Linux Mint 23: Nemo-Dateimanager wird 200ms schneller
26.05.2026 - 21:30:14 | boerse-global.deDas Release basiert auf Ubuntu 26.04 LTS und soll pünktlich zu Weihnachten 2026 erscheinen. Im Zentrum stehen Performance-Verbesserungen und die Abkehr von veralteten GNOME-Komponenten.
Nemo-Dateimanager: Schluss mit künstlichen Verzögerungen
Das Herzstück der Leistungsoptimierung ist eine grundlegende Überarbeitung des Dateimanagers Nemo. Bisher wartete das Programm beim Navigieren durch Ordner mit einer fest eingebauten Verzögerung von 200 Millisekunden. In Cinnamon 6.6, das mit Linux Mint 23 ausgeliefert wird, fällt dieser künstliche Puffer weg.
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Stattdessen kommt ein dynamisches System zum Einsatz: Es misst in Echtzeit, wie schnell der Speicher arbeitet. Liegt die Lesezeit unter 150 Millisekunden, werden Inhalte sofort angezeigt. Bei langsameren Verzeichnissen oder Netzwerklaufwerken sorgt eine kurze, berechnete Pause dafür, dass der Bildschirm nicht flackert. Die Änderung umfasst nur rund 30 Zeilen Code – doch die Wirkung auf die gefühlte Geschwindigkeit dürfte enorm sein.
Nutzer der aktuellen Versionen 21.3 und der 22er-Serie sollen die Verbesserungen voraussichtlich noch vor dem Weihnachtsrelease über den Update-Manager erhalten.
Neue Suchfunktion und bewegliche Dialoge: Nemo bekommt zudem eine überarbeitete Suchleiste mit integrierten Filtern. Und erstmals lassen sich Systemdialoge – etwa das Fenster zum Herunterfahren – frei auf dem Bildschirm verschieben, statt starr in der Mitte zu hängen.
Eigenes Screenshot-Tool ersetzt GNOME-Komponente
Mit Linux Mint 23 verabschiedet sich das Team von gnome-screenshot. Der Nachfolger heißt cinnamon-screenshot und wurde komplett eigenständig entwickelt. Grund für den Wechsel: Das alte Tool hatte zunehmend Probleme mit modernen Anzeigeprotokollen wie Wayland und lieferte bei Fenstern mit unterschiedlichen Dekorationen uneinheitliche Ergebnisse.
Die neue Lösung bietet unter anderem:
- Schattenverwaltung: Fensterschatten lassen sich beim Screenshot ein- oder ausblenden, inklusive automatischer Kantenbereinigung
- Multi-Monitor-Unterstützung: Aufnahmen einzelner Bildschirme, des gesamten Desktops oder frei wählbarer Ausschnitte
- Integrierter Bildzuschnitt: Nachbearbeitung ohne externes Programm
- Mauszeiger und Timer: Bewährte Funktionen, neu gestaltet für die Cinnamon-Oberfläche
Der Schritt ist Teil einer umfassenden Strategie: Linux Mint macht sich zunehmend unabhängig von GTK-basierten GNOME-Komponenten, die nicht mehr zur Designphilosophie des Projekts passen.
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Sicherheit und Infrastruktur: WPA3, bessere Kontraste und Warnungen vor Fake-Seiten
Netzwerk: Cinnamon unterstützt ab Version 6.6 offiziell WPA3 und Opportunistic Wireless Encryption (OWE). Das bringt mehr Sicherheit in öffentlichen WLAN-Netzen und bei der Passwort-Authentifizierung.
Optik: Das „Mint-Y"-Dark-Theme wurde mit höheren Kontrasten versehen. Insgesamt setzt das Design auf konsistentere Symbole und abgerundete Fensterecken – für ein einheitlicheres Erscheinungsbild.
Sicherheitswarnung: Das Team warnt vor einer Zunahme gefälschter Webseiten, die beliebte Open-Source-Projekte imitieren. Betroffen sind unter anderem die Mint-Tools Warpinator und Hypnotix. Nutzer sollten Downloads ausschließlich über die offiziellen Quellen beziehen.
Wettbewerb und Marktumfeld
Die Ankündigung fällt in eine bewegte Zeit für das Linux-Ökosystem. Erst am 24. Mai erschien Linux Kernel 7.1-rc5 mit KI-generierten Patches, die die 4K-Stabilität bei AMD- und Intel-Grafiktreibern verbessern sollen. Linus Torvalds selbst äußerte sich zurückhaltend zu den Stabilitätsrisiken solcher KI-gesteuerter Code-Änderungen.
MX Linux veröffentlichte am 25. Mai die Version „Infinity" 25.2 mit neuem Textmodus-Installer auf Basis von Debian 13.5. Und NVIDIA brachte am 26. Mai den Treiber 610.43 mit wichtigen Wayland-Verbesserungen – ein gutes Zeichen für Mint-Nutzer, die auf das Weihnachtsupdate warten.
Auch regulatorisch tut sich etwas: In Kalifornien wurde ein Gesetzesentwurf eingebracht, der Open-Source-Betriebssysteme von bestimmten Altersverifikationspflichten ausnehmen soll. Während reine Community-Projekte wie Linux Mint profitieren würden, könnten proprietäre Systeme wie Valves SteamOS durchs Raster fallen.
Ausblick
Linux Mint 23 mit Cinnamon 6.6 positioniert sich als leistungsorientierte Alternative im Desktop-Linux-Markt. Der Verzicht auf künstliche Verzögerungen und veraltete GNOME-Abhängigkeiten könnte neue Maßstäbe setzen – insbesondere bei der Dateimanager-Performance. Die Basis auf Ubuntu 26.04 LTS garantiert langfristige Sicherheitsupdates.
Details zur Beta-Phase werden in den kommenden Monaten erwartet. Der endgültige Release ist für Dezember 2026 geplant.
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