LinkedIn-Skandal: 405 Millionen Nutzer heimlich ausgespäht
03.07.2026 - 16:58:45 | boerse-global.de
Das legt eine Untersuchung des Vereins Fairlinked e.V. nahe.
Versteckte Skripte und tausende Tracking-Punkte
Die Vorwürfe wiegen schwer: Angeblich setzt LinkedIn versteckte JavaScript-Codes ein, die Nutzer weit über die Plattform hinaus überwachen. Die Skripte sollen demnach mehr als 6.000 Browser-Erweiterungen analysieren, 509 Jobsuch-Tools überwachen und über 200 konkurrierende Software-Produkte tracken.
Besonders brisant: Auch sensible Daten wie Hinweise auf religiöse oder politische Zugehörigkeiten sollen erfasst werden. Diese Informationen landen laut Untersuchung bei HUMAN Security, einem amerikanisch-israelischen Unternehmen, das 2022 mit PerimeterX fusionierte.
LinkedIn weist die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen betont, jegliche Datenerfassung diene ausschließlich Sicherheitszwecken und der Einhaltung der Nutzungsbedingungen.
Scharfe Kontrolle auch für X und KI-Plattformen
Die Enthüllungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Datenschutzbehörden weltweit die Zügel anziehen. Die US-Handelsaufsicht FTC ermittelt derzeit gegen X Corp. wegen möglicher Verstöße bei der Datenerhebung. Datenschützer kritisieren, dass europäische Nutzerdaten ohne ausreichende Einwilligung für das Training des Grok-KI-Modells verwendet wurden – ein klarer Verstoß gegen die DSGVO.
Während einige Beobachter die Forderungen der FTC als überzogen kritisieren, pochen Aktivisten auf die Einhaltung bestehender Auflagen. Eine Entscheidung der Behörde steht noch aus.
Internationale Maßnahmen gegen Datenmissbrauch
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Die globale Datenkrise hat konkrete Folgen: Alibaba hat seinen Mitarbeitern die Nutzung von Anthropics Claude Code ab dem 10. Juli 2026 untersagt. Hintergrund sind Vorwürfe, das Tool könne chinesische Nutzer durch Zeitzonen- und Proxy-Prüfungen identifizieren. Anthropic betont, der Mechanismus sei zur Betrugsbekämpfung gedacht und bereits am 1. Juli zurückgesetzt worden.
In Indien hat die Regierung die Einführung einer neuen WhatsApp-Username-Funktion gestoppt. Beamte befürchten, dass die Funktion mit 850 Millionen Nutzern Identitätsdiebstahl und Betrug erleichtern könnte. Parallel dazu untersuchen die Behörden einen Datenleck-Vorfall bei Tata Electronics.
Cyber-Sicherheit: Behörden schlagen zurück
Die Strafverfolger gehen auch gegen die technische Infrastruktur des Datenhandels vor. Am 2. Juli 2026 gelang FBI und Google ein Schlag gegen das NetNut-Residential-Proxy-Netzwerk. Das Netzwerk hatte mindestens zwei Millionen Endgeräte – darunter Smart-TVs und Streaming-Boxen – als Zugangspunkte für Cyberkriminelle genutzt.
Im Juni 2026 nutzten 316 Bedrohungsgruppen das Netzwerk für Passwort-Diebstahl, Werbebetrug und massenhaftes Datenscraping. Google sperrte daraufhin betroffene Konten und aktualisierte seine Play-Protect-Funktionen. Bereits im Januar war das IPIDEA-Netzwerk zerschlagen worden.
Der versteckte Preis der Digitalisierung
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Die jüngsten Vorfälle offenbaren ein grundlegendes Problem: Persönliche Daten werden systematisch als „Verhaltensüberschuss" abgeschöpft und vermarktet. Versicherungen, Werbetreibende und Finanzinstitute nutzen diese Informationen, um Konsumenten vorherzusagen.
Studien zu KI-Unternehmen zeigen, dass die Datenspeicherung ein massives Problem bleibt. Manche Firmen bewahren Transkripte und App-Daten zwischen 72 Stunden und 18 Monaten auf – in einigen Fällen sogar unbegrenzt.
