Lieferketten-Krise, Großunternehmen

Lieferketten-Krise: 77% der Großunternehmen rüsten sich mit Resilienzstrategie

17.06.2026 - 18:12:14 | boerse-global.de

G7-Staaten beschließen Maßnahmen zur Diversifizierung globaler Lieferketten und zur Sicherung strategischer Rohstoffe.

G7-Gipfel in Évian: Neue Strategien für Lieferketten und Rohstoffsicherheit
Lieferketten-Krise - G7-Staats- und Regierungschefs in einer Konferenz, die über globale Lieferketten und Resilienz diskutieren, mit Weltkarte im Hintergrund. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Staats- und Regierungschefs der G7-Nationen haben Mitte Juni 2026 die Dringlichkeit bekräftigt, globale Lieferketten zu diversifizieren. Der Fokus liegt auf der Sicherung strategischer Vorleistungen und dem Schutz kritischer Handelsrouten.

Gipfel in Évian: Fokus auf maritime Sicherheit

Beim Gipfeltreffen in Évian am 16. und 17. Juni 2026 verständigten sich die G7-Staaten darauf, die Weltwirtschaft auf einen nachhaltigeren Wachstumskurs zu bringen. Ein zentrales Element: die Bekämpfung von Überkapazitäten und die Stärkung der Widerstandsfähigkeit industrieller Netzwerke.

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Besondere Aufmerksamkeit galt der Wiederherstellung der freien Schifffahrt durch die Straße von Hormus. Die Teilnehmer begrüßten Bestrebungen zur Stabilisierung der Region, um die Energie- und Rohstoffmärkte zu sichern. Zudem richteten die G7 einen Appell an Ölimporteure, die von der Internationalen Energieagentur empfohlenen Reserven für 90 Tage aufzubauen.

Parallel dazu wurde eine verstärkte Zusammenarbeit bei kritischen Mineralien vereinbart – mit dem Ziel, die Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern wie China zu reduzieren. In der Handelspolitik thematisierten die Partner globale Ungleichgewichte, darunter industrielle Überproduktion und mangelnde Investitionen.

Europäische Überwachungsinstanz gefordert

Auf europäischer Ebene werden konkrete institutionelle Reformen diskutiert, um die Versorgungssicherheit strukturell zu verankern. Der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, schlug am 16. Juni 2026 die Einrichtung eines „European Supply Security Board“ vor. Das Gremium soll sektorspezifische Vorgaben zur Diversifizierung überwachen und regelmäßige Stresstests für Lieferketten durchführen.

Ziel: Abhängigkeiten bei strategisch wichtigen Gütern wie Halbleitern oder Seltenen Erden minimieren. Wambach empfahl eine Richtgröße von mindestens drei unabhängigen Lieferanten für kritische Vorprodukte.

Ergänzend dazu präsentierten Deutschland und Frankreich am 17. Juni 2026 auf der Messe VivaTech eine gemeinsame Definition digitaler Souveränität. Sie umfasst sechs Dimensionen, darunter Datenschutz und die Resilienz technischer Infrastrukturen.

Deutsche Industrie reagiert auf neue Risiken

Die deutsche Industrie hat bereits auf die veränderten Rahmenbedingungen reagiert. Laut einer Umfrage des Allensbach-Instituts im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) verfügen 77 Prozent der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern über eine eigene Resilienzstrategie. Weitere 16 Prozent bereiten entsprechende Maßnahmen vor.

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Als Hauptrisiken identifizierten 50 Prozent der befragten Firmen systemische Gefahren in den Bereichen Energieversorgung, Lieferketten und Transportwesen. BDI-Präsident Leibinger mahnte einen verlässlichen staatlichen Rahmen an und forderte einen Abbau bürokratischer Hürden.

Die Notwendigkeit solcher Strategien unterstreichen aktuelle Warnungen des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) vom 17. Juni 2026. Aufgrund von Blockaden an wichtigen maritimen Engpässen befürchtet die Branche binnen sechs bis acht Wochen erhebliche Versorgungsengpässe bei Grundstoffen wie Ammoniak, Phosphaten und Helium. Exportdrosselungen wichtiger Rohstofflieferanten verschärfen die Situation zusätzlich.

Nationale Ernährungsvorsorge wird modernisiert

Auch im Bereich der Grundversorgung werden neue Konzepte verfolgt. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer informierte sich am 16. Juni 2026 in Japan über dortige Modelle der Notfallbevorratung. Geplant ist eine modernisierung der deutschen Ernährungsvorsorge, die verstärkt auf verzehrfertige Lebensmittel setzt.

Diese Vorräte sollen künftig nicht nur in staatlichen Lagern, sondern dezentral auch direkt bei den Herstellern vorgehalten werden. Für den Aufbau der erweiterten Reserve veranschlagt der Bund Anschubkosten von rund 30 Millionen Euro. Der laufende Betrieb wird mit jährlich 70 bis 80 Millionen Euro kalkuliert.

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