Logistik-Automatisierung: 120% mehr Durchsatz durch 123 Roboter
19.06.2026 - 05:41:15 | boerse-global.de
Unternehmen in der Fertigung, Logistik und im Energiemanagement setzen zunehmend auf integrierte Architekturen, um Prozesse zu optimieren. Die Experimentierphase ist endgültig vorbei.
Der massive Ausbau von KI-Systemen in der Industrie bringt nicht nur Effizienzsprünge, sondern auch neue rechtliche Pflichten durch den EU AI Act mit sich. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Unternehmen einen kompakten Überblick über Risikoklassen, Fristen und Dokumentationspflichten. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Fertigung: Weniger Ausfälle, mehr Durchsatz
KI-Technologien führen in der industriellen Fertigung zu messbaren Produktivitätssteigerungen. Ein aktuelles White Paper von Rockwell Automation und dem Center for Automotive Research (CAR) zeigt: Maschinelles Lernen und Automatisierung können ungeplante Ausfallzeiten in der Automobilbranche um bis zu 50 Prozent reduzieren. Die Gesamtanlageneffektivität steigt um etwa 5 Prozent, der Mehrdurchsatz liegt zwischen 5 und 7 Prozent.
Um diese Potenziale zu heben, gewinnen Edge-to-Cloud-Architekturen an Bedeutung. Rockwell Automation stellte Mitte Juni mit FactoryTalk ResilientEdge eine Struktur vor, die Edge-Ausführung mit Cloud-Funktionen verbindet. Ziel ist der kontinuierliche Betrieb auch bei Verbindungsausfällen.
Parallel dazu kündigten Siemens und Databricks am 17. Juni eine Kooperation an. Sie streamen Produktionsdaten direkt von der Feldebene in Analyse-Plattformen. Dieser geschlossene Kreislauf ermöglicht das Training zentraler KI-Modelle in der Cloud und deren Echtzeit-Ausführung an der Maschine.
Logistik: 120 Prozent mehr Durchsatz durch Roboter
In der Logistikbranche führen Automatisierungslösungen zu signifikanten Kapazitätssprüngen. Ein aktueller Bericht über ein Projekt von DHL und Makro in Spanien belegt eine Steigerung des Durchsatzes um 120 Prozent. Durch den Einsatz von 123 Robotern der LocusONE-Plattform stieg die Produktivität von 50 auf 110 Positionen pro Stunde. Manuelle Sortierschritte entfallen vollständig.
Auch in der Steuerung komplexer Lieferketten kommen verstärkt KI-Lösungen zum Einsatz. Mercedes-Benz nutzt eine Process-Intelligence-Plattform, um die Liefertreue zu verbessern und Entscheidungsprozesse zu beschleunigen. Die Systeme prognostizieren Lieferzeiten und optimieren die Produktionsreihenfolge.
Das Softwareunternehmen Cognite präsentierte am 17. Juni ein Angebot zur Schließung der Datenlücke zwischen Produktion und Lieferkette. KI-Agenten sollen die Dauer von Ursachenanalysen massiv verkürzen.
Mit der zunehmenden Vernetzung von Produktion und Lieferkette wachsen auch die Anforderungen an die IT-Sicherheit und den rechtlichen Rahmen. Welche neuen KI-Gesetze und Cyberrisiken Ihr Unternehmen jetzt kennen muss, erfahren Sie in diesem kostenlosen Experten-Report. Neue KI-Gesetze, neue Cyberrisiken: Was kommt wirklich auf Ihr Unternehmen zu?
Energiemanagement: Kosten runter, Effizienz rauf
Die Steuerung industrieller Energieverbräuche entwickelt sich zu einem zentralen Hebel für Kostensenkungen. In der Lebensmittelproduktion führte der Einsatz einer KI-Plattform bei der Polat Dönerproduktion zu einer Senkung der Energiekosten um 12 Prozent und der CO2-Emissionen um 10 Prozent. An einzelnen Assets wie Blockheizkraftwerken waren zeitweise Einsparungen von bis zu 56 Prozent möglich.
Ähnliche Ansätze verfolgt die Software flexOn. Durch die automatisierte Verschiebung von Verbräuchen in Niedrigpreis-Zeiten sollen Stromkosten um bis zu 20 Prozent sinken. In der Hardware-Entwicklung integriert Emerson KI-beschleunigte Module in Industrie-PCs. Sie ermöglichen Echtzeit-Analysen zur Optimierung von Druckluft- und Energieverbräuchen direkt am Einsatzort.
Infrastruktur: Milliarden-Förderung und neue Standards
Der Ausbau der technologischen Basis wird durch Kooperationen und staatliche Förderungen vorangetrieben. In Sachsen führt Infineon Dresden ein Konsortium an, das bis Mitte 2028 Supercomputing-Methoden für das Halbleiter-Design und die Fertigung erschließen soll. Das Projekt wird mit 12,7 Millionen Euro aus EU-Mitteln gefördert.
Auf der Softwareseite integriert CODESYS das Model Context Protocol. Damit können KI-Systeme Entwicklungssysteme direkt steuern. Die automatisierte Code-Generierung und Fehlersuche in speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS) rückt näher. Ein entsprechendes Produkt wird für das Frühjahr 2026 erwartet.
Dass datengetriebene Ansätze auch außerhalb der klassischen Industrie Wirkung zeigen, belegt die Fitnesskette all inclusive Fitness. Das Unternehmen nutzt eine Datenplattform auf Basis von Azure Databricks und setzt KI zur Churn-Prognose und Vertriebspriorisierung für rund 712.000 Mitglieder ein.
