LG Smart-TVs: Gamers Nexus deckt Überwachung via Mikrofon auf
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 18:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine aktuelle Untersuchung des Portals Gamers Nexus hat erhebliche Datenschutzbedenken bei Smart-TVs des Herstellers LG aufgeworfen. Die Analyse zeigt, dass die Geräte, unter anderem das Modell G5, auch bei scheinbar ausgeschaltetem Bildschirm über integrierte Mikrofone Audioaufnahmen anfertigen und das heimische Netzwerk scannen.
Diese Praktiken erfolgen laut den Testern systematisch und betreffen sowohl die Privatsphäre der Nutzer als auch die Sicherheit des gesamten Heimnetzwerks.
Netzwerk-Scans und Datentransfer an Werbetochter
Die Untersuchung legte offen, dass LG-Smart-TVs aktiv das WLAN-Heimnetzwerk analysieren. In einem Testdurchlauf identifizierte ein Gerät dabei insgesamt 38 verbundene Hardware-Komponenten. Erfasst wurden sensible Informationen wie IP- und MAC-Adressen, spezifische Gerätenamen sowie detaillierte WLAN-Informationen. Diese Datensätze werden den Erkenntnissen zufolge an die Sparte LG Ad Solutions übertragen.
Besonders kritisch bewerten die Experten die Transkription von Gesprächen. Sofern die Sprachfunktion des Fernsehers aktiviert ist, werden Audiodaten als Text protokolliert und gespeichert. Dies geschieht selbst dann, wenn der Fernseher ausgeschaltet ist. In einem dokumentierten Fall wurde ein fiktiver Testwert, der einer US-Sozialversicherungsnummer nachempfunden war, im Klartext in den Protokollen des Geräts festgehalten.
Funktionsweise der Überwachung und lokale Zwischenspeicherung
Ein zentraler Bestandteil der Datenerhebung ist die Technologie Automatic Content Recognition (ACR). Diese Funktion arbeitet über HDMI-Verbindungen und erfasst nicht nur Audioinhalte, sondern fertigt auch Screenshots des gezeigten Bildmaterials an.
Die Untersuchung zeigt zudem, dass eine Trennung vom Internet die Datenerhebung nicht unmittelbar unterbindet. In einem solchen Fall werden die gesammelten Informationen lokal auf dem Gerät zwischengespeichert und automatisch an die Server von LG übertragen, sobald eine erneute Verbindung mit dem Internet hergestellt wird.
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Zusätzlich zu den werbeorientierten Funktionen wurden Sicherheitslücken im Betriebssystem webOS identifiziert. Diese Schwachstellen ermöglichen laut der Untersuchung eine Remote-Code-Ausführung (RCE). Angreifer könnten diese Lücken nutzen, um unbefugt auf das Gerät zuzugreifen und Aufnahmen zu starten, während der Bildschirm des Fernsehers für den Nutzer als deaktiviert erscheint.
Marktreichweite und personelle Hintergründe bei LG Ad Solutions
Die Bedeutung dieser Datenerhebung wird durch die enorme Marktpräsenz der betroffenen Sparte verdeutlicht. LG Ad Solutions hat nach Unternehmensaussagen Zugriff auf rund 363 Millionen Geräte in den USA. Weltweit hat der Konzern insgesamt 216 Millionen Fernsehgeräte verkauft.
Innerhalb der Führungsebene von LG Ad Solutions gibt es unterdessen rechtliche Komplikationen. Sergey Mata, der Präsident der Sparte, wurde von der US-Börsenaufsicht SEC mit einer Handelssperre belegt. LG selbst hat sich zu den konkreten Vorwürfen aus der Untersuchung von Gamers Nexus bislang nicht geäußert.
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Empfehlungen für Nutzer und rechtlicher Rahmen
Die Experten von Gamers Nexus weisen darauf hin, dass der Digital Millennium Copyright Act (DMCA) die Entfernung oder Modifikation solcher Überwachungsfunktionen erschweren kann. Als Konsequenz aus den Untersuchungsergebnissen wird betroffenen Nutzern empfohlen, den Fernseher dauerhaft vom Internet zu trennen. Eine weitere Sicherheitsmaßnahme sei die physische Deaktivierung der integrierten Mikrofone.
Abschließend stellt die Untersuchung fest, dass derartige Praktiken in der Branche kein Einzelfall sind. Ähnliche Vorgehensweisen bei der Datenerfassung wurden bereits in der Vergangenheit auch bei Geräten des Wettbewerbers Samsung beobachtet.
