LibreOffice greift Microsoft an: DOCX-Formate als Kundenbindungsfalle
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 03:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Open-Source-Organisation wirft Microsoft vor, mit seinen Dateiformaten Kunden zu binden und digitale Souveränität zu verhindern.
Die Document Foundation (TDF), das Dach der Bürosoftware LibreOffice, hat ihre Kritik an Microsofts Standard-Dokumentenformaten verschärft. In mehreren Stellungnahmen Mitte Juli argumentiert die Stiftung, dass die Formate DOCX, XLSX und PPTX als Werkzeug zur Kundenbindung dienten – ein Hindernis für jede echte digitale Unabhängigkeit.
„Unauffällige technische Reibung“
Laut TDF-Sprecher Italo Vignoli erzeugen die Microsoft-Formate einen Zustand „unauffälliger technischer Reibung“. Obwohl sie als ISO-Standard anerkannt sind, enthielten die von Microsoft verwendeten „Transitional“-Versionen undokumentierte Funktionen und proprietäre Elemente. Die Folge: Kompatibilitätsprobleme beim Öffnen oder Bearbeiten in Drittanbieter-Programmen wie LibreOffice.
Die Stiftung sieht darin kein Versehen, sondern System. Durch den Einsatz nicht standardisierter Features und cloudbasierter Schnittstellen werde der Wechsel zu anderen Plattformen für Einzelnutzer und große Organisationen bewusst erschwert.
ODF als Ausweg
Die Document Foundation empfiehlt daher das Open Document Format (ODF) für alle bearbeitbaren Dokumente. Als internationaler Standard gewährleiste es langfristige Zugänglichkeit und Interoperabilität. Für die Archivierung, wenn keine Bearbeitung mehr nötig ist, verweist die Stiftung auf PDF/A.
Der Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die europäische Regulierung Fahrt aufnimmt. Der Digital Markets Act der EU adressiert zunehmend Interoperabilitätsfragen – und könnte marktbeherrschende Softwareanbieter zwingen, die Hürden für Datenmigrationen zu senken.
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Airbus geht voran
Die Kritik von LibreOffice fällt in einen breiteren Trend: Immer mehr europäische Großunternehmen reduzieren ihre Abhängigkeit von nicht-europäischen Technologieanbietern. Der Luftfahrtkonzern Airbus hat Berichten zufolge ein massives Migrationsprojekt gestartet: Rund 900 Anwendungen werden von Amazon Web Services (AWS) zum französischen Cloud-Anbieter Scaleway verlagert. 70 kritische Systeme, darunter Enterprise-Resource-Planning und Fertigungssteuerung, sind bereits betroffen.
Doch die vollständige Unabhängigkeit bleibt eine Herausforderung. Airbus verwaltet eine Lieferkette mit 18.000 Zulieferern – und die sind weiterhin massiv auf Microsoft-Werkzeuge angewiesen.
Sicherheitspaket mit Nebenwirkungen
Die Debatte um Software-Abhängigkeit wird durch Microsofts jüngste Sicherheits- und Kontrollmaßnahmen zusätzlich angeheizt. Das Juli-Update 2026 schloss stolze 570 Sicherheitslücken – ein drastischer Anstieg gegenüber 137 Schwachstellen im Vorjahreszeitraum. Sicherheitsforscher berichten zudem, dass SharePoint-Server-Schwachstellen derzeit von Angreifern ausgenutzt werden, um dauerhaften Zugriff auf Unternehmensnetzwerke zu erlangen.
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Parallel dazu zieht Microsoft die Schrauben bei der Dokumentensteuerung an. Ab August 2026 blockiert der Edge-Browser Screenshots von geschützten PDFs in OneDrive und SharePoint. Die Funktion, gekoppelt an Microsoft Purview Information Protection, ist zunächst Edge vorbehalten – ein weiterer Schritt zur Verzahnung von Browser und Dokumentendiensten.
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