Lesekompetenz: Fast jeder dritte Schüler verfehlt Basisstandards
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 13:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die im September 2026 veröffentlichten Ergebnisse der PISA-Studie 2025 verdeutlichen eine besorgniserregende Entwicklung im deutschen Bildungswesen. Der aktuelle Bericht der OECD mit dem Titel „Bereit für die Zukunft?“ basiert auf den Daten von weltweit 760.000 getesteten Schülern aus 91 Ländern.
Für Deutschland zeichnet die Erhebung ein düsteres Bild: Die Kompetenzwerte der 15-Jährigen in den Kernbereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften sind auf die niedrigsten jemals gemessenen Stände gesunken.
Massive Zunahme unzureichender Lesekompetenz
Ein zentraler Befund der Untersuchung ist der drastische Anstieg des Anteils von Jugendlichen mit mangelhaften Lesefähigkeiten. Während im Jahr 2022 noch 25 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland über eine unzureichende Lesekompetenz verfügten, kletterte dieser Wert bis zum Jahr 2025 auf 32 Prozent. Damit verfehlt fast jeder dritte Schüler die notwendigen Basiskompetenzen, um aktiv am gesellschaftlichen und beruflichen Leben teilzunehmen.
Im Zehnjahresvergleich wird die Erosion des Bildungsniveaus noch deutlicher sichtbar. Erreichte Deutschland im Jahr 2012 im Bereich Lesen noch 508 Punkte, sank dieser Wert über 480 Punkte im Jahr 2022 auf nunmehr 465 Punkte.
Ähnliche Abwärtstrends sind in der Mathematik zu verzeichnen, wo die Punktzahl von 514 (2012) auf 464 sank. In den Naturwissenschaften liegt der aktuelle Wert bei 486 Punkten, verglichen mit 524 Punkten im Jahr 2012. Ein Fünftel aller deutschen 15-Jährigen gilt inzwischen in allen drei Testbereichen als leistungsschwach.
Die soziale Herkunft als Determinante des Bildungserfolgs
Die aktuelle PISA-Analyse unterstreicht erneut die starke Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom sozioökonomischen Status. In Deutschland beträgt der Leistungsabstand im Lesen zwischen Kindern aus sozial begünstigten und benachteiligten Familien 113 Punkte. In den Naturwissenschaften ist die Schere mit einer Differenz von 125 Punkten noch weiter geöffnet. Zum Vergleich: Der OECD-Durchschnitt liegt hier bei 85 Punkten.
Die PISA-Ergebnisse 2025 sind da — und sie zeigen: Fast jeder dritte 15-Jährige in Deutschland verfehlt beim Lesen die Basisstandards. Die gute Nachricht: Sie können schon heute etwas tun. Der kostenlose Eltern-Ratgeber zeigt Ihnen 10-Minuten-Leseübungen für zuhause, die sich ohne Druck in den Familienalltag einfügen. Kostenlosen Eltern-Ratgeber anfordern
Samuel Greiff, Leiter der deutschen PISA-Studie, betonte in diesem Zusammenhang, dass die gravierenden Leistungsunterschiede primär auf die soziale Herkunft und nicht auf einen Migrationshintergrund zurückzuführen seien.
Zwar liegen Schüler ohne Migrationshintergrund in den Naturwissenschaften 83 Punkte vor ihren Mitschülern mit Zuwanderungsgeschichte, doch ist dieser Abstand im internationalen Vergleich (OECD-Schnitt: 43 Punkte) besonders ausgeprägt.
OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher erklärte zudem, dass die Migration nur einen kleinen Teil des allgemeinen Rückgangs erkläre; der Leistungsabfall habe bereits vor der Pandemie um das Jahr 2015 begonnen.
Ursachenforschung und wirtschaftliche Implikationen
Experten führen den seit etwa 2012 beobachteten Einbruch auf eine Kombination verschiedener Faktoren zurück. Neben der intensiven Nutzung von Smartphones und sozialen Medien sowie einer sinkenden Lesezeit wird auch der wachsende Einfluss von Künstlicher Intelligenz als Treiber genannt.
In Deutschland kommt ein erheblicher Ressourcenmangel hinzu: 52 Prozent der Schüler geben an, dass Lehrkräftemangel den Unterricht beeinträchtigt. Im OECD-Schnitt liegt dieser Wert lediglich bei 39 Prozent.
Nicht nur die Schule steht in der Verantwortung: Laut PISA 2025 hängt der Bildungserfolg in Deutschland stark von der sozialen Herkunft ab — 113 Punkte liegen zwischen begünstigten und benachteiligten Familien. Was Eltern konkret tun können, um ihr Kind zu stärken, zeigt dieser kostenlose Leitfaden: mit einer Checkliste, um Medienkonsum sinnvoll zu begrenzen, und einfachen Lese-Routinen ab Klasse 1. Checkliste für starke Lese-Routinen sichern
Das Ifo-Institut warnt bereits vor den langfristigen ökonomischen Konsequenzen dieses Bildungsverfalls. Demnach sei mit einem volkswirtschaftlichen Einkommensverlust von 3 bis 4 Prozent zu rechnen. Angesichts der Ergebnisse fordern Experten wie Silke Müller einen nationalen Staatsvertrag für Bildung sowie eine verpflichtende Medienbildung bereits ab der ersten Klasse.
Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig bezeichnete die sinkende Chancengleichheit als alarmierend und sprach sich unter anderem für Handyverbote während der Schulzeit aus. Während Länder wie Japan, Estland oder Kanada deutlich bessere Ergebnisse erzielen, verbleibt Deutschland nur noch nahe dem OECD-Durchschnitt.
