Lieferroboter in Stevenage: Pilotprojekt ab Ende August startet
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 03:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Autonome Lieferroboter werden in Großbritannien zunehmend zum Alltagsbild – doch es fehlen einheitliche Regeln.
Stevenage startet Pilotprojekt im Spätsommer
Die Stadt Stevenage in der Grafschaft Hertfordshire bereitet sich auf einen Testlauf vor: Ab Ende August 2026 sollen dort kleine Lieferroboter durch die Straßen rollen. Die etwa 70 Zentimeter langen Fahrzeuge transportieren bis zu zwei Einkaufstüten und bewegen sich mit maximal 6,4 Kilometern pro Stunde fort. Entwickelt sind sie für die sogenannte „letzte Meile" – jenen Logistikabschnitt, der für einen erheblichen Teil des städtischen Verkehrs und der Emissionen verantwortlich ist.
Die Roboter navigieren mithilfe von Kameras, Sensoren und GPS. Sie können Straßen eigenständig überqueren oder Passanten um Hilfe bitten. Der Testlauf im Auftrag des Hertfordshire County Council findet in einer geografisch begrenzten Zone statt. Die Behörden betonen: Das Projekt ist jederzeit umkehrbar. Bei Sicherheitsproblemen oder negativem Feedback kann der Betrieb sofort gestoppt werden.
Im Fokus stehen zwei Fragen: Wie reagiert die Bevölkerung auf die rollenden Boten? Und können sie tatsächlich kurze Autofahrten ersetzen?
Starship Technologies: Pionier mit jahrelanger Erfahrung
Während Stevenage noch auf den Start wartet, sind die Roboter andernorts längst etabliert. Starship Technologies betreibt seit 2018 ein Netzwerk in Milton Keynes. Dort gehören die Fahrzeuge inzwischen zum Stadtbild – etwa wenn sie Bestellungen von Co-op ausliefern. Anwohner schätzen den Service besonders bei schlechtem Wetter oder eingeschränkter Mobilität. Gelegentlich klagen Nutzer allerdings über Softwarefehler in den Bestell-Apps.
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Auch große Lieferplattformen setzen auf die Technologie. Uber integriert die Roboter von Starship in Leeds und Sheffield in sein Angebot – eine Ausweitung der automatisierten Lieferstrategie des Konzerns. Just Eat wiederum testete die Fahrzeuge auf der Gloucester Road, stieß dort jedoch auf Kritik: Lokale Behörden bemängeln das Fehlen eines formellen Lizenzrahmens.
Kritik von Verbänden: Gefahr für Fußgänger
Nicht alle sind begeistert von den rollenden Boten. Fußgänger- und Behindertenverbände schlagen Alarm. Catherine Woodhead von der Organisation Living Streets warnt: Die Roboter könnten für ältere, behinderte oder sehbehinderte Menschen zur Gefahr werden. Sie beanspruchen knappen Gehwegraum und interagieren mit besonders verletzlichen Verkehrsteilnehmern.
Ein Vorfall aus dem Jahr 2019 befeuert die Debatte bis heute: Damals pausierte die University of Pittsburgh einen Roboter-Testlauf, nachdem ein Rollstuhlfahrer von einem Fahrzeug eingeklemmt worden war. Auch Vandalismus ist ein Thema – immer wieder werden Roboter mutwillig beschädigt oder sogar in Flüsse geworfen. Und in dicht gedrängten Metropolen wie London stoßen die Geräte an ihre Grenzen.
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Starship Technologies verweist auf die Sicherheitsvorkehrungen: Die Roboter erkennen Hilfsmittel wie Rollatoren und weichen Fußgängern aus. In komplexen Situationen greifen menschliche Operateure aus der Ferne ein.
Ruf nach nationalen Standards
Der fehlende einheitliche Rechtsrahmen wird zum zentralen Streitpunkt. Bislang schließen Kommunen und Technologieanbieter individuelle Vereinbarungen ab. Lokale Politiker fordern nun nationale Regeln für den Umgang der Roboter mit der Öffentlichkeit.
Die laufenden Tests in Stevenage und Milton Keynes sollen liefern, was der Debatte bislang fehlt: belastbare Daten zu Sicherheitsprotokollen, öffentlicher Akzeptanz und den tatsächlichen Umweltauswirkungen im Vergleich zu herkömmlichen Lieferfahrzeugen. Die britische Regierung prüft derzeit, ob sie die Systeme landesweit zulassen soll. Die kommenden Monate dürften zeigen, ob die Roboter den Sprung vom Pilotprojekt zum Massenphänomen schaffen – oder ob die Bedenken der Kritiker überwiegen.
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