Lloyds, Milliarden

Lloyds verdient 6,7 Milliarden – schließt gleichzeitig 218 Filialen

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

In Großbritannien verschärft der Filialabbau die Versorgungslage auf dem Land. Banking Hubs sollen fehlende Standorte teilweise ersetzen.

Britische Landregionen verlieren Bankfilialen trotz hoher Lloyds-Gewinne
Eine menschenleere, ruhige Dorfstraße in einer ländlichen Region Englands bei nebligem Morgenlicht. Illustration mit AI erstellt.

In einer aktuellen Parlamentsdebatte haben britische Abgeordnete die weitreichenden Schließungen von Bankfilialen in ländlichen Regionen thematisiert. Die von der Abgeordneten Caroline Voaden angeführte Diskussion konzentrierte sich insbesondere auf die Situation in South Devon, wo der Rückzug der Kreditinstitute die lokale Infrastruktur erheblich unter Druck setzt.

Massive Einschnitte in der ländlichen Versorgung

Die statistische Auswertung der Filialnetze verdeutlicht das Ausmaß des Rückzugs: In der Debatte wurde angeführt, dass 64 % der im Januar 2015 noch existierenden Bankfilialen inzwischen geschlossen wurden. Für die Bewohner ländlicher Gebiete hat dies drastische Folgen.

Rund 86 % der dort lebenden Menschen waren von der Schließung ihrer nächstgelegenen Filiale betroffen. Im Wahlkreis South Devon, der eine Fläche von 450 Quadratmeilen umfasst, existiert mittlerweile nur noch eine einzige Bankfiliale.

Auch in Ost-Devon ist die Lage angespannt. Daten der Finanzaufsichtsbehörde FCA belegen, dass dort weniger als 15 % der ländlichen Bevölkerung im Umkreis von einer Meile Zugang zu einer Filiale haben.

Der Abgeordnete Richard Foord kritisierte diese Entwicklung in einer Debatte Anfang September scharf und zog Vergleiche zu einem Raubzug an der ländlichen Infrastruktur. Er verwies auf den Ort Honiton, der mit der für den 16. März 2027 angekündigten Schließung der Lloyds-Niederlassung seine letzte verbliebene Bank verlieren wird. Zuvor hatten dort bereits Santander im Juli 2025 und NatWest im Oktober 2025 ihre Standorte aufgegeben.

Milliardengewinne bei gleichzeitigem Filialabbau

Im Zentrum der Kritik steht insbesondere die Lloyds Banking Group. Das Institut erzielte im vergangenen Jahr einen Vorsteuergewinn von 6,7 Milliarden Pfund Sterling. Trotz dieser soliden Ertragslage setzte die Bank ihren Sparkurs fort und schloss im vergangenen Jahr 218 Filialen.

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Weitere 95 Schließungen wurden bereits angekündigt. Neben Honiton ist auch Stamford betroffen, wo Lloyds am 13. Oktober 2026 den Betrieb einstellt, gefolgt von Barclays Local am 16. Oktober 2026.

Als Reaktion auf den Wegfall stationärer Angebote werden verstärkt sogenannte „Banking Hubs“ diskutiert. In Stamford wurde durch Cash Access UK und die Post Office ein solcher Hub im Stamford Arts Centre eröffnet.

Das Modell sieht vor, dass verschiedene Banken an festen Wochentagen Dienstleistungen anbieten: montags Barclays, dienstags NatWest, mittwochs Lloyds, Halifax und die Bank of Scotland sowie donnerstags HSBC. Diese Lösung ist jedoch vorerst auf zwölf Monate befristet. Für Honiton wurde ebenfalls die Einrichtung eines solchen Hubs empfohlen, dessen Eröffnung für Februar 2027 erwartet wird.

Globaler Trend zur Digitalisierung und verändertes Kundenverhalten

Der Rückzug aus der Fläche spiegelt einen weltweiten Trend zur Digitalisierung wider, der jedoch nicht überall auf uneingeschränkte Zustimmung trifft. Laut einer Untersuchung von Temenos und Celent sind 75 % der US-Verbraucher nur mäßig mit ihrer Hauptbank zufrieden. Rund 46 % der Banken identifizierten veraltete Systeme als Barriere für notwendige Innovationen.

Gleichzeitig sinkt die Bedeutung von Bargeld rapide. Daten des Zahlungssystems Link zeigen, dass die täglichen Bargeldabhebungen im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2019 um 119 Millionen Pfund Sterling zurückgegangen sind. In Städten wie Bristol oder London betrug der Rückgang über 70 %. Dennoch nutzen laut Link weiterhin etwa 1,4 Millionen Erwachsene in Großbritannien primär Bargeld.

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International zeigen sich unterschiedliche Strategien im Umgang mit dem technologischen Wandel. Während die TD Bank in den USA bis 2028 die Eröffnung von 100 neuen Filialen plant, setzen Institute wie die FirstBank in Nigeria oder die Raiz Federal Credit Union massiv auf digitale Beschleunigung.

In Nigeria übersteigen digitale Kreditauszahlungen bereits eine Milliarde Naira täglich. Die Raiz Federal Credit Union konnte durch eine neue Plattform die Zeit für Kontoeröffnungen von 35 bis 45 Minuten auf unter zehn Minuten senken, woraufhin alle neun Filialen auf einen rein digitalen Betrieb ohne klassisches Schalterpersonal umgestellt wurden.

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