Logistik-Revolution, DHL

Logistik-Revolution: DHL setzt über 8.000 Roboter weltweit ein

03.06.2026 - 19:39:24 | boerse-global.de

DHL integriert über 8.000 Roboter, SAP zeigt autonome Systeme. Humanoide Roboter ab 2028 wirtschaftlich einsetzbar.

Logistik-Revolution: DHL setzt über 8.000 Roboter weltweit ein - Bild: über boerse-global.de
Logistik-Revolution: DHL setzt über 8.000 Roboter weltweit ein - Bild: über boerse-global.de

Führende Unternehmen ersetzen kleine Testläufe durch den breiten Einsatz autonomer Systeme – mit tausenden Robotern, künstlicher Intelligenz und ersten humanoiden Arbeitskräften.

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DHL integriert über 8.000 Roboter weltweit

Der globale Logistikkonzern DHL hat die Schwelle zur Massenautomatisierung längst überschritten. Mehr als 8.000 robotische Systeme sind bereits im Einsatz. CIO Sally Miller sieht darin den Schlüssel, um Kosten zu senken und die Abhängigkeit von schwankenden Personalzahlen zu reduzieren. Gleichzeitig räumt sie ein, dass traditionelle Arbeitsplätze wegfallen.

Die Strategie setzt auf drei Hauptpartner: Locus Robotics, Boston Dynamics und Robust AI. Finanziell läuft es solide: Die DHL Group verzeichnete im ersten Quartal 2026 ein Umsatzplus von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Ein klares Zeichen für die strategicische Bedeutung der Digitalisierung: Im Juni 2026 übernahm Sabine Mueller den Posten als CEO von DHL Data & AI. Sie führt künftig eine Belegschaft, die sie selbst als Mischung aus menschlichen und virtuellen Mitarbeitern beschreibt. Bereits 2024 hatte der Konzern generative KI-Anwendungen konzernweit ausgerollt, 2025 folgten KI-Agenten zur automatisierten Kommunikation.

SAP zeigt, wie Logistik 4.0 funktioniert

Auch der deutsche Software-Riese SAP treibt die Entwicklung voran. In St. Leon-Rot betreibt das Unternehmen ein eigenes Logistikzentrum als Referenzanlage. Dort erledigen autonome, KI-gestützte Roboter Aufgaben wie das Falten von Kartons und die Bearbeitung von Sendungen. Die Steuerung erfolgt über eine cloud-native Logistikplattform und die SAP Business Technology Platform.

Humanoide Roboter: Pilotprojekt in Duisburg

Während fahrerlose Transportsysteme in Lagern bereits Alltag sind, betritt die Branche mit humanoiden Robotern Neuland. Ein Pilotprojekt im Vodafone-Lager in Duisburg testet seit dem Frühjahr 2026 genau diese Technologie. Die Roboter führen eigenständige visuelle Inspektionen durch, erkennen Sicherheitsrisiken und melden ihre Ergebnisse direkt in das SAP-System.

Entwickelt wurde das System gemeinsam mit Accenture und SAP. Vorgestellt wurde es auf der Hannover Messe 2026 – und stieß dort auf großes Interesse.

Forscher prognostizieren einen schnellen Markthochlauf. Auf der ICRA-Konferenz in Wien im Juni 2026 präsentierten Wissenschaftler Berechnungen, wonach humanoide Roboter ab 2028 wirtschaftlich breit einsetzbar sein könnten. Die Unternehmensberatung Roland Berger geht sogar noch weiter: Bis 2035 könnten weltweit bis zu 50 Millionen dieser Maschinen im Einsatz sein.

Aktuell kostet ein humanoider Roboter rund 100.000 Euro. Die Industrie peilt jedoch Preise zwischen 20.000 und 30.000 Euro an – bei Betriebskosten von umgerechnet etwa zwei Euro pro Stunde.

Rhenus setzt auf autonome Gabelstapler

Die Praxis zeigt jedoch auch die Grenzen der Automatisierung. Beim Logistikdienstleister Rhenus Warehousing Solutions in Neu Wulmstorf sind seit Juni 2026 insgesamt 15 autonome Gabelstapler im Einsatz. Sie arbeiten rund 22 Stunden täglich und navigieren ohne Bodenmarkierungen.

Der Haken: Die AGVs sind langsamer als menschliche Fahrer und benötigen Personal für Wartung und Fehlerbehebung. Immerhin: Zu Entlassungen kam es nach der Einführung nicht.

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China testet humanoide Roboter im Massengeschäft

Welche Dimensionen die Automatisierung annehmen kann, zeigt ein Blick nach China. Im Jianggao-Zentrum der China Post Group – das täglich durchschnittlich 6,5 Millionen Sendungen verarbeitet – sortieren humanoide Roboter mittlerweile 1.200 Pakete pro Stunde. Bei Spitzenbelastungen von über zehn Millionen Sendungen arbeiten sie Seite an Seite mit herkömmlichen Roboterarmen und Förderbändern.

Software wird zum entscheidenden Faktor

Mit der wachsenden Zahl von Robotern steigt auch die Komplexität der Steuerung. Experten des Unternehmens Dualis warnen: Herkömmliche Planungsmethoden reichen für moderne Robotersysteme nicht mehr aus. Stattdessen empfehlen sie 3D-Simulationsplattformen, um Durchsatz und Engpässe vor dem realen Einsatz zu analysieren.

Auch die Forschung liefert neue Werkzeuge. Forscher des MIT und der University of Pennsylvania haben einen quelloffenen Bewegungsplaner namens MIGHTY veröffentlicht. In Tests verkürzte das System die Berechnungszeit um 9,3 Prozent und die Fahrzeit autonomer Drohnen und Roboter um 13,1 Prozent.

Neue Ökosysteme für den Mittelstand

Die Hardware-Hersteller reagieren auf die wachsende Nachfrage. Delta Electronics hat seinen D-Bot-Verbund um Partner wie Di-soric und Piab erweitert, die Sensoren und Vakuum-Greifsysteme beisteuern. Der deutsche Hersteller igus bringt mit dem Iggy Rob Home einen Serviceroboter ab 55.000 Euro auf den Markt – ausgestattet mit 16 Freiheitsgraden für Forschung und Service.

Investitionsklima: Zwischen Euphorie und Zurückhaltung

Trotz aller Fortschritte bleibt die Stimmung in der Branche gespalten. Das Management von SSI Schäfer beobachtet eine verhaltene Haltung bei neuen Automatisierungsprojekten. Viele Unternehmen zögern mit Investitionen – obwohl der Druck zur Automatisierung stetig wächst.

Gleichzeitig fließt massiv Kapital in die Branche. Laut McKinsey haben sich die Venture-Capital-Investitionen in Robotik-Startups zwischen 2023 und 2025 verdreifacht. Weltweit werden jährlich rund 40,7 Milliarden US-Dollar in die nächste Generation der Logistiktechnologie investiert. Die Frage ist nur: Wer traut sich als Erster, den Schritt in die Massenautomatisierung zu wagen?

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