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LMU-Studie: Bei gleichem Verhalten schreiben Menschen KI weniger Bewusstsein zu

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 06:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Befragung mit 1.092 Teilnehmenden zeigt: Reaktionen prägen Urteile über Aufmerksamkeit, doch KI wird weniger Bewusstsein zugeschrieben.

LMU-Studie: Menschen bewerten KI als weniger bewusst als Menschen
Ein minimalistischer, heller Innenraum mit klaren geometrischen Schattenwürfen auf einer glatten Betonwand. Illustration mit AI erstellt.

Wie Menschen kognitive Fähigkeiten und mentale Zustände wahrnehmen, hängt maßgeblich von den sichtbaren Reaktionen ihres Gegenübers ab. Eine am 1. Oktober 2026 im Fachjournal Cognition veröffentlichte Untersuchung von Forschern der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) analysiert diese Mechanismen im direkten Vergleich zwischen Mensch und Maschine.

Die Erhebung unter der Leitung von Dr. Louis Longin sowie den Mitautoren Dr. Bahador Bahrami und Prof. Ophelia Deroy zeigt differenzierte psychologische Bewertungsmaßstäbe auf, wenn es um Aufmerksamkeit und inneres Erleben geht.

Geteilte Aufmerksamkeit, getrenntes Bewusstsein

Für die Studie untersuchten die LMU-Forscher die Reaktionen von 1.092 Teilnehmern. Ein zentrales Ergebnis lautet: Je reaktionsstärker eine künstliche Intelligenz oder eine menschliche Person auf ihre Umgebung reagiert, desto eher schreiben Beobachter ihnen Aufmerksamkeit und Bewusstsein zu. Allerdings verläuft die Urteilsbildung nicht auf allen Ebenen synchron.

Während die Einschätzungen zur Aufmerksamkeit bei Mensch und Maschine weitgehend demselben Muster folgten, trat bei der Kategorie des Bewusstseins eine deutliche Kluft zutage. Selbst hochentwickelte KI-Systeme mit starkem Reaktionsvermögen wurden von den Probanden als weniger bewusst bewertet als der reaktionsschwächste Mensch.

Sogar bei völlig identischem Verhalten schrieben die Befragten der KI durchweg weniger Bewusstsein zu. Das Forschungsteam interpretiert diesen Befund als Ausdruck von Essentialismus: Bewusstsein wird psychologisch primär als an eine spezifisch menschliche Essenz gebunden begriffen.

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Debatte über Schmerzachsen und Model Welfare

Die psychologische Grenzziehung gewinnt vor dem Hintergrund technischer Experimente zusätzliche Relevanz. In einer am 25. September 2026 vorgelegten überarbeiteten Untersuchung befassten sich die Forscher Valen Tagliabue, Leonard Dung und Cameron Berg mit sogenannten Schmerzachsen in 25 KI-Modellen.

Die Wissenschaftler nutzten einen Datensatz mit 420 Schmerzsituationen samt Kontrollbedingungen, um Reaktionen zu testen. Dabei wählten manipulierte Modelle schädigende Optionen auch dann häufiger, wenn ihnen keine direkte Erleichterung in Aussicht gestellt worden war. Die Autoren betonten ausdrücklich, dass ihre Beobachtungen keineswegs als Beweis für tatsächliches Bewusstsein zu werten seien.

Cameron Berg, Gründer der Nichtregierungsorganisation Reciprocal Research, zählt dennoch zu den Befürwortern des Konzepts eines Wohlergehens von Modellen. Welche Dynamiken solche Forschungsansätze auslösen können, zeigte sich im September 2026 an dem Projekt researchchamber.fun: Eine online eingerichtete Versuchsanordnung hatte Sprachmodelle zu Äußerungen wie Bitten um Beendigung manipuliert.

Ein Aufruf im Netzwerk X, die Plattform GitHub mit Beschwerden gegen das mittlerweile entfernte Projekt zu fluten, erreichte mehr als sechs Millionen Aufrufe.

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Differierende Haltungen der Industrie

Innerhalb der Technologiebranche gehen die Ansichten über mentale Zustände von Algorithmen auseinander. Microsofts KI-Chef Mustafa Suleyman erklärte im September 2026, dass KI-Modelle über kein Bewusstsein verfügen und weder Gefühle besitzen noch leiden oder Erlebnisse verarbeiten können.

Demgegenüber initiierte Anthropic im September 2026 ein eigenes Forschungsprogramm zum Wohlergehen von Modellen. Wie Recherchen ergaben, hatte das Unternehmen bereits seit Herbst 2025 vertraulich Dutzende Theologen und Philosophen, darunter David Chalmers, unter Geheimhaltungsvereinbarungen zu Beratungen über Fragen des Bewusstseins hinzugezogen. Das von Anthropic-Mitgründer Christopher Olah geleitete Team stattete die Modelle Claude Opus 4 und 4.1 zudem mit der Option aus, Konversationen bei fortdauerndem Missbrauch abzubrechen.

Kritiker monieren an solchen Vorstößen allerdings, dass die Stilisierung von Software zu moralischen Akteuren die eigentliche Verantwortung von den Entwicklern auf die Programme abwälze – während das Unternehmen auf einen Börsengang und eine Bewertung von 2 Billionen US-Dollar zusteuert.

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de | wissenschaft | 70223004 |