Lesekompetenz, Schüler

Lesekompetenz: 40% der Schüler verfehlen Standards am Ende der Grundschule

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 12:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Österreich erweitert die Unterstützung für Lesepatenschaften, während Bildungsdaten deutliche Defizite bei Kindern und Erwachsenen zeigen.

Österreich stärkt Leseförderung mit 120.000 Euro zusätzlicher Hilfe
Ein sonnendurchfluteter Bereich in einer Bibliothek mit hölzernen Bücherregalen und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Die Förderung der Lesekompetenz und eine systematische Sprachbildung gewinnen in der bildungspolitischen Debatte zunehmend an Bedeutung. Angesichts sinkender Leistungen in internationalen Vergleichsstudien rücken staatliche Anreize zur täglichen Lektüre sowie gezielte Förderprogramme als Gegenentwurf zu einer rein leistungsorientierten Schulkultur in den Mittelpunkt.

Aktuelle Erhebungen und Initiativen verdeutlichen dabei die Notwendigkeit, sowohl im schulischen Bereich als auch im ehrenamtlichen Sektor zusätzliche Ressourcen zu mobilisieren.

Staatliche Fördermaßnahmen und strukturelle Defizite in Österreich

Das Bundesministerium für Bildung in Österreich hat eine Aufstockung der Fördermittel für die Lesepat/inneninitiative angekündigt. Demnach werden zusätzliche 120.000 Euro bereitgestellt, um den Ausbau der Initiative zu unterstützen.

Von dieser Förderung profitieren insgesamt 14 Organisationen aus allen neun Bundesländern, die ehrenamtliche Lesepatinnen und Lesepaten ausbilden. Derzeit engagieren sich landesweit mehr als 4.600 Freiwillige, die wöchentlich in Schulen vorlesen und Kinder beim Kompetenzerwerb unterstützen.

Diese Maßnahmen reagieren auf einen signifikanten Handlungsbedarf innerhalb des Schulsystems. Laut Daten aus dem September 2026 verfehlen am Ende der Volksschule 40 % der Schüler die Bildungsstandards im Lesen. Die PISA-Ergebnisse unterstreichen diese Entwicklung: Fast ein Viertel der 15-Jährigen weist demnach Schwächen in der Lesekompetenz auf.

Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, kündigte Bildungsminister Wiederkehr die Einführung einer täglichen Leseeinheit an. Auch im Erwachsenenbereich zeigen sich Defizite, da rund 29 % der 16- bis 65-Jährigen in Österreich über geringe Lesekompetenzen verfügen. Hier bieten Institutionen wie das BhW Niederösterreich kostenlose Kurse für die Basisbildung an.

Sprachstandserhebungen und Bildungsstandards in Deutschland

In Deutschland forderte Bundesbildungsministerin Karin Prien die Einführung verbindlicher Sprach- und Entwicklungsstandserhebungen bereits vor dem Schuleintritt. Während 14 von 16 Bundesländern den Sprachstand von Kita-Kindern bereits seit Jahren erfassen, wird die Forderung nach bundesweiten Standards lauter.

Maike Finnern, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), betonte in diesem Zusammenhang, dass eine bessere Sprachbildung untrennbar mit der Bereitstellung ausreichender Ressourcen verknüpft sein müsse.

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Am Ende der Grundschule verfehlen 40 % der Schüler die Bildungsstandards im Lesen, und fast ein Viertel der 15-Jährigen liest laut PISA schwach. Wer früh ansetzt, kann gegensteuern: Unser kostenloser Leitfaden zeigt in fünf Schritten, wie Lernstandserhebung, Elterngespräche und gezielte Förderung ineinandergreifen. 5-Schritte-Plan zur Leseförderung jetzt anfordern

PISA-Studien belegen zudem, dass die Leistungen im Lesen und Rechnen seit über einem Jahrzehnt rückläufig sind, wobei insbesondere große Leistungs- und Herkunftsunterschiede bestehen.

Ein Lösungsansatz wird im Modell der sogenannten 100-Prozent-Schulen gesehen. Dieses zielt darauf ab, dass alle Schüler die Regelstandards in den Kernfächern erreichen. Die Methodik umfasst eine fünfstufige Kernroutine: beginnend mit einer digitalen Lernstandserhebung über die Datenanalyse und Elterngespräche bis hin zur adaptiven Förderung nach der RTI-Logik (Response to Intervention) und einer abschließenden Überprüfung.

Ehrenamtliches Engagement und lokale Förderprogramme

Neben staatlichen Programmen spielen zivilgesellschaftliche Akteure eine zentrale Rolle bei der kognitiven Förderung. Kiwanis Deutschland rief im Rahmen des Weltkindertages am 20. September 2026 dazu auf, verstärkt gegen Lese- und Schreibschwäche vorzugehen. Mit dem Programm „Tutoring for All - Lesen mit dem Turbo-Team“ (TfA) ist die Organisation bereits an 122 Schulen aktiv.

Mehr als 6.000 Kinder konnten durch dieses Angebot bisher Leserückstände aufholen. Laut Angaben von Kiwanis ist es möglich, innerhalb von sechs bis zwölf Wochen einen Rückstand von einem halben Jahr auszugleichen. Zur Unterstützung übernimmt die Organisation für 20 Schulen die Hälfte der Lizenzgebühr in Höhe von 2.500 EUR.

Regionale Projekte ergänzen diese Bemühungen durch individuelle Betreuung:
* In Grevenbroich setzt der Verein „Lesementor Grevenbroich“ auf das Eins-zu-Eins-Prinzip, bei dem sich Ehrenamtliche wöchentlich mit einem Kind treffen.

Das Projekt wird bereits an sechs Grundschulen und einer Förderschule umgesetzt. Ein Einführungsseminar für neue Mentoren wurde für den 19. September in der Stadtbücherei angesetzt.
* In Neumarkt startet ab dem 29. September der Leseclub „Kolibri56“ für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren.

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In vielen Kitas und Grundschulen fehlt ein verbindlicher Blick auf den Sprachstand — dabei entscheidet er darüber, ob ein Kind den Anschluss hält. Unser kostenloser Leitfaden liefert eine Checkliste zur Sprachstandserhebung und zeigt, welche Lesepatenschaften und Förderangebote Kinder wöchentlich begleiten. Checkliste Sprachstandserhebung jetzt sichern

Das Vorhaben wird durch das Bundesprogramm „Kultur macht stark“ gefördert, das bundesweit etwa 85.000 Kinder in 441 Leseclubs erreicht.
* In St. Pölten organisierte die Initiative „Zeit Punkt Lesen“ ein Lesepicknick im Alumnatsgarten, um Schülern durch Veranstaltungen im öffentlichen Raum einen niederschwelligen Zugang zu Literatur zu ermöglichen.

Die Vielfalt dieser Ansätze verdeutlicht, dass die Bewältigung der Leseschwäche eine Kombination aus systemischen Reformen, gezielter finanzieller Förderung und breitem ehrenamtlichem Engagement erfordert.

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