Lettland-Cyberangriff: 1,2 Millionen Bürger betroffen, Führung tritt zurück
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 14:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die lettische Verkehrssicherheitsdirektion (CSDD) ist Ziel eines weitreichenden Cyberangriffs geworden, bei dem sensible Daten von über einer Million Bürgern entwendet wurden. Infolge der Sicherheitsmängel und des massiven Datenabflusses ist die gesamte Führungsriege der Behörde geschlossen zurückgetreten. Der Vorfall wird von der Staatsführung als erhebliche Bedrohung für die nationale Sicherheit eingestuft.
Umfangreicher Datenabfluss über fast zwei Jahrzehnte
Nach offiziellen Angaben der CSDD ereignete sich der Angriff bereits in der Nacht vom 7. auf den 8. August 2026. Dabei gelang es den Angreifern, persönliche Informationen von etwa 1,2 Millionen Privatpersonen sowie Daten von rund 200.000 juristischen Personen zu entwenden.
Der Umfang der gestohlenen Daten ist beträchtlich: Die Beute umfasst unter anderem persönliche Identifikationsnummern, Klarnamen, Adressen, Kfz-Kennzeichen sowie Zahlungsdetails aus Belegen, die bis in das Jahr 2008 zurückreichen.
Der Angriff zielte auf eine Schwachstelle in einem über das Internet zugänglichen System ab. Experten der Cybersicherheitsbehörde CERT.LV stellten fest, dass zum Zeitpunkt des Vorfalls keine Multifaktor-Authentifizierung implementiert war, was den unbefugten Zugriff erheblich erleichterte.
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Der stellvertretende Leiter von CERT.LV, Varis Teivans, warnte angesichts der entwendeten Informationen vor einem erheblich gestiegenen Risiko für Identitätsdiebstahl und Betrugsversuche.
Politische Konsequenzen und Führungswechsel
Die politische Reaktion auf das Datenleck fiel deutlich aus. Präsident Rinkevics bezeichnete den Vorfall als ernsthafte Bedrohung für die nationale Sicherheit und erklärte, dass eine Fortführung der aktuellen CSDD-Leitung unter diesen Umständen ausgeschlossen sei.
Regierungschef Andris Kulbergs kritisierte das Management der Behörde scharf für eine verspätete Benachrichtigung über den Vorfall und sprach von einer hochgradig fahrlässigen Cybersicherheit. Er forderte, dass sowohl der Vorstand als auch der Rat der Direktion die volle Verantwortung übernehmen müssten.
In der Folge reichten alle Vorstandsmitglieder sowie der Rat der CSDD ihre Rücktrittsforderungen bei Verkehrsminister Kozlovskis ein. Der Vorsitzende der CSDD, Aivars Aksenoks, räumte die Verantwortung für die Versäumnisse ein, betonte jedoch, dass er sein Amt erst nach Abschluss der laufenden Untersuchungen formell niederlegen werde, um einen geordneten Übergang zu gewährleisten.
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Untersuchung des IT-Dienstleisters im Fokus
Ein zentraler Aspekt der Aufarbeitung betrifft die Zusammenarbeit mit dem IT-Dienstleister Tet. Zwischen der Verkehrsbehörde und dem Unternehmen bestand ein im Februar 2022 geschlossener Vertrag über Cybersicherheitsdienstleistungen mit einem ursprünglichen Wert von 8,989 Millionen Euro. CSDD-Chef Aivars Aksenoks warf dem Dienstleister vor, den Cyberangriff nicht rechtzeitig erkannt zu haben.
Verkehrsminister Kozlovskis hat eine interne Untersuchung eingeleitet, die auch die vertraglichen Verpflichtungen und die Leistungserbringung des Dienstleisters prüfen soll. Erste Ergebnisse dieser Untersuchung werden für Anfang September erwartet.
Regierungschef Kulbergs wies zudem darauf hin, dass es sich hierbei bereits um den zweiten schwerwiegenden Cyberangriff auf Lettland innerhalb von zwei Monaten handelt. Er schloss nicht aus, dass es sich um eine staatlich gesteuerte oder hybride Attacke eines feindlich gesinnten Staates handeln könnte. Die Ermittlungen zur Identifizierung der Hintermänner dauern an.
