London: Erster fahrerloser Bus rollt über die Straßen
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 08:39 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die britische Hauptstadt hat einen wichtigen Schritt in Richtung autonomer Mobilität gewagt. Am Samstag rollte in Barnes der erste fahrerlose Bus über die Straßen Londons.
Der Testlauf markiert einen Meilenstein für die Stadt, die zunehmend auf selbstfahrende Technologien setzt. Das elektrische Fahrzeug des neuseeländischen Herstellers Ohmio legte eine Strecke von der Barnes High Street bis zur Hammersmith Bridge zurück – mit einer Geschwindigkeit von maximal 24 km/h. Die Fahrt fand im autonomen Modus statt, begleitet von Sicherheitspersonal an Bord.
Lösung für ein drängendes Infrastrukturproblem
Die Wahl der Teststrecke ist kein Zufall. Die Hammersmith Bridge ist seit 2019 für den motorisierten Verkehr gesperrt – Gewichtsprobleme machen die historische Brücke zur Herausforderung. Ein normaler Londoner Doppeldecker-Bus wiegt rund 15 Tonnen. Der autonome Elektro-Pod dagegen bringt es auf gerade einmal drei Tonnen.
Genau hier setzt das Projekt an. Die geplante Flotte von zehn Fahrzeugen, für die eine lokale Bürgerinitiative umgerechnet rund 11,5 Millionen Euro veranschlagt, soll vor allem älteren und mobilitätseingeschränkten Anwohnern helfen. Seit der Brückenschließung haben viele von ihnen kaum noch Verbindungen auf die andere Seite der Themse.
Transport for London (TfL) zeigt sich jedoch zurückhaltend. Offiziell gibt es keine konkreten Pläne, fahrerlose Busse ins reguläre Netz zu integrieren. Der Test dient zunächst der Datensammlung.
Waymo drängt auf den Londoner Markt
Während der Bus-Test noch in den Kinderschuhen steckt, bereitet sich ein globaler Player auf den Markteintritt vor. Waymo, die Robotaxi-Tochter von Alphabet, will bereits im September 2026 einen kommerziellen Fahrdienst in London starten. Ein Pilotprojekt lief im April – derzeit werden die Straßen der Hauptstadt kartiert.
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Doch nicht alles läuft reibungslos. Zwischen Mai und Juni meldeten Anwohner im Ost-Londoner Stadtteil Spitalfields wiederholt nächtliche Störungen. Waymo-Testfahrzeuge blieben auf der Elder Street stecken und weckten die Nachbarschaft mit lauten Rückwärts-Warnsignalen. Das Unternehmen entschuldigte sich am 12. Mai und sperrte die betroffenen Straßen aus der Navigationssoftware.
Riesiges wirtschaftliches Potenzial
Trotz solcher Kinderkrankheiten sind die Erwartungen hoch. Daten, die dem Verkehrsausschuss der Londoner Stadtverwaltung vorgelegt wurden, deuten auf eine mögliche Reduzierung von Unfällen um 80 bis 90 Prozent hin – basierend auf US-amerikanischen Vergleichswerten.
Die britische Regierung treibt die gesetzlichen Rahmenbedingungen voran. Für die zweite Jahreshälfte 2026 sind regulatorische Änderungen geplant. Die Prognosen sind ambitioniert: Bis 2035 könnte die autonome Fahrzeugindustrie rund 48 Milliarden Euro zur britischen Wirtschaft beitragen und etwa 40.000 Arbeitsplätze schaffen.
Wissenschaftsministerin Liz Kendall unterstützt die Entwicklung, pocht aber auf heimische Innovationen. Während Waymo mit rund 3.500 Robotaxis weltweit und über 278 Millionen autonom gefahrenen Kilometern die Nase vorn hat, setzt London auch auf britische Start-ups wie Wayve. Das Unternehmen trainiert KI-Systeme, die menschliche Fahrstandards erreichen oder übertreffen sollen – erste Testfahrten fanden bereits im Februar statt.
Europa zieht nach
Die Hammersmith Bridge ist seit Jahren gesperrt – der leichte, autonome Bus (3 Tonnen statt 15) bietet eine Lösung. Kommunen mit ähnlichen Infrastrukturproblemen können von Londons Erfahrungen profitieren. Dieser Report zeigt, wie. Leitfaden jetzt sichern
London ist nicht allein. Am Freitag startete Madrid den ersten autonomen On-Demand-Bus Spaniens auf dem Mercamadrid-Logistikzentrum. Das Elektrofahrzeug nutzt 5G-Konnektivität und wird über eine App gebucht – Teil des EU-Projekts „MOBILITIES FOR EU", das 27 verschiedene Lösungen in neun Ländern testet.
Auch Waymo expandiert weiter. Seit Freitag ist der Dienst in Las Vegas aktiv, weitere Städte wie Denver, San Diego und Tampa folgen. Mit rund 500.000 bezahlten Fahrten pro Woche peilt das Unternehmen bis Ende 2026 die Millionen-Marke an – und bereitet parallel den Sprung nach London und Tokio vor.
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