Lieblingsmusik lindert Schmerz beim Spritzen besser als Mozart
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSLieblingsmusik kann einer kleinen Studie zufolge den Schmerz beim Setzen einer Nadel lindern – offenbar stärker als Mozart oder spezielle Entspannungsmusik.
204 Menschen vor einer MRT untersucht
Das Team des Universitätsklinikums Zürich untersuchte 204 Menschen im Alter von 17 bis 83 Jahren, bei denen für eine MRT-Untersuchung eine Kanüle für Kontrastmittel gelegt werden musste. Die Teilnehmenden hörten entweder keine Musik, ihre eigene Lieblingsmusik, das Entspannungsstück «Quelle des Ich Bin» von Peter Uwe Piotter oder Mozarts Sonate für zwei Klaviere D-Dur KV 448 in einer Aufnahme mit Alfred Brendel und Walter Klien.
Die Lieblingsmusik reichte von klassischer Musik bis zu Pop und Hardrock. Die Musik begann bereits vor der Venenpunktion. Die Schmerzen wurden vor dem Einstich sowie unmittelbar danach, nach 30 Sekunden und nach zwei Minuten auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet.
Lieblingsmusik zeigte den deutlichsten Effekt
Insgesamt berichteten 71 Teilnehmende bereits vor dem Einstich über Schmerzen. Bei Menschen mit und ohne vorherige Schmerzen zeigte sich in der Gruppe mit Lieblingsmusik im Mittel eine merkliche Verringerung des Schmerzempfindens.
Mozart führte den Angaben zufolge nur bei denjenigen zu einer signifikanten Schmerzlinderung, die schon vor dem Einstich Schmerzen hatten. Für die spezielle Entspannungsmusik stellten die Forschenden keine relevante Wirkung fest.
Begrenzte Aussagekraft der Untersuchung
Die Forschenden vermuten, dass das langsame, leise und wenig dynamische Entspannungsstück von den Patientinnen und Patienten kaum bewusst wahrgenommen oder ausgeblendet wurde. Daraus lasse sich nicht ableiten, dass Entspannungsmusik grundsätzlich wirkungslos sei.
Die Untersuchung hatte nach Einschätzung des Teams nur eine begrenzte Aussagekraft. Die Gruppen waren klein, die Zuteilung erfolgte nicht zufällig, sondern nach der zeitlichen Reihenfolge der MRT-Termine. Zudem verursachte die Venenpunktion nur einen kurzen und meist leichten Schmerz. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf längere oder schmerzhaftere Eingriffe übertragen.
Klinik will Musik häufiger einsetzen
Hauptautor Andrei Cristinel Dragnea erklärte, das Schmerzniveau könne beim Setzen einer Nadel erheblich variieren. Seniorautorin Meritxell Garcia Alzamora empfahl das Musikhören insbesondere Menschen, die Musik generell mögen.
Am Universitätsklinikum Zürich soll Musik bei Venenpunktionen im Rahmen radiologischer Untersuchungen künftig verstärkt eingesetzt werden, vor allem bei ängstlichen oder klaustrophobischen Patientinnen und Patienten.
Warum Musik Schmerzen beeinflussen kann
Beim Einstich wirken nicht nur körperliche Reize, sondern auch Aufmerksamkeit, Erwartung und Anspannung auf das Schmerzerleben ein. Musik kann diese Aufmerksamkeit binden und zugleich eine vertraute, emotional positiv besetzte Umgebung schaffen. Dass persönliche Vorlieben dabei eine Rolle spielen, ist plausibel: Ein bekanntes Lieblingsstück wird meist bewusster wahrgenommen als eine zufällig ausgewählte oder als wenig ansprechend empfundene Klangkulisse.
Die Zürcher Untersuchung betrifft allerdings eine sehr begrenzte Situation. Untersucht wurde das Legen einer Kanüle vor einer MRT mit Kontrastmittel – ein kurzer Eingriff, dessen Schmerz überwiegend leicht ausfällt. Die nicht zufällige Gruppenzuteilung und die relativ kleinen Gruppen erschweren es, die Wirkung eindeutig der Musik zuzuschreiben. Auch ist offen, wie stark Erwartungen der Teilnehmenden oder ihre grundsätzliche Einstellung zu Musik das Ergebnis beeinflusst haben.
Bedeutung für Untersuchungen
Für Patientinnen und Patienten ergibt sich daraus eine einfache, risikoarme Möglichkeit, eine unangenehme Untersuchung angenehmer zu gestalten: Wer Musik mag, kann vor einem erwarteten Einstich eigene, vertraute Stücke hören. Das ersetzt keine medizinische Schmerz- oder Angstbehandlung und lässt sich nicht ohne Weiteres auf Operationen, längere Eingriffe oder stärkere Schmerzen übertragen. Kliniken können Musik dennoch als ergänzendes Angebot einsetzen, besonders bei Menschen, die vor Nadeln oder engen Untersuchungsräumen angespannt sind.

