Lehrermangel, Stellen

Lehrermangel 2026: 6.200 Stellen fehlen, Teilzeitquote auf Rekord

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 04:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Teilzeitquote unter Lehrkräften erreicht mit 44 Prozent einen Höchststand. Der Lehrermangel verschärft sich: Bis 2035 fehlen voraussichtlich 27.000 Pädagogen.

Lehrermangel in Deutschland: Teilzeitquote erreicht Rekordhoch von 44 Prozent
Ein leerer Schreibtisch in einem modernen Klassenzimmer mit Lehrbüchern und einem Tablet, symbolisch für die Schulsituation. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Personalkrise an deutschen Schulen verschärft sich. Im Schuljahr 2024/25 arbeiteten rund 44 Prozent der etwa 752.100 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen in Teilzeit – ein Höchststand seit 2009.

Teilzeitquote: Frauen besonders betroffen

Besonders ausgeprägt ist der Trend bei Frauen: Über die Hälfte (51 Prozent) hat ihr Deputat reduziert, bei Männern sind es rund 23 Prozent. Zum Vergleich: Über alle Branchen hinweg liegt die Teilzeitquote in Deutschland bei etwa 31 Prozent.

Die regionalen Unterschiede sind massiv. Stadtstaaten wie Hamburg (55 Prozent) und Bremen (52 Prozent) verzeichnen Spitzenwerte. In Thüringen sind es dagegen nur 23 Prozent, in Sachsen-Anhalt 24 Prozent.

Belegschaft altert: Jeder Dritte über 50

Parallel dazu altert das Personal: 25 Prozent der Lehrkräfte sind zwischen 50 und 59 Jahre alt, weitere 10 Prozent sind 60 oder älter. Nur 20 Prozent sind jünger als 35. In Sachsen-Anhalt ist die Lage besonders zugespitzt – dort ist mehr als jede zweite Lehrkraft über 50.

Personallücke wächst: 6.200 Stellen fehlen 2026

Der Bedarf übersteigt das Angebot zusehends. Für 2026 prognostizieren Branchenanalysen einen Einstellungsbedarf von 35.300 Stellen, dem nur 29.100 Bewerber gegenüberstehen. Besonders kritisch ist die Lage in der Sekundarstufe I und an beruflichen Schulen. Bis 2035 rechnen Schätzungen mit einer kumulierten Lücke von 27.000 Lehrkräften.

Die Länder reagieren mit Quer- und Seiteneinsteigern. Deren Anteil stieg binnen eines Jahrzehnts von 4 Prozent (2014/15) auf 11 Prozent. In Hessen haben im Grundunterricht stellenweise 25 bis 50 Prozent des Personals kein klassisches Lehramtsstudium absolviert.

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Stressfaktoren: Schülerverhalten und Bürokratie

Die Belastung im Lehrerberuf wächst. Eine Umfrage unter rund 1.000 Lehrkräften im Februar 2026 zeigt: 45 Prozent nennen das Schülerverhalten als größten Stressfaktor, gefolgt von administrativen Aufgaben (39 Prozent) und mangelhafter Work-Life-Balance (38 Prozent).

Auch Bewertungsportale zeigen wachsende Unzufriedenheit: Die Organisation an Schulen wird häufiger negativ bewertet als im Branchendurchschnitt. Bei interner Kommunikation und Führung liegen die Werte ebenfalls unter dem Marktniveau. Stabilisierend wirkt dagegen der Zusammenhalt in den Kollegien.

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Länder reagieren: Rekordetat und neue Ausbildungsmodelle

Hessen investiert im aktuellen Schuljahr einen Rekordetat von 6,2 Milliarden Euro – 370 Millionen mehr als zuvor. Ein Großteil fließt in den Ausbau der Ganztagsbetreuung, für die seit August ein Rechtsanspruch für Erstklässler besteht. Zusätzlich starten Pilotprojekte mit standardisierten Mathe-Checks und festen Lesezeiten.

Sachsen-Anhalt setzt auf gezielte Ausschreibungen: 378 Lehrerstellen wurden für das neue Schuljahr ausgeschrieben, für bestimmte Positionen gibt es Zulagen.

Auch die Ausbildung wird reformiert. Die Leuphana Universität entwickelt ein Modell nach dem Vorbild von Universitätskliniken – mit Praxisbezug ab dem ersten Semester. Das Projekt wird mit 3,4 Millionen Euro gefördert und läuft bis Mitte 2030.

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