Leistungsdruck und Sucht: Uli Borowka spricht über seinen Weg aus der Abhängigkeit
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Öffentliche Debatten rücken zunehmend in den Vordergrund, wie enormer Leistungsdruck in professionellen Umfeldern psychische Erkrankungen und Suchtverhalten auslösen oder verstärken kann. Sportlerinnen und Sportler sowie Personen des öffentlichen Lebens berichten verstärkt über ihre Bewältigungsstrategien und die Herausforderung, Hilfsangebote rechtzeitig wahrzunehmen.
Wenn sportliche Höchstleistung die Abhängigkeit verdeckt
Dass sportlicher Erfolg und schwerwiegende Abhängigkeiten nebeneinander existieren können, verdeutlicht die Laufbahn früherer Leistungsträger. Der ehemalige Fußballprofi Uli Borowka, der während seiner aktiven Zeit bei Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen zweimal die deutsche Meisterschaft (1988 und 1993), zweimal den DFB-Pokal (1991 und 1994) sowie 1992 den Europapokal der Pokalsieger gewann, thematisiert seine frühere Alkoholabhängigkeit heute offen.
Bei einer Veranstaltung des Unternehmernetzwerks „Der Mittelstand. BVMW“ am 8. Oktober 2026 in der Stadthalle Erkelenz spricht Borowka, der inzwischen als zertifizierter Suchtberater in der Prävention tätig ist, über seinen Weg aus der Sucht und die Dynamik, wenn Leistung bestehende Probleme überlagert.
Im Anschluss an den Vortrag beleuchtet der Psychologe Dario Zaremba spezifische Warnsignale im Arbeits- und Unternehmensalltag sowie die Präventionsverantwortung von Führungskräften. Die Diskussion soll zeigen, dass Suchterkrankungen oft lange unbemerkt bleiben, wenn Betroffene nach außen hin weiterhin Höchstleistungen erbringen.
Essstörungen und Burnout im Spannungsfeld der Öffentlichkeit
Neben stoffgebundenen Abhängigkeiten wie dem Alkoholkonsum führt der Druck zur ständigen Selbstoptimierung häufig zu Essstörungen und Erschöpfungszuständen. Die 31-jährige Fitness-Influencerin Sophia Thiel, die online mehr als eine Million Follower erreicht, sprach im BR24Sport-Podcast „Pizza & Pommes“ bei Felix Neureuther und Philipp Nagel über ihre Erfahrungen mit Essstörungen, Burnout und psychischen Belastungen.
Dass Höchstleistung und Abhängigkeit jahrelang nebeneinander bestehen können, zeigt der offene Bericht eines ehemaligen Profifußballers über seine Alkoholabhängigkeit während der aktiven Karriere. Genau diese Dynamik macht Sucht im Betrieb so schwer erkennbar: Wer liefert, fällt nicht auf. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, welche Warnsignale im Arbeitsalltag Sie ernst nehmen sollten und wie Sie als Führungskraft das erste Gespräch vorbereiten. Kostenlosen Präventions-Leitfaden anfordern
Thiel schilderte, wie Mobbing-Erfahrungen seit der Kindheit und extreme Gewichtsschwankungen sie prägten, und erklärte, dass man sich durch restriktives Verhalten die eigene Persönlichkeit nehmen könne. Plattformen sozialer Medien sieht sie dabei als Verstärker problematischer Körperideale, distanzierte sich ausdrücklich vom Schlankheitstrend auf TikTok und riet dazu, den eigenen Selbstwert nicht an das äußere Erscheinungsbild zu koppeln.
Die Grenze zwischen sportlicher Härte und psychischer Gewalt
Auch in der Schweiz thematisieren ehemalige Athletinnen und Athleten die psychischen Rahmenbedingungen des Spitzensports. Im Zuge von Recherchen des Magazins Bajour zu Vorwürfen von Machtmissbrauch am Basler Ruder-Club äußerten sich drei Mitglieder des Basler Grossen Rats mit eigener Spitzensporterfahrung.
Viele Führungskräfte erkennen Warnsignale erst, wenn die Leistung bereits einbricht — dann ist der Handlungsspielraum klein. Fehlt ein betriebliches Präventionskonzept, bleibt Sucht oft bis zum Zusammenbruch unsichtbar. Der kostenlose Leitfaden führt Sie in drei Schritten zu einer klaren Präventionsverantwortung: Warnzeichen deuten, Gespräch führen, Ansprechstrukturen aufbauen. Präventions-Leitfaden jetzt sichern
Gabriel Nigon, der 1984 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles im Fechten antrat, sowie der frühere Handball-Nationalspieler Alex Ebi ordneten die Anforderungen des Leistungssports ein. Ebi betonte, dass Spitzensport ohne Druck nicht denkbar sei.
Die Grossratspräsidentin und zehnfache Medaillengewinnerin bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften im Fechten, Gianna Hablützel-Bürki, verwies jedoch auf klare Grenzen. Diese seien definitiv überschritten, sobald psychische Gewalt ausgeübt werde. Die aktuellen Wortmeldungen unterstreichen, dass Präventions- und Hilfskonzepte in leistungsorientierten Organisationen unerlässlich sind, um Betroffene rechtzeitig zu schützen.
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