Lohntransparenz: Deutschland verfehlt EU-Frist zum 7. Juni
08.06.2026 - 09:07:21 | boerse-global.de
Der Erfolg hängt von der Vorbereitung ab – und von der Kenntnis des rechtlichen Rahmens. Denn die Gesetze zur Lohntransparenz in Europa verändern sich grundlegend.
Die erste Zahl setzt den Rahmen
Verhandlungsexperten empfehlen eine dreistufige Vorbereitung. Der wichtigste Punkt: Setze selbst den ersten Preis. Jessica Kreuzer rät, proaktiv die erste Zahl zu nennen. Das definiert den Verhandlungsrahmen.
Ein weiteres Mittel ist die „Champagner-Zahl". Sie liegt zwei bis fünf Prozent über dem Wunschgehalt und dient als Puffer. Gleichzeitig brauchst du ein Walk-Away-Ziel. Diese rote Linie markiert das Mindestgehalt, unter dem du nicht akzeptierst.
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Die Bedeutung zeigt sich in den Zahlen: Laut Beobachtungen aus sozialen Netzwerken können Gehaltsunterschiede bei gleicher Tätigkeit bis zu 20.000 Euro betragen.
Frage nach dem letzten Gehalt: Noch erlaubt?
Die EU-Lohntransparenz-Richtlinie sieht vor, dass die Frage nach dem letzten Gehalt in Bewerbungsgesprächen unzulässig wird. Die offizielle Frist zur Umsetzung lief am 7. Juni 2026 ab. Doch Deutschland hat die Vorgabe bisher nicht in nationales Recht überführt. Die Bundesregierung strebt eine Umsetzung erst für Anfang 2027 an.
Personalexpertin Melanie Trommer warnt: In der Praxis dürfte die Frage vorerst weiter auftauchen. Da die Richtlinie in Deutschland noch nicht bindend ist, müssen Bewerber abwägen. Experten betonen jedoch: Auf unzulässige Fragen besteht keine wahrheitsgemäße Antwortpflicht.
Österreich geht voran
In Österreich liegen bereits konkretere Entwürfe vor. Arbeitsministerin Korinna Schumann plant ein Auskunftsrecht über das Durchschnittsgehalt von Kollegen. Stellenausschreibungen sollen verpflichtend Gehaltsspannen nennen. Schweigeklauseln in Arbeitsverträgen sollen verboten werden. Unternehmen ab 100 Mitarbeitern unterliegen künftig einer regelmäßigen Berichtspflicht.
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Wer verdient wo am meisten?
Die Branchenunterschiede sind enorm. In Österreich führt die IT-Branche mit einem Durchschnittsgehalt von 62.441 Euro. Die Zufriedenheit dort liegt bei 74 Prozent. Im Bankensektor erreichen Männer 62.949 Euro. Frauen verdienen in der IT mit durchschnittlich 52.096 Euro am besten.
Der Gender Pay Gap bleibt ein Problem. In Deutschland liegt er bei 15,6 Prozent – deutlich über dem EU-Durchschnitt von 11,1 Prozent. In Österreich starten Berufseinsteigerinnen mit 40.666 Euro, Männer mit 45.940 Euro. Nach zehn Jahren klafft die Schere weiter auseinander: 54.264 Euro bei Frauen, 65.340 Euro bei Männern. Der Sozialverband warnt vor den Folgen wie Altersarmut.
Gutverdiener zahlen bald mehr
Für Bezieher höherer Einkommen zeichnen sich steigende Abgaben ab. Eine geplante Pflegereform soll Gutverdiener ab 2027 stärker belasten. Die Beitragsbemessungsgrenze in der Pflegeversicherung soll von 69.750 Euro (2026) auf 77.400 Euro (2027) steigen.
Betroffen sind schätzungsweise sechs Millionen Beschäftigte. Die Maßnahme soll ein Defizit von 22,5 Milliarden Euro decken. Für kinderlose Beitragszahler am oberen Ende bedeutet das eine monatliche Belastung von bis zu 277,35 Euro. Parallel wird über die Zukunft des Rentensystems debattiert – Vorschläge zur Einbeziehung von Beamten sind innerhalb der Koalition umstritten.
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