Lipoprotein(a): Schlaganfallrisiko um 64% erhöht bei hohen Werten
Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 09:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen die Bedeutung einer kombinierten Betrachtung verschiedener Blutwerte zur Vorhersage von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Zentrum der Forschung stehen dabei insbesondere der TyG-Index, das hochsensitive C-reaktive Protein (hs-CRP) und Lipoprotein(a). Neue Daten weisen darauf hin, dass die gleichzeitige Erhöhung dieser Marker das Risiko für schwerwiegende Ereignisse signifikant steigert.
Risikopotenzial durch Biomarker-Kombinationen
In einer umfangreichen Analyse der UK Biobank, die am 14. August 2026 in der Fachzeitschrift Frontiers in Endocrinology veröffentlicht wurde, untersuchten Forscher die Daten von 320.506 Probanden. Über einen Beobachtungszeitraum von median 13,88 Jahren traten 32.743 kardiovaskuläre Ereignisse auf.
Die Ergebnisse zeigen, dass eine Kombination aus erhöhtem TyG-Index, hs-CRP und Lipoprotein(a) (Lp(a)) mit einem deutlich gesteigerten Risiko verbunden ist. Im Vergleich zu Personen ohne erhöhte Werte wiesen jene mit drei erhöhten Biomarkern eine Hazard Ratio von 1,90 auf.
Die Studie differenzierte zudem nach der Anzahl der auffälligen Parameter: Bei einem erhöhten Biomarker lag die Hazard Ratio bei 1,18, bei zwei Werten bei 1,48 und bei drei Werten bei 1,85. Bei der isolierten Betrachtung der Einzelmarker ergaben sich für den TyG-Index ein Wert von 1,32, für hs-CRP von 1,36 und für Lp(a) von 1,23. Trotz dieser signifikanten Korrelationen verbesserte sich die statistische Vorhersagekraft (C-Statistik) durch die Hinzunahme der Marker nur geringfügig von 0,712 auf 0,717.
Lipoprotein(a) als unabhängiger Risikofaktor
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Parallel dazu lieferte die SCAI 2026-Studie, die ebenfalls Mitte August 2026 thematisiert wurde, weitere Erkenntnisse zur Bedeutung von Lipoprotein(a). Auf Basis von 20.070 Patienten aus den Studien ACCORD, PEACE und SPRINT wurde festgestellt, dass ein Lp(a)-Wert von mindestens 175 nmol/l mit einem um 31 % höheren Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse einhergeht.
Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang beim Schlaganfallrisiko, das um 64 % erhöht war, sowie beim Risiko für einen kardiovaskulären Tod mit einem Anstieg um 49 %. Ein signifikanter Anstieg bei Herzinfarkten wurde in dieser spezifischen Untersuchung hingegen nicht beobachtet. Bei Patienten mit bereits bestehender Herzerkrankung erhöhte ein entsprechend hoher Lp(a)-Wert das Risiko um 30 %.
Lp(a) gilt als genetisch bedingt und ist durch Lebensstil oder Ernährung kaum beeinflussbar. Schätzungen zufolge weisen etwa 20 % bis 30 % der Weltbevölkerung erhöhte Werte auf.
Fachleute definieren einen Normalwert bei unter 30 mg/dl oder 75 nmol/l. Ein moderates Risiko besteht zwischen 30 und 50 mg/dl (75 bis 105 nmol/l), während Werte ab 180 mg/dl oder 430 nmol/l als sehr hohes Risiko eingestuft werden.
Leitlinien und Empfehlungen zur Diagnostik
In der medizinischen Praxis bleibt das LDL-Cholesterin weiterhin der wichtigste Parameter bei der Behandlung der koronaren Herzkrankheit (KHK). Ein Kardiologe des AKH Viersen betonte im August 2026, dass für die Akutdiagnostik von Herzinfarkten und Herzschwäche zudem Troponin T und nt-proBNP essenziell seien.
Der Österreichische Lipidkonsensus 2026 empfiehlt, den Lp(a)-Wert mindestens einmal im Leben zu bestimmen, idealerweise bereits im Alter zwischen 18 und 20 Jahren. Dies ist besonders relevant, da laut dem Konsensus nur etwa 17 % der Österreicher die verfügbaren Vorsorgeuntersuchungen nutzen.
Berechnungen verdeutlichen das Präventionspotenzial: Durch die Testung von 10.000 Personen könnten statistisch 60 Herzinfarkte, 13 Schlaganfälle und 26 Todesfälle verhindert werden. Die Kosten für einen Lp(a)-Test liegen in der Regel unter 25 Euro; bei familiärer Vorbelastung übernehmen Krankenkassen häufig die Kosten.
Auch für Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen gibt es neue Orientierungshilfen. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) veröffentlichte Mitte August 2026 eine S3-Leitlinie (AWMF 060-010) zu kardiovaskulären Komorbiditäten. Da in Deutschland etwa 1,8 Millionen Menschen betroffen sind, empfiehlt die Leitlinie eine Risikobewertung alle fünf Jahre, bei Hochrisikopatienten sogar jährlich.
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Therapeutische Entwicklungen und Ausblick
Während herkömmliche Statine, Ezetimib oder Diäten den Lp(a)-Spiegel nicht senken können, zeigen moderne Lipidsenker wie PCSK9-Hemmer (darunter Alirocumab, Evolocumab und Inclisiran) eine Reduktion des Lp(a)-Wertes um etwa 20 % bis 25 %. In extremen Fällen stellt die Lipoprotein-Apherese die einzige derzeit zugelassene Behandlungsmethode dar.
Die Forschung konzentriert sich aktuell auf neue Therapieformen wie siRNA-Präparate (Olpasiran, Lepodisiran) und Antisense-Oligonukleotide (Pelacarsen). Diese Wirkstoffe befinden sich teilweise in der klinischen Prüfung der Phase III und konnten in ersten Studien Senkungen des Lp(a)-Spiegels um 80 % bis 95 % erzielen.
Ergebnisse aus großen Outcome-Studien wie der Lp(a)HORIZON-Studie mit 8.323 Patienten stehen jedoch noch aus. Ein weiterer Forschungsansatz, der in der Fachzeitschrift Signal Transduction and Targeted Therapy beschrieben wurde, befasst sich mit der Reduktion des GPVI-Rezeptors, um vor Thrombosen zu schützen, ohne das Blutungsrisiko zu erhöhen.
