung lieferte eine Phase-3-Studie im New England Journal of Medicine wichtige Erkenntnisse zum Kawasaki-Syndrom. Die Gabe von Prednisolon zeigte keinen zusätzlichen Nutzen bei der Vermeidung von koronaren Gefäßläsionen.

In den Fokus rückt zunehmend die psychosoziale Gesundheit. Untersuchungen aus dem Frühjahr legen nahe: Ein hoher Konsum von Obst und Gemüse kann die Stimmung bei Kindern stabilisieren. Die WHO empfahl im Mai, Schulen verstärkt für Ernährungsumstellungen zu nutzen.

Die World Bronchiectasis Conference (WBC 2026) vom 24. bis 27. Juni in Hannover wird sich unter anderem mit chronischen Erkrankungen bei Kindern befassen.

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