Lehrkräfte, Druck

Lehrkräfte unter Druck: 52% österreichischer Lehrer psychisch stark beansprucht

04.06.2026 - 08:30:41 | boerse-global.de

Studie zeigt: 52 Prozent der Lehrer fühlen sich psychisch stark belastet. Schulleitungen und Schüler ebenfalls betroffen.

Lehrkräfte unter Druck: 52% österreichischer Lehrer psychisch stark beansprucht - Bild: über boerse-global.de
Lehrkräfte unter Druck: 52% österreichischer Lehrer psychisch stark beansprucht - Bild: über boerse-global.de

Eine aktuelle Online-Umfrage der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz und des öbv zeigt: 52 Prozent der österreichischen Lehrkräfte fühlen sich psychisch stark beansprucht. Besonders dramatisch ist die Lage an Sonderschulen, wo die Belastungsquote bei 75 Prozent liegt. Berufsschulen schneiden mit 32 Prozent vergleichsweise gut ab.

Drei Hauptfaktoren treiben den Druck

Die Befragung von über 2.000 Lehrkräften, die Ende 2025 stattfand, identifiziert klare Ursachen. 68 Prozent nennen den administrativen Aufwand als belastend. 64 Prozent leiden unter zu großen Klassen. Und 63 Prozent kämpfen mit heterogenen Lerngruppen.

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Die Folge: 74 Prozent berichten von zunehmender Erschöpfung im Laufe des Tages. Nach Schulschluss fühlen sich 58 Prozent erheblich oder völlig ausgelaugt.

Auch Schulleitungen am Limit

Der Druck trifft nicht nur das Lehrpersonal. Der Schulleitungsmonitor der Wübben-Stiftung, für den 1.357 Schulleitungen in Deutschland befragt wurden, zeigt: Über 40 Prozent arbeiten mehr als 50 Stunden pro Woche. An Brennpunktschulen steigt die Zahl auf über 54 Stunden.

Knapp 20 Prozent der Schulleiter zeigen bereits Burn-out-Symptome. Über 45 Prozent fühlen sich geistig erschöpft. Besonders kritisch: Mehr als 80 Prozent sind unzufrieden mit der Unterstützung durch Ministerien und Schulbehörden.

Trotz allem: Über 90 Prozent der Schulleiter sind froh über ihre Tätigkeit an ihrer Schule.

Schüler unter Druck – Social Media als Treiber

Die mentale Verfassung der Schüler wirkt direkt auf den Arbeitsalltag. Ein Drittel der Lehrkräfte gibt an, dass die Mehrheit ihrer Schüler psychisch belastet sei. Als Hauptgrund nennen 80 bis 88 Prozent die Nutzung von Social Media und Smartphones.

Immerhin reagieren die Schulen: Zwei Drittel der Lehrkräfte setzen bereits Maßnahmen zur Förderung der mentalen Gesundheit im Unterricht um. Der Bildungsforscher Christoph Helm kritisiert jedoch, dass dies oft noch unsystematisch geschieht.

Personalmangel: Rekordstellen, aber Lücken bleiben

Die angespannte Situation wird durch den Personalmangel verschärft. In Nordrhein-Westfalen wurden im Juni 2026 zwar über 166.000 Stellen besetzt – ein Rekordwert. Doch über 4.800 Positionen blieben unbesetzt. In Mecklenburg-Vorpommern klafft bis 2030 eine Lücke von 1.300 fehlenden Kräften.

Die Politik reagiert:
- Österreich schafft 800 zusätzliche Stellen ab 2026/27 im Rahmen eines „Chancenbonus“
- Nordrhein-Westfalen hebt die Anfangsgehälter auf die Besoldungsgruppe A13 an und stellt Seiteneinsteiger ein
- Lehrkräfte fordern Supervision, kleinere Klassen und weniger Bürokratie

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Positives Signal: Wissen wächst über Jahre

Trotz aller Belastung gibt es auch gute Nachrichten. Die Langzeitstudie „COACTIV-expeRt“ begleitete 116 Mathematiklehrkräfte über 15 Jahre. Ergebnis: Das pädagogisch-psychologische Wissen nimmt kontinuierlich zu – weit über das Studium hinaus.

Der Schlüssel: regelmäßige Reflexion des eigenen Unterrichts. Und die wichtigste Ressource der Lehrkräfte? 72 Prozent nennen ihre Selbstwirksamkeit.

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