Lithium, MCI

Lithium gegen MCI: Gedächtnisverlust um 48% verlangsamt

Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 05:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Pittsburgher Pilotstudie beobachtete langsameren Sprachgedächtnisverlust unter Lithium, doch die sechs Hauptziele verfehlten statistische Signifikanz.

Niedrig dosiertes Lithium bremst Gedächtnisabbau in Pilotstudie
Laborausstattung mit Glasgefäßen auf einer weißen Oberfläche in einer hellen, minimalistischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Suche nach wirksamen Therapien gegen den kognitiven Verfall im Alter bleibt eine zentrale Herausforderung der medizinischen Forschung. In diesem Zusammenhang lieferte eine Untersuchung der Universität Pittsburgh, deren Ergebnisse im Frühjahr 2026 im Fachjournal JAMA Neurology veröffentlicht wurden, neue Einblicke in die Wirkung von niedrig dosiertem Lithium.

Die durchgeführte Pilotstudie konzentrierte sich auf Patienten über 60 Jahre, die an einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (Mild Cognitive Impairment, MCI) leiden.

Studiendesign und methodischer Rahmen

Die wissenschaftliche Untersuchung war als randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Pilotstudie konzipiert. Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich über insgesamt sechs Jahre, von 2018 bis 2024, wobei die Teilnehmer in einem zweijährigen Follow-up-Zeitraum intensiv begleitet wurden.

Insgesamt wurden 83 Personen für die Studie randomisiert. Von diesen erhielten 41 Probanden eine niedrige Dosis Lithium oral, während die Kontrollgruppe aus 39 Personen bestand, denen ein Placebo verabreicht wurde. Das Durchschnittsalter der Senioren lag bei 72 Jahren.

Ziel der Forscher war es, die Sicherheit und Verträglichkeit von Lithium in geringer Dosierung sowie dessen Einfluss auf den Verlauf von Gedächtnisleistungen zu evaluieren. Dabei wurden sechs gemeinsam primäre Endpunkte definiert, um die Wirksamkeit umfassend zu bewerten.

Ergebnisse zur Gedächtnisleistung und Hirnstruktur

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung betrifft die Entwicklung des Sprachgedächtnisses. In der Lithium-Gruppe wurde ein jährlicher Rückgang der Gedächtnisleistung von 0,73 Punkten verzeichnet. Im Gegensatz dazu lag dieser Wert in der Placebo-Gruppe bei 1,42 Punkten pro Jahr. Damit verlangsamte das niedrig dosierte Lithium den Rückgang des Sprachgedächtnisses gegenüber dem Placebo-Präparat rechnerisch deutlich.

Trotz dieser Beobachtung erreichte keiner der sechs primären Endpunkte eine statistische Signifikanz. Das bedeutet, dass die Ergebnisse zwar einen Trend aufzeigen, jedoch nach strengen wissenschaftlichen Maßstäben nicht als zweifelsfrei belegt gelten können.

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In Bezug auf die physische Struktur des Gehirns stellten die Wissenschaftler fest, dass sowohl das Hippocampusvolumen als auch das kortikale Volumen in beiden untersuchten Gruppen über den Zeitraum abnahm. Ein statistisch signifikanter Gesamtunterschied zwischen der Lithium- und der Placebo-Gruppe konnte hier nicht festgestellt werden.

Sicherheitsprofil und spezifische Patientengruppen

Hinsichtlich der Sicherheit wurde das niedrig dosierte Lithium als sicher und gut verträglich eingestuft. Die Auswertung der unerwünschten Ereignisse ergab jedoch eine Differenz zwischen den Gruppen: In der Lithium-Gruppe traten bei 29 % der Teilnehmer schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auf, während dieser Anteil in der Placebo-Gruppe bei 23 % lag. Bemerkenswert ist zudem, dass innerhalb der Placebo-Gruppe ein Todesfall verzeichnet wurde.

Eine zusätzliche explorative Analyse lieferte differenzierte Erkenntnisse für spezifische Patientengruppen. Demnach zeigte sich ein größerer Schutzeffekt bei Teilnehmern, die positiv auf Beta-Amyloid getestet wurden.

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Beta-Amyloid-Ablagerungen gelten als ein charakteristisches Merkmal für die Entwicklung von Alzheimer-Erkrankungen. Bei Probanden mit hohen Beta-Amyloid-Werten schien das Lithium eine stärkere Wirkung hinsichtlich des Erhalts der kognitiven Fähigkeiten zu entfalten.

Einordnung und weitere Forschungsplanung

Die Ergebnisse der Universität Pittsburgh deuten darauf hin, dass niedrig dosiertes Lithium ein potenzieller Kandidat für die Behandlung von MCI-Patienten sein könnte, insbesondere wenn eine Amyloid-Belastung vorliegt. Da es sich jedoch um eine Pilotstudie mit einer begrenzten Teilnehmerzahl handelte und die primären Endpunkte keine statistische Signifikanz erreichten, ist die Aussagekraft der aktuellen Daten begrenzt.

Die beteiligten Forscher planen aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse bereits eine größere Folgestudie, um die beobachteten Effekte zu validieren und die statistische Basis zu verbreitern. Die Veröffentlichung in JAMA Neurology unterstreicht die Relevanz des Themen für die Gerontopsychiatrie und die Altersmedizin, wobei die endgültige Bestätigung der Wirksamkeit noch aussteht.

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