Lieblingsmusik, Punktionen

Lieblingsmusik bei Punktionen: Studie mit 204 Teilnehmenden zeigt stärkere Linderung

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 13:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Klinikumbau, Reformforderungen und Studien zu ergänzenden Verfahren zeigen die Bandbreite aktueller Ansätze gegen chronische Schmerzen.

Chronische Schmerzen: ÖSG fordert besseren Zugang zu multimodaler Therapie
Ein heller, minimalistischer Behandlungsraum in einer Klinik mit einer leeren Liege und natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Chronische Schmerzerkrankungen verlangen nach umfassenden Therapiekonzepten, die weit über rein medikamentöse Behandlungen hinausgehen. Anlässlich des Weltschmerztags fordert die Österreichische Schmerzgesellschaft (ÖSG) einen deutlich verbesserten Zugang zu multimodalen Schmerztherapien.

Das Anliegen gewinnt angesichts komplexer Krankheitsbilder zunehmend an Dringlichkeit, trifft in der Versorgungspraxis jedoch auf spürbare infrastrukturelle Hürden und finanzielle Engpässe.

Versorgungsdefizite und wissenschaftliche Rahmenbedingungen

Auf dem Deutschen Schmerzkongress in Mannheim verwiesen Fachleute auf erhebliche Herausforderungen bei noziplastischen Schmerzen, Post COVID und Migräne. Dabei traten wiederkehrende Defizite bei der interdisziplinären Abstimmung und in Teilen der Versorgung zutage.

Die Kongresspräsidentin Irmela Gnass von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg betonte in diesem Rahmen die hohe individuelle und gesellschaftliche Tragweite chronischer Schmerzen sowie der häufig damit einhergehenden Schlafstörungen.

Parallel dazu warnte die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) in Berlin vor einer Verschlechterung der Versorgungsqualität durch Kürzungen in der wissenschaftlichen Medizin.

Nachdem im Frühjahr im Rahmen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes bereits Kürzungen beim Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses beschlossen worden waren, hoben AWMF-Präsident Rolf-Detlef Treede und Institutsleiterin Ina Kopp das Risiko von Qualitätseinbußen hervor.

Die Fachgesellschaft fordert unter anderem eine nachhaltige Finanzierung für Cochrane Deutschland, um evidenzbasierte Behandlungsstandards dauerhaft abzusichern.

Stationäre Initiativen und therapeutische Berufsfelder

Wie der Ausbau multimodaler Strukturen auf regionaler Ebene praktisch gestaltet werden kann, zeigt sich an aktuellen Klinikprojekten. Das Mariannen-Hospital Werl investiert rund 3 Millionen Euro in den Umbau von zwei Etagen zu einer spezialisierten Schmerzklinik, deren Fertigstellung für Mitte 2027 geplant ist.

Im zweiten Obergeschoss wird die Bettenzahl zugunsten größerer Badezimmer von 19 auf 14 reduziert. Im dritten Obergeschoss entstehen spezielle Räumlichkeiten für multimodale Schmerztherapie, die Angebote für Entspannung, Fitness sowie Hydrojet-Therapie und eine Sandliege umfassen.

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Der Träger betreibt bereits eine Schmerzklinik im Christlichen Klinikum Soest Mitte und beabsichtigt, beide Standorte zu einem gemeinsamen Fachbereich zusammenzuführen. Die Versorgung ist zunächst vollstationär angelegt; teilstationäre oder ambulante Angebote hängen von der öffentlichen Krankenhausplanung ab.

Flankierend weisen Heilmittelverbände im Kontext des WIdO-Heilmittel-Reports auf strukturellen Reformbedarf in den therapeutischen Berufsfeldern hin. Während in 82 Prozent der europäischen Länder ein Bachelorabschluss und in weiteren 13 Prozent ein Masterabschluss die Mindestvoraussetzung für die Physiotherapie darstellt, sind die Berufsgesetze in Deutschland teils über 30 Jahre alt.

Der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) fordert eine umfassende Reform der Berufsgesetze, eine stärkere Akademisierung und den Direktzugang zur Therapie.

Ergänzende Ansätze und wissenschaftliche Evidenz

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Neben organisatorischen Anpassungen rücken zunehmend nichtmedikamentöse und komplementäre Begleitmaßnahmen in den Fokus der Forschung. Eine im Fachmagazin Frontiers in Pain Research veröffentlichte Untersuchung des Universitätsklinikums Zürich mit 204 Teilnehmenden zeigte beispielsweise, dass das Hören der persönlichen Lieblingsmusik das Schmerzempfinden bei Punktionen stärker minderte als Neutral- oder Entspannungsmusik, wenngleich die Aussagekraft der Daten aufgrund kleiner Gruppen begrenzt bleibt.

Auch für stoffliche komplementäre Ansätze liegen differenzierte Daten vor: Untersuchungen zu Avocado-Sojanichtverseifbaren (ASU) belegen eine Hemmung pro-entzündlicher Zytokine und eine Reduktion von Prostaglandinen, was bei Probanden mit Gelenkbeschwerden zu Verbesserungen führte.

Zudem zeigten Studien zu Torfanwendungen mit Huminsäurekomplexen schmerzlindernde Effekte bei Kniearthrose und Rückenschmerzen, was die Relevanz breiter, multimodaler Therapiestrategien unterstreicht.

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