Lipfendra, Cholesterin-Hemmer

Lipfendra: Neuer Cholesterin-Hemmer senkt LDL in 24 Wochen um bis zu 59 Prozent

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die VAE genehmigen Mercks oral einzunehmenden PCSK9-Hemmer; Studien berichten über eine LDL-Senkung von 56 bis 59 Prozent.

Merck: Lipfendra in den Vereinigten Arabischen Emiraten zugelassen
Moderne wissenschaftliche Laborausstattung auf einem sauberen Labortisch bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Genehmigung des Cholesterin-Medikaments Lipfendra durch das Emirates Drug Establishment (EDE) in den Vereinigten Arabischen Emiraten rückt moderne medikamentöse Ansätze in den Fokus der kardiovaskulären Prävention.

Lipfendra wird einmal täglich oral eingenommen, um den LDL-Cholesterinspiegel zu senken. Die Behörden betonen, dass das Präparat begleitend zu einer ausgewogenen Ernährung sowie regelmäßiger Bewegung eingesetzt werden soll und keinen Ersatz für eine gesunde Lebensweise darstellt.

Zulassung und Wirkmechanismus des ersten oralen PCSK9-Hemmers

Mit der Entscheidung der EDE sind die Vereinigten Arabischen Emirate nach den USA das zweite Land, das Lipfendra zulässt. In den VAE sind laut Berichten nahezu 30 Prozent der Erwachsenen als adipös eingestuft. Das Zulassungsverfahren reiht sich in eine Strategie beschleunigter Prüfverfahren ein, wie sie auch Länder wie Singapur, Brasilien und Saudi-Arabien nutzen. Die Phase-3-Studien zu dem Medikament sind derzeit noch unveröffentlicht.

In den USA erteilte die Food and Drug Administration (FDA) dem US-Pharmakonzern Merck die Genehmigung für Lipfendra mit dem Wirkstoff Enlicitide. Es handelt sich um den ersten oralen PCSK9-Hemmer zur Behandlung hoher Cholesterinwerte.

Anders als traditionelle orale Statine, die ein Leberenzym blockieren, setzt Lipfendra direkt am PCSK9-Protein an. Die US-Zulassung stützt sich auf zwei späte Studienphasen, in denen eine signifikante LDL-Senkung nachgewiesen wurde – auch bei familiärer Hypercholesterinämie sowie bei Patienten, die bereits Statine einnehmen.

Klinische Untersuchungen zeigen über einen Zeitraum von 24 Wochen eine Verringerung des LDL-Werts um 56 bis 59 Prozent, was mit den Ergebnissen etablierter Injektionspräparate vergleichbar ist.

Wirtschaftlich gewinnt das Präparat für Merck erhebliche Bedeutung: Angesichts des für 2028 anstehenden Patentablaufs des Krebsmedikaments Keytruda diversifiziert der Konzern sein Portfolio. Scotiabank-Analystin Louise Chen erwartet für Lipfendra Spitzenumsätze in zweistelliger Milliarden-Dollar-Höhe. Am Markt tritt das Mittel gegen etablierte, injizierbare PCSK9-Hemmer wie Repatha von Amgen sowie Praluent von Sanofi und Regeneron an.

Medizinische Einordnung und globale Verfügbarkeit

Fachleute bewerten die neue Darreichungsform als relevante Behandlungsalternative. Dr. Ambuj Roy, Professor für Kardiologie am AIIMS in Neu-Delhi, verweist darauf, dass die orale Therapie das LDL-Cholesterin um etwa 50 bis 60 Prozent senkt und eine Option für Patientinnen und Patienten darstelle, die Injektionen vermeiden möchten.

Eine Erstlinien-Therapie werde das Präparat nach seiner Einschätzung jedoch voraussichtlich nicht. In Indien ist mit einer schnellen Markteinführung nicht zu rechnen; Dr. Subhash Mandal von der Indian Pharmaceutical Association fordert vor einer Zulassung eigene klinische Studien nach indischen Vorschriften.

Kardiologische Experten raten im Rahmen der kardiovaskulären Risikobeurteilung dazu, den Lipoprotein(a)-Wert mindestens einmalig zu bestimmen. Für jüngere Personen wird beim Blutdruck ein oberer Wert von rund 120 mmHg und ein unterer Wert von 80 mmHg oder vorzugsweise 75 mmHg angestrebt, nachdem frühere Richtwerte bei 140/90 mmHg lagen.

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Kardiovaskuläre Krankheitslast und Defizite in der Vorsorge

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems bleiben eine der zentralen Herausforderungen für das Gesundheitssystem. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts waren sie im Jahr 2024 mit rund 339.200 Todesfällen die häufigste Todesursache in Deutschland. In den USA weist die American Heart Association darauf hin, dass etwa jeder vierte Erwachsene von erhöhten LDL-Werten betroffen ist.

In Österreich entfielen laut Statistik Austria im Jahr 2025 insgesamt 33,4 Prozent aller Todesfälle – absolut 29.300 Personen – auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auch wenn die altersstandardisierte Sterberate gegenüber dem Zeitraum 2015 bis 2019 um 11 Prozent sank.

Bei 23.081 der 87.902 Verstorbenen des Jahres 2025 war essenzielle Hypertonie auf dem Totenschein vermerkt; 14,0 Prozent litten an einer nicht näher bezeichneten Herzinsuffizienz, 10,3 Prozent an Vorhofflimmern und 9,2 Prozent an einer atherosklerotischen Herzkrankheit. Rauchende Männer konsumierten dort im Schnitt 17,1 Zigaretten pro Tag, rauchende Frauen 13,3.

Trotz dieser Risiken bestehen deutliche Wissenslücken in der Bevölkerung. Eine repräsentative Umfrage von Bilendi im Auftrag von Amgen, die vom 13. bis 20. August 2026 unter 1.096 Personen ab 18 Jahren in Deutschland durchgeführt wurde, belegt Defizite bei der Vorsorge:
- 77 Prozent der Befragten kennen ihren persönlichen LDL-Cholesterinwert nicht.
- Bei 27 Prozent wurde der LDL-Wert noch nie bestimmt; bei den 18- bis 49-Jährigen sind es 39 Prozent, ab 50 Jahren liegt dieser Anteil bei 17 Prozent.

In der Altersgruppe von 18 bis 29 Jahren gaben 43 Prozent an, dass der Wert noch nie ermittelt wurde.
- 46 Prozent der 18- bis 29-Jährigen glauben irrtümlich, erhöhte Werte körperlich bemerken zu können, während dies ab 60 Jahren nur 8 Prozent annehmen.
- Zwar wissen 86 Prozent, dass ein dauerhaft erhöhtes LDL-Cholesterin das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle steigert, doch nur 21 Prozent zählen es zu den drei wesentlichen Gefahrenfaktoren.
- Während 73 Prozent ihren Blutdruck mindestens jährlich prüfen lassen, gilt dies nur für 44 Prozent beim Cholesterin.
- Bei 52 Prozent der Befragten wurde das persönliche Herz-Kreislauf-Risiko in den vorangegangenen zwei Jahren im Arztgespräch nicht thematisiert, obschon 90 Prozent ärztlichen Auskünften vertrauen und 58 Prozent persönliche ärztliche Empfehlungen sowie 59 Prozent auffällige Laborbefunde als Hauptanlass für Präventionsmaßnahmen nannten.

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Lebensstil und Ernährung in der Risikoreduktion

Neben Arzneimitteln bildet der Lebensstil das Fundament der Vorbeugung. Fachärzte für Kardiologie betonen, dass bereits zehn Stunden moderate Bewegung pro Woche das Herzinfarktrisiko um mehr als 30 Prozent verringern können; ein vergleichbarer Effekt werde mit 150 Minuten intensivem Sport erzielt.

Ab dem 50. Lebensjahr wird zudem regelmäßiges Krafttraining empfohlen, da der Körper bis zum 70. Lebensjahr rund ein Drittel seiner Muskelmasse einbüßt.

Ernährungswissenschaftliche Richtlinien heben den Stellenwert gezielter Anpassungen hervor. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät zu einer kleinen Handvoll Nüssen pro Tag, pflanzlichen Ölen, Vollkornprodukten und mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse sowie zur Reduktion gesättigter Fettsäuren.

Ergänzend empfiehlt die DGE mindestens fünfmal pro Woche eine halbstündige Ausdaueraktivität. Für Hafer-Beta-Glucan existiert eine von der EU zugelassene gesundheitsbezogene Angabe zur Cholesterinsenkung bei einer täglichen Zufuhr von 3 Gramm.

Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung sprechen erhöhte LDL-Werte zwar häufig auf Ernährungsumstellungen an, das Ausmaß hängt jedoch stark von individuellen genetischen Faktoren ab. Bei stark erhöhten oder familiären Werten bleiben Medikamente oft unverzichtbar.

Wissenschaftliche Arbeiten liefern differenzierte Befunde zu spezifischen Lebensmitteln: Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2024 über 31 randomisierte Studien mit 1.986 Erwachsenen zeigte, dass Kakao und Schokolade mit mindestens 70 Prozent Kakaogehalt das Gesamt- und LDL-Cholesterin senkten, letzteres im Schnitt um 9,5 mg/dl. Die American Heart Association warnt gleichwohl davor, Schokolade als Herzschutzmittel zu betrachten.

Eine im September 2026 im Fachjournal Nutrients veröffentlichte Querschnittsstudie des Universitätsklinikums Salamanca, basierend auf Daten von 1.960 Erwachsenen aus den Jahren 2015 bis 2018, ergab, dass Schokoladenkonsumenten (rund 30 Prozent der Stichprobe) im Verhältnis zur Körpergröße leichter waren, bei dunkler Schokolade der LDL-Spiegel jedoch höher lag.

Bei Personen mit Diabetes war der verzehr dunkler Schokolade mit niedrigeren Nüchternblutzucker- sowie Langzeitzuckerwerten (HbA1c) assoziiert; die Studienautoren weisen jedoch darauf hin, dass die Querschnittsdaten keine Kausalität belegen und weitere Untersuchungen erfordern.

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